21. Mai 2015

Vom Weltethos inspiriertes Design

Text: Joachim Ritter

Ist es möglich, ein Produkt zu gestalten, welches global funktioniert und im Markt zugänglich ist? Zumindest ist das die Idee des globalisierten Marktes. Die Aufgabe aber scheint so groß, wie der Globus selbst.

Viele globale Brands wurden zunächst für lokale Märkte geschaffen. Coca Cola, Mc Donalds oder auch Autos sind einige Beispiele. Eine Leuchte zu schaffen, welche von Beginn an den globalen Markt ansprechen soll und für ein Unternehmen steht, ist deshalb eine Herausforderung. Swarovski hat Designerin Ulrike R. Birnbaum eben diese Aufgabe gestellt. Die Herausforderung war, eine Leuchte zu entwickeln, die das weltweite Portfolio der Marke Swarovski unterstreicht. Funkelndes Kristall sollte zur Realisierung des Projektes in einer möglichst neuen und innovativen Funktionsweise verarbeitet werden. Zudem sollte das visuelle Thema der Leuchte ein weltumspannendes sein. Globale Probleme gibt es in der Tat genügend. Es sind in der Regel die Versuche, die Schönheit unseres Planeten und des Lebens zu erhalten. In diesem Gedanken zeigt sich die Ambivalenz unseres Daseins und des Lebens auf unserem Globus.

Ulrike Birnbaum: „Es ist durchaus eine Herausforderung eine Leuchte zu gestalten, welche Elemente aufgreift, die in jeder Kultur und an allen Orten der Erde unter der gleichen Bedeutung verstanden werden. In all den verschiedenen Designprojekten, die ich in meinem bisherigen Schaffen gestaltete, finden sich nicht nur künstlerisch inspirierte Ansätze sondern vor allem kulturbezogene Themen. Mich faszinierte die Idee, den Konsens der kulturell geprägten Weltanschauungen in einem Designobjekt zu vereinen, und dieses nicht politisch sondern mit der Phantasie der Menschen neu zu interpretieren und einen Bezug zu jedermanns alltäglichen Erlebnissen herzustellen.” Für Birnbaum konnte sich aus diesem Ansatz eigentlich nur die Schönheit des Lebens als Hoffnung spendendes Element entwickeln. Ihr wurde bewusst, dass die Herangehensweise an dieses Projekt nur über die grazile und anmutige Gestaltungssprache realisiert werden konnte, welche die Schönheit und Klarheit unseres Erdballs reflektiert. Sie ließ sich inspirieren von dem deutsche Weltraumfahrer Alexander Gerst, der fantastische Bilder von unserem Globus gesendet hatte. Und da war es, dass weltumspannende Thema und der Lösungsansatz zugleich. Unser Globus, Lebensort der gesamten Menschheit, der aus dem Weltraum betrachtet keine Unterteilung kennt. Er ist eine Einheit, die uns alle betrifft. Naturgewalten und menschliche Interventionen sind ebenso ein Teil der globalen Welt und nicht lokaler Natur. „Es galt mit dem Design den faszinierenden Artenreichtum unserer Welt aber auch ihre Verletzlichkeit und Stärke herauszuarbeiten. Mein Ziel wurde es, für die Leuchte eine Gestaltungssprache zu entwickeln, die leicht zu verstehen ist, Platz lässt für Interpretationen, Träume, Entdeckungen, Phantasie. Bewusst zu machen, was unsere Erde bietet. Die Vielfalt an Kulturen auf all den verschiedenen Kontinenten. Die Zerbrechlichkeit von Natur und Leben. Die Kraft der Elemente wie Wasser, Eis und Luft. Und die Wärme des Lichtes, lebensnotwenig für alle Lebewesen.“

Ein weiteres Ziel, das sich während ihrer Arbeit an der Leuchte herauskristallisierte, war die Einbindung der direkten architektonischen Umgebung. Der Globus aus Glas und Kristall sollte nicht nur leuchten; er sollte Kontinente und Meere auf die umliegenden Wände projizieren, alle Farben des Spektrums im Raum spielen lassen und vor allem den Betrachter umschließen und einbeziehen. Die Kristalle des Glasglosbus wiederum reflektieren in tausendfachem Funkeln die Farben, Formen, Objekte und Personen in unmittelbarer Nähe. Die Arbeit an diesem Projekt resultierte in einem minimalistischen Design. Die Lichtquelle im Zentrum der Leuchte stellt den Kern unserer Welt dar, ihren Ursprung. Die Glaskugel aus mundgeblasenem Muranoglas ist eher eine transparente Projektionsfläche als eine feste Erdoberfläche – ähnlich der Atmosphäre welche unsere Erde schützt, oder dem tiefen Wasser der Ozeane. Stellen Sie sich vor, wie klare Luft über dem Horizont flirrt, wenn das Licht bei Tagesanbruch hervorstrahlt. Es ist das klare, weiße Glitzern von tausenden zarten geschliffenen Kristallen, welches die Kontinente formt. Das millionenfach gebrochene Licht, das uns zum Träumen und Staunen verführt. Welches die Realität spiegelt und verzerrt, das uns inspiriert und die Leidenschaft zu neuen Entdeckungen weckt. Und uns bewusst machen kann, wie wunderschön der blaue Planet ist, wie üppig und wie zerbrechlich. Genau betrachtet ist die Philosophie, die Ulrike Birnbaum in der Leuchte integriert hat, für uns ebenso groß, wie unser Globus selbst. Und doch bleibt es nur eine kleine Kugel, wenn man ihn aus dem All betrachtet.

www.architecture.swarovski.com

My opinion:

Leave a comment / Kommentieren

Leave the first comment / Erster Kommentar

avatar
wpDiscuz

©2017 published by VIA-Verlag | Marienfelder Strasse 18 | 33330 Guetersloh | Germany

Page generated in 0,986 seconds. Stats plugin by www.blog.ca