11. Apr 2017

Wie aus Orgelpfeifen Leuchten für ein historisches Stadtpalais werden.

Text: Jo-Eike Vormittag


Von ihren Ursprüngen losgelöst und nun unter neuer Verwendung, schenken diese Orgelpfeifen dem Betrachter im übertragenen Sinn entweder Musik für die Augen oder Licht für die Ohren. Je nach dem, wovon man sich beim Anblick der ursprünglichen Tongebern und jetzigen Leuchten mehr angesprochen fühlt.

Dabei spielen auch die Entstehungs- und Designhintergründe eine Rolle: Die französische Gemeinde Saint-Rémy-de-Provence trumpft mit außergewöhnlicher Historie auf. So ist es zum Beispiel Nostradamus Geburtsort, während Vincent van Gogh dort malte. So wie der Ort steckt auch das Haus voller Geschichte. Es handelt sich um ein renoviertes Stadt-Palais, einen ehemaligen Adelssitz und ein heutiges Hotel, aus dem 17. Jahrhundert. Genau dort wurde 1863 die Oper „Mireille“ von Charles Gounod uraufgeführt. Der Komponist spielte dabei selbst auf einer Harmonium-Orgel, was für die Lichtplanerin Susanne Brenninkmeijer schließlich Inspiration war.

Fünf Orgelpfeifen hängen auf verschiedenen Höhen, und sind mit warmweißen, nach unten abstrahlenden LED-Reflektorlampen ausgestattet. Im Innern sind sie golden lackiert. Dieses Zusammenspiel sorgt für angenehmes Licht im barocken Treppenhaus. In der Decke sind zusätzlich engstrahlende Richtstrahler installiert, die wiederum von oben die Orgelpfeifen anleuchten und dem restlichen Eingangsbereich angenehmes, zum Sandstein passendes Licht schenken.

So ist Beleuchtungstechnik clever in einem Klangkörper verbaut – Licht für die Ohren. Gleichzeitig erzeugen die Orgelpfeifen heute keinen Klang mehr, sie sind zu ästhetischen Leuchten umfunktioniert und schenken nur noch Musik für die Augen.


Architektur: Margot Stängle

Lichtdesign: L+RC, Susanne Brenninkmeijer

Verwendetes Produkt: Orgelbau Oppel


 

My opinion:

Leave a comment / Kommentieren

Leave the first comment / Erster Kommentar

avatar
wpDiscuz

©2017 published by VIA-Verlag | Marienfelder Strasse 18 | 33330 Guetersloh | Germany

Page generated in 0,278 seconds. Stats plugin by www.blog.ca