Kommentar: Was bedeutet Lichtbranche und Design heute?

08. Mrz 2016

Gedanken zur Light+Building

Von Joachim Ritter

Haben Sie schon mal die Zeit gehabt oder sich genommen, darüber nachzudenken, was die Light+Building in diesem Jahr an neuen Erkenntnissen bringen wird. Immerhin erwarten wir, dass dieses Branchenhighlight auch eine Art Standortbestimmung sein wird und ein Aufbruch in die kommenden Jahre signalisiert. Nun, ich befürchte, es wird in diesem Jahr nicht einfach sein, den Überblick zu gewinnen. Und dieses trifft sowohl für die Themen wie auch für den Markt selbst zu, der sich in keinster Weise einheitlich darstellt.

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Photo: Messe Frankfurt

Seit die Lichtbranche von der Weltlichtschau Hannover zur Light+Building Frankfurt umgezogen ist, schien die Messe auf der Überholspur zu sein. Von Veranstaltung zu Veranstaltung konnten Aussteller- und Besucherzahlen gesteigert werden. In diesem Jahr werden erneut 250.000 Besucher erwartet, die sich über die Angebote von 2500 Ausstellern informieren sollen. Eine Erfolgsstory.

Doch gibt es auch einige Kritik, die zwar nicht laut geäußert wird, aber doch irgendwie präsent ist. Es lohnt sich mal genauer hinzuschauen, welche Hersteller und Planer die Light+Building in diesem Jahr meiden. Sicherlich ist der Grund keine Frage des Erfolges, wenn ein so renommierter Anbieter und „Driver“ von LED-Lösungen wie Cree nicht in Frankfurt ausstellt. Auch ein in den vergangenen Jahren erfolgreicher Hersteller wie Lumenpulse, Sharp oder ein Konzern wie erneut GE sind in diesem Jahr nicht auf der Ausstellerliste der Light+Building zu finden. Spezialanbieter wie Ansorg und Martin Professional fokussieren sich wieder auf ihre Spezialgebiete und präsentieren sich mehr auf ihren Spezialmessen Euroshop und Prolight + Sound. Diese Liste ist noch erweiterbar und zieht sich durch alle Unternehmensgrößen, Nationen und Produktpaletten. Nun ist die Lichtbranche nicht dafür bekannt, dass es ihr an Selbstbewusstsein fehlt. Allen voran steht die Messe Frankfurt. Und solange andere Anbieter die frei gewordenen Fläche einnehmen, ist das sicherlich kein Thema der Branche, welches einen größeren Raum einnimmt.

Schon seit einigen Jahren stöhnen die Hersteller über die ausufernden  Kosten der Veranstaltung. Und alle wissen, dass es für diese Investition keinen vergleichbaren Return on Investment gibt. Dennoch werden weiter munter die Messevolumen erhöht. Budgets von mehr als zehn Millionen Euro sind nicht unüblich. Doch wollte bisher niemand den Eindruck geben, man könnte nicht oder es wird die Frage gestellt, welche Message man dem Markt aussendet.

Seit Jahren reduziert sich die durchschnittliche Dauer eines Besuchers und ist mittlerweile bei 1,5 Tagen pro Besucher angelangt. Seit Jahren versuchen mehr und mehr Anbieter diese Zeit für sich zu beanspruchen und die Besucher davon zu überzeugen, dass sie die Vorreiter sind.  Das Dumme ist nur: alle anderen versuchen dieses auch und es setzt sich langsam die Erkenntnis durch, dass die bloße Anwesenheit noch keinen Erfolg bedeutet. So bleiben viele Aussteller auf ihren Kosten sitzen.

Alle versuchen, ihre Produkte und Produktlösungen an den Mann zu bringen. Das Problem ist nur, dass Licht mittlerweile derart komplex ist, dass im Rahmen eines Messebesuches keine qualifizierte Beratung stattfinden kann. Ein Event schwimmt auf der Oberfläche der Information. In diesem Jahr also gibt es einige Hersteller, die dem Markt eine Message senden, die da lautet: Dieses Jahr mit uns nicht! Dennoch: Aktuell bleibt es eher eine Randnotiz.

Seriöse Weiterbildung wird demgegenüber vernachlässigt. Vor einigen Ausgaben der Light+Building waren die angebotenen Seminare von hoher Qualität und Planer haben gerne für entsprechende Qualität bezahlt. Mehr als 800 Teilnehmer zählten die Seminare – verglichen zu 200.000 Besucher der Messe ein Bruchteil der Messebesucher und kein Problem. Heute interessiert sich kaum noch jemand für die Seminare, die für Lichtdesigner angeboten werden. Das Programm, zusammengestellt von einem internationalen Verband, der vor allem die Interessen seiner Mitglieder vertritt, ist im großen und ganzen spärlich. Anekdoten aus einzelnen Büros, präsentiert als Gespräch zwischen Kollegen ist eher geeignet für Gesellschaftabende, aber kein ernstzunehmendes Weiterbildungsprogramm. Doch das ist, was die Branche aktuell dringend benötigt. Immerhin, es ist kostenfrei und muss sich in all den Angeboten auf der Messe durchsetzen. Man darf gespannt sein auf die Resonanz.

Doch hört man auch aus Kreisen der Planerschaft, dass sie in diesem Jahr die Light+Building auslassen oder nur kurz besuchen. Die Kosten scheinen sich dennoch jedoch kaum zu reduzieren. Denn heute kostet eine Übernachtung, was vor vier Jahren noch für zwei Nächte reichte. Und niemand kann behaupten, dass Deutschland und die Flüchtlingssituation hierfür verantwortlich sind. Wenn Sie übrigens noch kein Hotelzimmer haben sollten, machen Sie sich auf etwas gefasst. Sie müssen für ein Vier-Sterne-Hotel mit 400 € rechnen – pro Nacht wohlgemerkt.
Inhaltlich müssen Sie als Besucher auf Themen vorbereiten, die zunächst einmal so gar nicht mit Lichtdesign zu tun zu haben scheinen. In der Zukunft jedoch werden sie zur treibenden Kraft des Designs:

1. Smart Cities
2. Konnektivität
3. Internet of Things
4. Energieeffizienz
5. Human Centric Lighting

Ah, hier haben wir etwas, was mit Lichtdesign zu tun haben könnte. Aber wohl auf erst auf Platz fünf. Wenn man in die Vergangenheit schaut, war das auch nicht wirklich anders. Wie jedoch lässt sich diese Liste analysieren?
Es ist ein Zeichen der Zeit, dass die Technik zum Schlüssel für das Design wird. Das ist spannend und schafft viele Möglichkeiten. Aber als Planer ist es auch von Nöten zu wissen, wie das Design nach neusten Erkenntnissen aussehen sollte. Hier wird es komplex und die Fachliteratur bietet in diesem Bereich zu wenig aus der Forschung. Schöne Bilder und Technik reichen nicht, um gut planen zu können.
Aber auch das war schon immer so und es scheint, als hätte die Lichtbranche in den vergangenen Jahrzehnten nicht wirklich dazugelernt, beziehungsweise verlässt den Pfad des Designfokus zurück zur Oberflächlichkeit und Selbstgefälligkeit führender internationalen Designverbandes.

In diesem Bereich der internationalen Verbände scheint sich zu bewahrheiten, dass Konkurrenz das Geschäft belebt oder belebt hatte, als PLDA noch aktiv war. Wie übrigens auch die Erfahrungen mit der FIFA im Profifußball erneut gezeigt haben.

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