Kommentare: Warum soll ich lesen…

09. Jan 2015

…was ich ohnehin schon weiß?

Text: Joachim Ritter

Im Laufe eines Berufslebens gibt es sicherlich immer Schlüsselmomente oder Hinweise, welche die Überzeugung eines Menschen prägen oder sie gar zu einem Dogma des Lebens werden. Für mich war dieses eine Aussage von Klaus-Jürgen Maack, ehemaliger Geschäftsführer von Erco, der das Unternehmen bis zu seinem Ausscheiden vor einigen Jahren zu der Marke gemacht hat, die erfolgreich wurde und den Markt seither prägt.

Klaus-Jürgen Maack sagte, „Warum soll ich lesen, was ich ohnehin schon weiß“? Es brauchte nicht sehr lange, um zu erkennen, dass er Recht hatte. Denn auch ich verwende meine Zeit kaum damit, etwas mehrfach zu lesen, es sei denn, ich kann eine andere Sichtweise oder neue Argumente finde, welche die Wissenserweiterung dann sinnvoll erscheinen lässt. Und so habe ich mir von diesem Zeitpunkt an gesagt, dass meine Texte und meine Beiträge und meine PLD-Ausgaben immer etwas bieten müssen, was nicht schon bekannt ist und was eine klare Aussage beinhaltet, um mich und meine Texte zu rechtfertigen.

Und so werden ich zu Beginn diesen Jahres nicht darauf hinweisen, dass das die Unesco das Jahr 2015 zum Jahr des Lichtes ausgerufen hat, denn wer in der Lichtbranche das in den letzten drei Monaten nicht mitbekommen haben sollte, ist wahrscheinlich nicht mehr zu helfen. Denn fast täglich wurde mir dieses in Facebook, LinkedIn, Twitter oder E-Mails mehrfach und unübersehbar diese Meldung mitgeteilt, wie auch der Hinweis, dass wir doch alle diese einmalige Chance nicht verstreichen lassen sollten. Nun also ist es soweit. Von nun an verstreichen die Tage und mit jedem Tag sollten wir diesen eben sinnvoll genutzt haben, um Licht stärker in das Bewusstsein der Gesellschaft zu rücken.

Doch sind wir tatsächlich darauf vorbereitet? Zumindest können wir sagen, dass alle in der Lichtbranche sich des Jahres des Lichtes bewusst sind. Doch ist eben das eigentlich nicht das Ziel dieses Projektes. Wir in der Lichtbranche wissen um die Bedeutung des Lichtes. Doch geht es mehr um die Gesellschaft, um die Bauherren, eben um alle, die nicht täglich mit Licht zu tun haben, aber es nicht schätzen. Eine Meldung in den Nachrichten und eine Auftaktveranstaltung werden da sicherlich nicht reichen, um einen grundlegenden Wandel in der Gesellschaft zu vollziehen. Oder erhoffen wir uns nur einen schnellen Erfolg, jeder für sich Aufträge und mehr Honorar für das, was wir als planer tun. Sollte dieses unsere Erwartung sein, wird sich sicherlich in zwölf Monate Enttäuschung breit machen. Denn so einfach wird sich nichts ändern.

Jahr des Lichtes oder nicht – ich will gar nicht wissen, was wir uns am Ende dieses Jahres sagen werden und wenn wir uns eingestehen müssen, dass in 2016 nun wieder die Normalität zurückkehrt, quasi das Jahr nach dem Licht, ohne dass wir es geschafft haben, den Beruf zu etablieren. Hat die Online-Petition mit über 1000 Unterschriften gerichtet an die Präsidentin der IALD, Barbara Horten etwas bewegt? Die Forderung war, das Jahr des Lichts zu nutzen, um den Beruf des Lichtdesigners zu etablieren. Aber möglicherweise ist es ja auch nicht sichtbar und etwas passiert im Hintergrund von historischem Ausmaß. Wenn es so ist, lasst es uns wissen!

Dann könnte ich endlich lesen, was ich noch nicht weiß.

My opinion:

Leave a comment / Kommentieren

Leave the first comment / Erster Kommentar

avatar
wpDiscuz

©2017 published by VIA-Verlag | Marienfelder Strasse 18 | 33330 Guetersloh | Germany

Page generated in 0,150 seconds. Stats plugin by www.blog.ca