Kolumne: Wieso sind wir nicht alle Finanzexperten?Let’s all become finance experts?

05. Feb 2011

 Wieso sind wir nicht alle Finanzexperten?

Text: Joachim Ritter

Ich finde die modernen Kommunikationsmittel genial! Denn es sieht wie eine Riesenerrungenschaft aus, dass jeder seine Meinung ins Netz stellen kann und andere innerhalb von Minuten eben diese Meldung verbreiten können. Dieses macht man insbesondere deshalb,weil einem eine Meldung gefällt oder eben nicht gefällt, weil sie einem in den Kram passt oder eben nicht in den Kram passt. Es spielt dabei überhaupt keine Rolle, ob diese Meldung der Wahrheit entspricht oder eben nicht. Jeder kann sich sein Stück der Wahrheit aus einer Meldung herausziehen, eben so wie es ihm oder ihr beliebt. Ebenso kann man sich auch bewusst dafür entscheiden, jemand mit der Verbreitung dieser Meldung zu schaden. Dabei muss man überhaupt nicht konkret werden. Es reicht schon, Andeutungen zu streuen, um die Phantasie der Adressaten anzuregen.
Für mich als Journalist ist das gut. Denn es heißt, dass die Erfordernis von Fachleuten, die Meldungen bewerten und kommentieren können, mehr denn je vorhanden ist. Mit Wissen und Hintergrundwissen kann man seinen Lebensunterhalt verdienen. Denn eigentlich will man die Wahrheit haben (allerdings nur wenn sie einem passt und genehm ist). Irgendwann wird sich jedoch durchsetzen, dass nur die Wahrheit von Bedeutung ist. Intelligenz kann mit der Wahrheit umgehen. Ebenso ist das mit den Lichtdesignern. Je mehr wir über die Möglichkeiten, Auswirkungen und die Gefahren von Licht wissen, umso bedeutender ist die Erfordernis, dass wir erstens weiter forschen, um das Wissen zu erweitern und zweitens uns dieses Wissen als Lichtdesigner aneignen. Denn nicht jeder sollte Licht planen. Nur derjenige, der das fundierte Wissen hat, sollte die Erlaubnis haben, Räume mit Licht auszustatten. Und das so, das es nicht die Gesundheit des Nutzers beeinträchtig und nebenbei auch technische, energetische und umweltpolitische Aspekte berücksichtigt.
Heutzutage kann noch immer jeder mit Licht rumeiern wie es ihm gefällt oder weil er sich persönlich dazu berufen fühlt – ebenso übrigens wie man Informationen ins Internet stellen kann.

Vor einiger Zeit erhielt ich eine Anzeige, die als Newsletter der Zeitschrift Geld.de verpackt wurde. In dieser Anzeige wurde als Redaktion getarnt zum Kauf von Aktien der Firma Global Dynamix Solutions PLC geraten. Diese Firma stellt LED-Lösungen her. Insbesondere die Straßenbeleuchtung, so hieß es, bringe einen Riesenmarkt und Absatzpotential mit sich. Als Vorteile und Begründung wurden folgende Argumente präsentiert. Ich zitiere:

Vorteile von LED-Beleuchtung:
– Niedriger Energieverbrauch. Einsparpotenzial von 50-80 Prozent gegenüber herkömmlichen Beleuchtungen (Glühbirne, Leuchtstoffröhre, Halogenlampen)
– Lange Lebensdauer. LEDs halten durchschnittlich 50.000Stunden (25-35 Jahre)
– 70-90 Prozent Reduzierung der jährlichen Wartungskosten. LEDs geben keine Low-Level-Strahlung oder schädliche UV-Strahlung ab
– Produziert mehr Licht pro Watt und entwickelt weniger Wärme. Glühbirnen produzieren 95 Prozent Wärme und fünf Prozent Licht. LEDs produzieren 95 Prozent Licht und fünf Prozent Wärme. Bessere Lichtqualität (Vollspektrumlicht)
– LEDs sind stoßfest und sind nur schwer von Außen zu beschädigen Nach eingehender Analyse des LED-Markts und der Clean Light Green Light (www.cleanlightgreen-light.com) kommen wir zum Schluss, dass die Aktie der Global Dynamix Solutions GB PLC (GDS) auf Sicht der nächsten 12-18 Monaten ein Potenzial von 835 Prozent (Kursziel:13,00 EUR, aktueller Stand 1,38 EUR) bereithält. Der bevorstehende Wandel im LED-Beleuchtungsmarkt hin zu einem Massenmarkt wird ein riesiges Marktvolumen hervorbringen, von dem die Aktie der GDS enorm profitieren wird. Denn die US-Tochter Clean Light Green Light hat alle Voraussetzungen, um seine Produkte als weltweiten Standard zu etablieren und sich somit als ein Weltmarktführer in dieser technologischen Nische durchzusetzen.

Zitat Ende

Glauben Sie nicht, dass ich ein Feind der LED bin, mitnichten! Ich halte diese Errungenschaft für eine Riesenchance der Branche, in der ich ja nun auch tätig bin. Doch seien wir mal ganz ehrlich. Wo bitteschön gibt es noch Straßenbeleuchtung mit Glühbirne oder Halogenlampen, von der wir dann durch den Austausch hin zur LED 60-80 Prozent Energie einsparen können? Muss ich noch auf die Frage des Vollspektrumlichts bei LEDs eingehen? Oder auf durchschnittliche Lebensdauer von 25-35 Jahren? Wohl kaum. Ich fühle mich da nicht kompetent. In 25 Jahren bin ich pensioniert und auf diese Überprüfung möchte ich nur wirklich nicht noch warten müssen. Vor der Veröffentlichung wurde ein Volumen von 100.000 Euro von dieser Aktie gekauft, die nach der Veröffentlichung mit einem Kursgewinn von 4 Cent je Aktie wieder verkauft wurden. Das macht 4.000 Euro innerhalb von Minuten, die durch Unwissenheit verdient wurden. Nicht übel. Am 8. Dezember wurde insgesamt ein Volumen von über 1.250.000 Aktien verkauft, zum Preis von fast 2,50 Euro. Vor der Veröffentlichung am 1. Dezember lag der Preis bei 1,38 Euro. Das macht 1,25 Mio. Euro Gewinn in sechs Tagen. Warum wartet der oder die Anleger denn nicht bis der Kurs bei 13 Euro liegt? Das wären 12,75 Mio. Euro in 12 Monaten. Ich gebe zu: Der Verkauf nach sechs Tagen macht mehr Sinn!

Ach ja: Wer auf der Webseite der US-Tochter Greenlight PLC surft, wird folgenden Hinweise finden:
„Unser erfahrenes Personal und Produktspezialisten sind Kunden fokussiert. Das heißt, dass der Übergang von traditionellen Lichtlösungen zu LED-Lösungen informiert und angenehm ablaufen kann. Wir sind ebenso verpflichtet, die Öffentlichkeit über LED-Lösungen aufzuklären.“

Na denn gute Nacht!

Let’s all become finance experts?

Text: Joachim Ritter

I just love modern communication media! You would think it was a huge step for mankind to be able to post your opinion online on any topic under the sun and see it reach people worldwide within minutes – and those people can in turn spread the information to yet more unsuspecting candidates, again within minutes.
And we do all this because we feel the urge to express what we Like or Unlike, or comment because the ‘news’ affects us positively – or not. It doesn’t matter one tiny bit if the opinion or news being spread is based on true facts or not. Anyone can read his portion of truth into any piece of information received to suit his or her own view of the world. It is also possible to make the conscious decision to do someone wilful harm by spreading messages in this way. You don’t even have to be precise in what you say. It’s enough to make insinuations to arouse the imagination of the addressees.
For me as a journalist, this is good news. Because it means that it is even more important that professionals evaluate messages properly and make educated comments. If you have know-how and well-founded background knowledge you can earn a decent living. But we want more. We want the truth about things (if it suits us, that is). At some stage, it will become clear that it is only the truth that counts. Intelligent minds can handle the truth.
It’s the same with the lighting designers. The more we know about the possibilities, effects and dangers of light, the more important it is that we, that is to say, the first ones to know, continue to research to expand our knowledge and as lighting designers acquire this knowledge and apply it in our practice. After all, not everyone who designs lighting is necessary qualified to do so. Only those who have well founded knowledge should be allowed to design the light for architectural spaces – given that designed lighting should not present any health hazards to the users of the space and also address technical, energy and environmental aspects. To this day, anyone can “design” light to his heart’s content, or because he feels personally drawn to do so – similarly, in fact, to how some people handle information on the Internet.

A short while ago I was reading a German magazine that specializes in finance market news when I happened upon an advertisement in the form of a newsletter that was inserted into the magazine. The ad, which was basically editorial content in disguise, was encouraging readers to buy shares in the company Global Dynamix Solutions PLC. The company turned out to be a manufacturer of LED solutions. Road lighting in particular, so the ad claimed, was about to open up a huge market and thus promises the-sky’s-the-limit sales potential. The advantages and reasons for the above were presented in the following arguments. I quote: Advantages of LED lighting:
– Low energy consumption. Savings of 50 to 80 percent in comparison to conventional lighting systems (incandescent lamps, fluorescent tubes, halogen lamps)
– Long service life. LEDs last an average of50,000 hours (25 to 35 years)
– Savings of 70to 90 per cent for annual maintenance. LEDs emit no low-level radiation or harmful UV radiation
– Generates more light per watt and less heat. Incandescent lamps produce 95 per cent heat and 5 percent light. LEDs produce 95 per cent light and 5 per cent heat. Better quality light (full spectrum light)
– LEDs are impact-resistant and difficult to damage from the outside. After close scrutiny of the LED market and the Clean Light Green Light (www.cleanlightgreenlight.com) we have come to the conclusion that shares in Global Dynamix Solutions GBPLC (GDS) have an appreciation potential of 835 per cent in the coming 12 to 18 months (upside potential:13.00 EUR, current status 1.38 EUR).The impending changes will turn the LED lighting market into a mass market of huge volume, from which shares in GDS will benefit enormously –the US subsidiary Clean Light Green Light fulfils all the requirements for making its products standard world-wide, which in turn means the company will become a world leader in this technological niche.

End of quote.

Now, don’t think I am against LEDs. Not at all! I rate this technological achievement a huge chance for the industry in which I, too, am involved. But let’s be honest. Where on earth is there road lighting using incandescent or halogen lamps that we can readily retrofit with LEDs and consume 60 to 80 percent less energy? I probably don’t need to comment on the issue of full spectrum light LEDs emit, do I? Or on the quoted average lamp life of 25 to 35 years. No, I didn’t think so. I don’t feel competent to do so anyway. In 25 years’ time I will have retired and I really don’t want to wait that long to find out the answer. Prior to the publication of the ad shares to the value of 100,000 Euros were purchased, which were duly sold after the publication at a market gain of four cents per share. That amounts to 4000 Euros within minutes – earned through ignorance. Not bad. On 8. December over 1,250,000 shares were sold at a rate of just under 2.50 Euros per share. Prior to the publication on 1. December the going rate was 1.38 Euros per share. That makes 1.25 million Euros in just six days. Why doesn’t the investor, or the investors, wait until the share price reaches 13 Euros? That would be 12.75 million Euros in 12 months. I must admit, it does make more sense to make a mint in just six days!

Oh yes, and if you surf around the website of their US subsidiary Greenlight PLC, you will come across the following: “Our experienced sales staff and product specialists are client-centric, making the transition from traditional lighting to LED an informed and pleasant process. We also are committed to community education about LED lighting solutions.”

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