Kolumne: Typen in der Lichtbranche

16. Okt 2015

Rogier van der Heide

Text: Joachim Ritter

Die Würze einer Branche liegt oftmals in ihren „Typen“, den speziellen Charakterköpfen, die kein Blatt vor den Mund nehmen, die jeder kennt und die oftmals die Gemeinschaft spalten in diejenigen, die einen Typen großartig finden und diejenigen, die das nun überhaupt nicht verstehen können. Einer dieser Typen ist Rogier van der Heide, der Leuchtturm unter den Lichtexperten. Ehemals ein Lichtdesigner der Kategorie IALD Fullvoting-Member ist er nun zwar noch immer ein Lichtdesigner, aber einer, der auf der anderen Seite steht und von seinen ehemaligen freien Kollegen nun anders betrachtet oder teilweise ignoriert wird. Das heißt nicht, dass er auch noch mit Licht gestalten kann oder dass er nun seine Designqualitäten verloren hat. Aber die Puristen unter den Planern meinen, dass dieses nun der Fall ist. Rogier hat sich entschieden, Lichtdesign aus einer anderen Blickrichtung zu betrachten. Um ganz ehrlich zu sein, hat er zumindest den Vorteil, die Entwicklungen und Möglichkeiten eher zu kennen, als viele freie Planer. Und doch können oder wollen dieses viele Lichtdesigner nicht akzeptieren. Rogier van der Heide kann zuweilen ein Zappelphilipp vor dem Herrn sein. Er ist regelmäßiger Gast auf den Vortragsveranstaltungen weltweit. Steht er auf der Bühne und gibt er sein Wissen zum Besten, dann kann er nicht still stehen und beansprucht zwei bis drei Quadratmeter, um seine Aussagen mit Händen und Füßen kundzutun. Seine langen blonden Haare schwingen dabei grundsätzlich vor seinem Gesicht und jeder sieht, wie aussichtslos es scheint, dass er immer wieder seine Strähnen zur Seite schiebt. Dabei erscheint für kurze Momente immer und immer wieder sein Gesicht und seine Augen, welche in der Regel von Müdigkeit geprägt sind, weil er von Konferenz zu Konferenz eilt, um seinen aktuellen Arbeitgeber mit seinem Charisma zu vertreten. In Einzelgesprächen beugt sich Rogier in der Regel seinem Gegenüber, um sich ihm anzunähern. Und doch warten wohl alle noch auf den Augenblick, in dem er eine Diskussion mit Kaoru Mende führt. Seine Texte sind von besonderer Würze, versehen mit seinem ganz eigenen Humor. Schon seine Einstiege im Rahmen einer Konferenz sind speziell. Während alle Vortragenden sich artig für die Einladung des Veranstalters und die Möglichkeit des Vortrags bedanken, bedankt sich Rogier van der Heide dafür, dass die Zuhörer zu seinem Vortrag gekommen sind. Klingt zunächst plausibel, blendet aber voll und ganz aus, dass Zuhörer möglicherweise auch andere Vortragende schätzen und wegen ihnen erschienen sind. Den Rückblick über seine berufliche Karriere verbindet er zuweilen mit einer Fahrradreise von Amsterdam nach Dornbirn. Wer außer Rogier würde auf diese Idee kommen. Rogier kann man irgendwie nichts übelnehmen, nicht mehr. Aber Roger van der Heide kann auch Aussagen und Vorträge zusammenstellen, die einem im Kopf haften bleiben und eine Aussage vermitteln! Nicht immer, aber manchmal und auf jeden Fall nicht seltener als der eine oder andere Lichtdesigner, der nur noch aus dem Nähkästchen seiner Karriere als freier Lichtdesigner plaudert. Rogier wächst zwar nicht mehr körperlich, aber inhaltlich. Und so hat und findet er noch immer weltweit Anhänger, die er inspiriert, durch sein Wissen und durch seinen trockenen Humor – oder auch nicht. Eine Branche braucht eben Typen, spezielle Charakterköpfe, so wie Rogier van der Heide.

 

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