24. Mrz 2014

Tempel in Eifukuji/J
Inspirierend durchdacht

Text: Joachim Ritter
Photos: Toru Kitamura, Daichi Ano

Ein Fenster ist ein Fenster ist ein Fenster. Oder etwa doch nicht? Kann man doch etwas mehr aus der Öffnung in einer Wand machen als wir das gewohnt sind. Man kann, wenn man Licht als Element des Designs mit berücksichtigt und mit der Wandöffnung bewusst umgeht. Le Corbusier lässt herzlich grüßen.

Es erfordert eine Menge Überzeugung, bewusst einen stilistischen Bruch innerhalb eines Gebäudekomplexes zu begehen. Wenn man der Überzeugung ist, einen solchen Schritt zu machen, sollte sie am besten auf der fundierten Entscheidung beruhen, einen spezifischen Ansatz zu verfolgen. Beim Entwurf eines Gebäudes, in dem zusätzliche Büroräume und Wohnräume für die für den Tempel Eifukuji verantwortlichen Priester untergebracht werden sollten, und das auf demselben Grundstück wie der Tempel selbst stehen sollte, wurden die beauftragten Architekten mit einer signifikanten Herausforderung konfrontiert: Die neue Struktur sollte sich in den bestehenden Komplex harmonisch einfügen, eine direkte visuelle Verbindung zum Tempel gewähren und gleichzeitig ein gewisses Maß an Privatsphäre in den Wohnräumen schaffen.
Das neue Gebäude dokumentiert nicht nur einen architektonischen Stilbruch. Es wurden für die Konstruktion völlig andere Materialien verwendet. Anstelle von Holz, wie es für die traditionellen Tempelgebäude verwendet wird, nutzt das neue Haus Stahlbeton und für den Putz eine Gesteinskörnung aus dem regionalen Steinbruch. Die Innenwände sind mit einem traditionellen japanischen Gipsmaterial – tosa shikkui – verputzt. Dieses besteht aus einer Mischung aus Stroh und Kalk und ist sehr beständig. Dank des Strohs hat das Stuck zunächst eine seidig beige Farbe, wird aber mit der Zeit und durch das Sonnenlicht immer weißer – eins der seltenen Baumaterialien, die besser aussehen, je älter sie werden.
Der Grundriss des neuen Gebäudes ist leicht trapezoidförmig und wirkt optisch sowohl geometrisch präzise als auch verspielt. Das würfelförmige Gebäude hat insgesamt 77 Fenster und es sind gerade diese Fenster, die der Architektur das einzigartige Erscheinungsbild verleihen. Von außen betrachtet wirken sie schon faszinierend. Beim ersten Anblick ist man unsicher, ob es in der Tat Fenster sind oder vielleicht ein besonders ästhetisch gestaltetes Belüftungssystem. Die Wirkung in den Innenräumen hinterlässt einen Eindruck von Freude und durchdachter Inspiration. Klar definierte Lichtkegel, mit Absicht geplanter Tageslichteinfall, eine Galerie von Bildern der landschaftlichen Außenwelt – überwältigend passend. […]
—-
Die komplette Version dieses Artikels erhalten Sie in der Ausgabe PLD Nr. 92

My opinion:

Leave a comment / Kommentieren

Leave the first comment / Erster Kommentar

avatar
wpDiscuz

©2017 published by VIA-Verlag | Marienfelder Strasse 18 | 33330 Guetersloh | Germany

Page generated in 0,197 seconds. Stats plugin by www.blog.ca