10. Sep 2014 Von Papier getragenes LichtPaper and light -->

Anke Neumanns Arbeiten sind ein Cross-Over von Kulturen

Text: Anke Neumann, Joachim Ritter
Photos: Christoph Beer, Anke Neumann

Durch die Möglichkeit der Massenproduktion verliert ein Produkt nicht nur an Wert, sondern auch an Anerkennung. Die eigentlichen Qualitäten, die Papier aufweist, sind in dem Bewusstsein der Menschen weitestgehend verloren gegangen. Zu Unrecht. Immerhin ist die Kultur der Papierherstellung gut 2000 Jahre alt und war als Wandelement elementarer Bestandteil der japanischen Architektur, bis der Beton als Baumaterial das Papier überschattete und fast brachial ablöste.

In der traditionellen asiatischen Kultur wird dem Material Papier eine bedeutsame Stellung im Bereich des Wohnens beigemessen. Dort erkannte und nutzte man die poetische Wirkung, die von dem Material ausgeht. Leichtigkeit, Zartheit, Diffusität und selbst das Vergängliche sind Eigenschaften, die es zu etwas ganz Besonderem machen. Aber vor allem ist es die Transluzenz, welche die Verbindung mit dem Licht nahezu herausfordert. Wird Licht durch eine Papierfläche gefiltert, bekommt es eine ganz besondere Weichheit und Wärme. Viele Gestalter, allen voran der 1988 verstorbene amerikanische Bildhauer mit japanischen Wurzeln, Isamu Noguchi, nutzten diese Eigenschaft und kreierten anmutige Leuchten. Noguchi war für die zeitgenössische Designerin Anke Neumann aus Chemnitz/D eine Inspiration. Ihr Anliegen war es jedoch, etwas zu schaffen, das nur im weitesten Sinne als „Leuchte“ betrachtet werden kann. Sie wollte weg von der herkömmlichen „umschirmten Licht“ und suchte nach etwas Neuem. Sie betrachtete das Konglomerat aus Wand, Bild und Licht und suchte nach einer Integration des Papiers in die westliche Wohnkultur. Sie wollte dem Papier eine Chance einräumen zwischen statischen, harten, kalten und „reinigungsmittelresistenten“ Materialien. Der visuelle Effekt, der durch den Einsatz von Papier entsteht, war für sie wichtiger als die übliche Robustheit. Parallel zu ihrem Studium Textil- und Flächendesign an der Kunsthochschule Berlin-Weißensee erlernte sie die handwerkliche Papierherstellung (Gangolf Ulbricht, Werkstatt für Papier, Berlin) und saugte alles Wissen über dieses Material in sich auf. Besonders das Gießen von großformatigen Papieren erweckte ihre Neugier. Neumann fasziniert diese Einfachheit, so ganz ohne aufwändige textile Techniken oder Chemikalien eine relativ stabile Fläche herstellen zu können. Es folgte eine Phase der experimentellen Projektarbeit. Sie experimentierte unter dem Titel „Handmade & Hightech“, zuerst mit kleinen Glühlämpchen, die sie zwischen zwei Lagen Papier „einschöpfte“, oder Farbpigmenten im Papier, die durch UV-Licht zum Leuchten angeregt wurden. Doch dann entdeckte sie den besonderen Charme, der entstand, wenn man LEDs oder Lichtleitfasern direkt bei der Herstellung in das Papier einbrachte.

Die Weiterentwicklung auf dem Gebiet der LED förderte die Papierarbeiten. Ein Verschmelzen von moderner Lichttechnik und traditioneller Lichtkultur führte zu einem neuen Ansatz. Durch oberflächliche Modifizierung der Endlichtfasern (PMMA) gelang es, das Licht partiell seitlich abstrahlen zu lassen und so aderähnliche Lichtstrukturen in das Papier zu bringen. Anke Neumann spricht gerne von einer Licht-Injektion, ausgehend von einer extern befindlichen Lichtquelle. Die Lichtfaser schafft einen kleinen Raum im Papier, in dem das Licht reflektiert und gleichzeitig nach außen abgestrahlt wird. So entstehen Objekte oder Flächen, die aus sich selbst heraus leuchten. Bei großen Wänden, oder sich überschneidenden Mustern arbeitet Anke Neumann mit einer anderen Technik. Die Lichtfasern werden direkt an der Wand fixiert und es wird maschinell hergestelltes Kozopapier darüber geklebt. Aus dieser Idee der Lichttapete entstand ein neues Produkt: der Lichtputz. Hier liegen die Lichtfasern direkt in der Wand, im Gegensatz zur Lichttapete, wo sie reliefartig auf der Wand liegen. Ohne Licht ist eine edle glatte Oberfläche sichtbar. Wird das Licht angeschaltet, erscheinen geheimnisvoll die Lichtstrukturen. Für die Papierherstellung benutzt Anke Neumann eine Mischung aus verschiedenen nachwachsenden Rohstoffen, wie Flachs, Hanf, Abaca (Bananenfaser) und Kozo (innere Rindenfaser des Maulbeerstrauches). Je nach gewünschter Papierqualität werden die Fasern kombiniert und zu einer bestimmten Länge gemahlen. Mit Wasser verdünnt wird dieses Gemisch gleichmäßig in ein feinmaschiges Sieb gegossen, welches in einem Wasserbecken liegt. Dieses Verfahren entstammt der nepalesischen Papiermacherei, wobei Siebe mit Holzrahmen in Erdlöchern schwimmen. In dieses Faser-Wasser-Gemisch werden nun die Lichtfasern eingebracht. Durch Ablassen des Wassers, lagern sich die Fasern (Papierund Kunststoff-) auf dem Sieb ab. Zur weiteren Entwässerung und zugleich Verfestigung der Faserformationen wird das Wasser abgesaugt. Schnelles Trocknen durch Hitze und Luftbewegung bringt eigenwilligere Formen hervor als ein langsames Trocknen bei feuchter Luft. Dabei schrumpfen die Papierfasern und es kommt zu einem „Kampf“ der Materialien, da die Kunststofffasern auf ihrer Starrheit bestehen. Diese werden sozusagen von den Papierfasern gehalten und im Gegenzug geben sie der Papierfläche zusätzliche Stabilität. Diese Kombination aus Licht und Papier macht es möglich, der Tradition des Handpapiermachens neue Impulse zu geben. Anke Neumann freut sich sehr, dass sie ein kleines bisschen dazu beitragen kann, einen handwerklichen Beruf vor dem Verschwinden zu bewahren. Lichterscheinung oder Beleuchtung? Die optischen Fasern werden vom Licht hochwertiger LEDs gespeist, die in kompakten Lichtprojektoren mit nahezu geräuschloser Kühlungstechnik integriert sind. Das Spektrum reicht von kleinen 3-Watt-Leuchten für subtile Lichteffekte über lichtstärkere LED-Projektoren (vergleichbar in Lichtintensität und Lichtfarbe mit einer 100 Watt Halogenlampe), bis hin zu farbwechselnden Projektoren, die Lichtinszenierungen ermöglichen. Diese sind kompatibel mit diversen Licht- und Mediensteuersystemen, wie DMX, DALI oder AMX. Über ein Touchpad können Helligkeit und Lichtfarbe variiert oder Lichtinszenierungen programmiert werden. Darüber hinaus kann eine dynamische Bewegung des Objektes simuliert werden. Der Charakter des Lichtobjektes lässt sich somit mit Inhalten füllen. Das Spektrum der Lichtleistung reicht von einem schwach schimmernden Effekt bis hin zur funktionalen Beleuchtung. Bei all den technischen Entwicklungen ist es erfrischend zu sehen, dass geschichtliche Wurzeln der Lichtkultur im Sog der Neuentwicklungen nicht zwingend untergehen müssen. Im Gegenteil: in der Masse der Entwicklungen garantiert es die Individualität neuer Ideen und ihre Einzigartigkeit. Jede Kultur hat immer Elemente, die man nicht aufgeben, sondern mit neuem Leben erfüllen sollte. Das hat Anke Neumann mit ihren Arbeiten gemacht. Ein Hoch auf diesen Mut und die Ergebnisse, die einen Platz in der Branche gefunden zu haben scheinen.

www.lichtpapier.de

Anke Neumann’s works are a crossover of cultures

Text: Anke Neumann, Joachim Ritter
Photos: Christoph Beer, Anke Neumann

Through mass production a product not only loses in value, but also forfeits much of the recognition it deserves. People today are no longer really aware of the true qualities of paper. And that is not right. The culture of paper manufacture is well over 2000 years old and in the past, used in the form of wall elements, it was an elementary part of Japanese architecture, until concrete began to overshadow paper as a building material, displacing it with almost brutal indifference.

In traditional Asian culture, paper is acknowledged as a serious building material and applied widely in people’s homes. There the people have discovered the poetic effect paper can have. Lightness, a certain delicate, diffuse quality, and even the ephemeral are all qualities that make paper special. And yet it is its translucence that practically asks for it to be combined with light. When light is filtered through a paper surface it acquires a very special softness and warmth. Many designers – first and foremost Isamu Noguchi, an American sculptor with Japanese roots, who died in 1988 – made use of these qualities to create luminaires with unique charm. Noguchi is a tremendous source of inspiration for Anke Neumann, a contemporary designer from Chemnitz/D. What she wanted to do, however, was to create something that would only remotely be regarded as a “luminaire”. She wanted to get away from the conventional lamp plus shade idea, and was looking for something completely new. Her observations of the combination of wall, picture and light in the Asian context led her to seek ways of integrating paper into western home décor. She wanted to give paper a chance between all the static, hard, cold and “cleaning agent resistant” materials. The visual effect that could be achieved using paper was more important for her than the usual robustness found in living spaces Parallel to her studies in Surface and Textile Design at the College of Art in Berlin Weissensee she also learned how to make paper by hand (Gangolf Ulbricht, Paper Workshop, Berlin) and gathered as much knowhow about this material as possible. She was particularly intrigued by how large sheets of paper could be made by pouring pulp. Anke Neumann was fascinated by the simplicity of the process: it was possible to make a relatively stable surface without the use of chemicals or any of the complex technologies applied for making textiles. She spent some time experimenting, referring to her project work as “Handmade & Hightech”. She first used small incandescent lamps, which she placed between two layers of paper, or colour pigments within the paper, which could be activated to glow when subjected to UV light. But then she discovered what delightful effects could be achieved by incorporating LEDs or optical fibres into the paper at the manufacturing stage. Further developments in the field of LED technology promoted her work. The merging of state-of-the-art lighting technology with traditional lighting culture led to a new approach. By modifying the surface of endemitting optical fibres (PMMA) it was possible to achieve the effect of light being partially emitted along the length of the optical fibres and thus creating luminous vein-like structures in the paper. Anke Neumann talks about an “injection of light” that stems from an external light source. The optical fibre creates a small space within the paper, in which the light is reflected and simultaneously emitted. The result is objects or surfaces that are self-luminating. In the case of large wall surfaces or overlapping patterns Anke Neumann applies a different technique. The optical fibres are mounted directly onto the wall and machinemade kozo paper is pasted over them. The idea of creating luminous wallpaper gave rise to a new product: luminous gypsum. This means that the optical fibres are incorporated into the wall rather than applied to the wall surface, as is the case with luminous wallpaper. When the light is switched off, the surface of the wall is simply smooth and flat. When the light is switched on fascinating luminous structures appear on the wall.

To make paper Anke Neumann uses a mixture of different sustainable raw materials, such as flax, hemp, abaca (banana fibre) and kozo (the inner cortical fibre from a mulberry bush). Depending on the quality of the paper desired, the fibres are combined and ground to a specific length. The mixture is diluted with water and poured through a fine-mesh sieve, which is stood in a basin of water. This process originated in Nepal, where paper is made using wooden-framed sieves floating in holes in the ground. The optical fibres are added to this watery fibre mixture. When the water is drained off, the fibres (both paper and PMMA) remain on the sieve. To drain off more water and harden the fibre mix the water is siphoned off. Drying the resulting mass fast, and using heat and air blowers, will give rise to different shapes and textures. If the paper is to be relatively smooth and uniform, it should be left to dry slowly in a moist environment. The paper fibres shrink during the drying process, which results in a “battle” between the different materials, given that the PMMA fibres retain their inelasticity. The latter are held together by the paper fibres so to speak and in return give the paper additional rigidity. This combination of paper and light generates new impulses for handmade paper manufacture. Anke Neumann is pleased to have been able to contribute towards saving a traditional craft from disappearing altogether. Impressions of light or lighting? The optical fibres are illuminated by high-quality LEDs, which are integrated into compact projectors with a practically silent cooling system.

The spectrum ranges from small three-watt units for subtle lighting effects to powerful LED projectors (comparable in their luminous intensity and colour temperature to a 100 watt halogen lamp) to colour-changing projectors which allow different moods to be generated. The latter are compatible with various lighting and media control systems such as DMX, DALI or AMX. Using a touchpad, brightness and colour temperature can be varied and different settings programmed. It is also possible to simulate dynamic movement. The luminous object or surface can thus be programmed to narrate content. Softly shimmering effects are possible as well as brighter functional lighting levels. With all the technological progress we meet with every day, it is refreshing to see that the historic roots behind certain lighting cultures do not necessarily have to cease to exist in the maelstrom of new developments. On the contrary: in the mass of new developments it is the individual quality of new ideas and their uniqueness that wins through. Every culture has elements that should not be abandoned but filled with new life. That is what Anke Neumann has achieved with her work. We can congratulate her, both on her courage in developing these new design ideas and for the results, which would appear to have found a place in the industry.

www.lichtpapier.de

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