Kommentar: Stolz und VorurteilProud and prejudiced

05. Aug 2011

Stolz und Vorurteil

Text: Joachim Ritter
Photo: Wikipedia

Aus der Reihe „Entwicklungen, auf die wir lieber verzichtet hätten“, möchte ich in dieser Ausgabe auf einen zehnjährigen Geburtstag hinweisen, auf den ich in einer Presseinformation im April dieses Jahres hingewiesen wurde. Es geht bei dieser Betrachtung weniger darum, grundsätzlich Geburtstage abzulehnen oder nicht jeden Anlass zum Feiern zu nutzen. Aber bin ich doch der Ansicht, dass sich nicht jeder Gedenktag wirklich geeignet ist, eine Party für eben diesen zu veranstalten. Jonny Cash war ein begnadeter Countrysänger, der mit seinem Konzert im Folsom-Gefängnis wohl seine erfolgreichste Scheibe produziert hat. Dennoch fällt es mir schwer, einen vergleichbaren Ansatz des Erfolges in der Entwicklung der Firma Plandesign* zu sehen, die mit der Leuchte Monitor T5 das „optimale“ Produkt für Gefängnisse entwickelt hat oder meint mit Stolz hiermit eine besonders innovative Lösung anzubieten. Ich möchte darauf hinweisen, dass die folgenden Auszüge unverändert dargestellt werden. Hier also sind Auszüge aus der Presseinformation:

„Monitor T5 – Ein Plandesign* Original feiert 10. Geburtstag. Das englische Wort „to monitor“ bedeutet im deutschen so viel wie „beaufsichtigen“, „beobachten“, „überwachen“. Das war auch der Grund weshalb sich Plandesign* bei der Namensgebung dieser Leuchte für Monitor T5 entschieden hat – denn sie sollte vorrangig als Haftraumleuchte zum Einsatz kommen. Zusätzlich war sie die erste ihrer Art, mit einer standardmäßig integrierten Nachtbeleuchtung – für eine „24h-Überwachung“ der Inhaftierten. Die Langfeldleuchte Monitor T5 ist nun schon zehn Jahre ein fester und erfolgreicher Bestandteil des Plandesign*-Sortiments und ein echtes Plandesign*-Original. Mit einer Schlagfestigkeit von IK16 (150Joule) gehört sie zu einer der stabilsten Plandesign* Leuchten und ist in der Lage, intensivem Vandalismus standzuhalten. Gleichzeitig weist sie mit einem Wert von IP65 eine starke Resistenz gegen Staub und Feuchtigkeit auf.…Der vandalenresistente, gepresste Diffusor besteht aus UV-stabilisiertem Polycarbonat und ist lichttechnisch optimiert, um eine maximale Lichtverteilung zu erreichen. Die schlanke Langfeldleuchte besticht durch ein zeitlos elegantes Design kombiniert mit einer hohen Vandalismusresistenz. War sie ursprünglich nur als Haftzellenbeleuchtung gedacht, deckt sie heute eine breite Reihe von Einsatzgebieten ab. So wird die Monitor T5 unter anderem sowohl in JVAs und forensischen Laboren, öffentlichen Einrichtungen und Plätzen, als auch in Unterführungen eingesetzt.“

Ende der Pressemeldung.Ich gebe zu, dass ich keine Erfahrung habe mit den täglichen Abläufen in JVAs, deshalb mögen folgende Gedanken nicht der Realität entsprechen und damit völlig abwegig sein. Es ist wirklich kein Grund zu feiern,wenn wir Symptome der Verfehlungen unserer Gesellschaft oder auchTeile unserer Gesellschaft mit Produkten begegnen, die wohl kaum menschenwürdig scheinen, sondern lediglich zur Frustration oder Aggression anregen. Eine 24-Stunden-Überwachung durch Licht zu ermöglichen ist wohl kaum jemandem wirklich zuzumuten und alleine dieser Umstand ist der Versuch Wert, die Licht spendenden Leuchten zu zertrümmern. Denn Licht ist nach 24 Stunden nicht etwas Positives, sondern ein verdammenswertes Übel. Immerhin aber – so der Hersteller –besticht die Leuchte durch ihr zeitlos elegantes Design und soll damit wohl attraktiv sein. Anders betrachtet: die Mehrkosten, die für die Festigkeit entstanden sind, wurden am Design wieder eingespart. Man könnte auch sagen, das Design ist so reduziert, dass jegliche Zerstörung kaum einen Verlust darstellen würde, wenn es denn zu zerstören wäre bei eben dieser hohen Vandalismusresistenz. Mehr noch, mit der Schutzklasse IP 65 könnte ein Häftling sogar mit einem Wasserschlauch in seiner Zelle die Monitor Leuchte bespritzen ohne dass es eine Wirkung auf die Leuchte hätte, vorausgesetzt ein Häftling hätte rein zufällig einen Schlauch zum Spritzen oder zumindest eine Wasserpistole in seiner Zelle und eben nichts anderes im Sinn als verzweifelt zu versuchen, eine Leuchte durch Spritzen mit Wasser zu zerstören. Über die Möglichkeit, die Leuchten mit Staub zu zerstören, möchte ich hier gar nicht erst eingehen. Also lassen wir dieses Beispiel des unwahrscheinlichen Falles und gehen auf ein anderes Feld des möglichen Einsatzes, der Forensik. Unter dem Begriff Forensik werden (nach Wikipedia) die Arbeitsgebiete zusammengefasst, in denen systematisch kriminelle Handlungen identifiziert beziehungsweise ausgeschlossen sowie analysiert oder rekonstruiert werden. Nun mal ganz ehrlich: Können Sie sich vorstellen, dass die Kollegen von CSI mit Monitor T5-Leuchten erfolgreicher sind als ohne? Und wenn nicht, sind sie dann so frustriert, dass schlagfeste Leuchten die einzige Lösung der Probleme darstellen? Ganz sicher doch ist, dass sich eine kriminelle Handlung dadurch vermeiden ließe, Monitor eben nicht in öffentlichen Bereichen einzusetzen. Denn sollte diese Leuchte tatsächlich in öffentlichen Bereichen und Unterführungen eingesetzt werden, so wie vorgeschlagen, käme das sicherlich einer Einladung zum Versuch gleich zu beweisen, dass selbst etwas provokativ unzerstörbares doch nicht perfekt ist. Es wäre halt eben nur schade um das „elegante Design“ – oder vielleicht doch nicht. Vandalismus wäre in diesem Fall zwar nicht rechtens, zumindest aber verständlich und damit strafmildernd einzustufen. Wenn man der Ansicht ist, dass Häftlinge für ihre Taten bestraft werden sollen und eben mit dieserLeuchte zu leben haben, dann sollte man nun wirklich nicht auch all diejenigen mit dieser Leuchte bestrafen, die sich noch in Freiheit befin-den und sich nicht zu schulden haben kommen lassen. Zusammenfassung: Ob nun Straftäter oder noch nicht! Letztendlich ist eine so genannte vandalismussichere Leuchte eine Provokation und Herausforderung zu beweisen,dass nichts vandalismussicher ist. Und wenn Monitor T5 dem Versuch standhält, ja dann zerstört man eben die nächste Schaufensterscheibe oder Parkbank – aus Frust gegenüber der Leuchte.

* Der Name wurde von der Redaktion geändert.

Proud and prejudiced

Text: Joachim Ritter
Photo: Wikipedia

From the series “Developments we would have done better without” I would like to draw your attention to a tenth anniversary that I learnt about from a press release I received from the German subsidiary of a UK-based company in April. The comment I am about to make has nothing to do with the fact that I am not into birthdays or anniversaries, or that I am not inclined to celebrate the same. Let’s say I am a bit particular about what I celebrate and that I am more than disinclined to throw a party for this piece of news. Let me explain. Johnny Cash was a gifted country singer who made a name for himself with – among other things – the live concert he gave in Folsom Prison in1968. This made many of us think differently about prisons, which is maybe one of the reasons I had such a hard time to celebrate the latest efforts of Plandesign* to get a foot in the penitentiary door with their pro-duct Monitor T5, which they claim is an “optimum” luminaire for the prison environment. Indeed, they report about it with pride. The following excerpts from the press release have not been edited in any way. This is what they wrote (translated from the German):

“Monitor T5 – a Plandesign* original celebrates ten years on the market. The English word “to monitor” means as much as “to invigilate”, “to observe”, or “to police”, which is why the Plandesign* company opted to call their luminaire the Monitor T5– because it is primarily designed for application in prison cells or police station cells. In addition, it was the first of its kind to offer integral night-time lighting – for 24-hour super-vision of inmates. The Monitor T5 has been in the Plandesign* range for ten years now, and is a real Plandesign* original. With a high impact resistance rating of IK16 (150 joules), it is among Plandesign’s* most robust fixtures and guarantees protection against severe vandalism. This IP 65 rated luminaire is further resistant to dust and moisture.…The vandal resistant diffuser is made of UV-stabilized polycarbonate and is optimized to achieve maximum light distribution. The slim-line fitting features time-less, elegant design combined with excellent resistance against vandalism. Originally designed as a prison cell luminaire, the Monitor T5 now covers a wide range of applications. The Monitor T5 has been installed in penitentiaries and forensic laboratories, public facilities and squares, as well as in underpasses.”

End of the press release. I must admit I have no experience of daily life in a penitentiary, so my thoughts on the matter may not correspond to reality and be completely off target. In my mind, there are no grounds for celebrating the fact that we respond to the symptoms of misconduct in our society or sections of our society with products that can hardly claim to be humane, but are likely to give rise to frustration or aggression. Round-the-clock supervision through lighting is enough to drive anyone to despair. It comes as no surprise that inmates subjected to24-hour lighting react by attempting to smash the luminaires that are preventing them from sleeping. Twenty-four hours of light is not something positive. It is positively evil. Well, at least – according to the manufacturer – the luminaire features timeless, elegant design, which is as much as to say that it looks nice. On the other hand, one might be led to believe that the company decided to save on the design of the fixture and invest more to render the pro-duct “vandal resistant”. You might say the design is so minimalist that not even the tiniest bit of damage would make much difference to its appearance, if it is possible to cause it any damage at all given its high impact resistance rating. And since we are talking about an IP 65 rated fixture, an inmate would not be able to do any damage by spraying it with water either, provided a prisoner had a hose at hand to spray water with, or maybe a water pistol, and was set on using water to do the relevant damage to get the light to go off. I am not sure you can do a lot of immediate damage to a luminaire with dust, so I won’t go into that … But let’s not go into what is not likely to happen and focus more on a further possible field of application: forensics. Wikipedia will tell you that forensics is the application of abroad spectrum of sciences to answer questions of interest to a legal system. This may include identifying, eliminating, analysing or reconstructing systematically performed criminal actions. Now, be honest: can you imagine the CSI team pinpointing more clues because they have a Monitor T5 in their lab? And if they don’t make any headway on a case that they are so frustrated that the only solution to the problem are impact-resistant luminaires? One thing is for sure: some criminal acts could be prevented by not installing Monitor fixtures in public spaces. If this luminaire is destined for application in public spaces and under-passes, as promoted, it is clearly an open invitation to prove that some-thing that claims to be indestructible definitely is. Of course it would be a shame to destroy an object of “elegant design” – well, maybe not. In this case, vandalism would of course be against the law, but at least understandable and maybe even a case for mitigation. If we are of the opinion that offenders should be punished for their misdeeds and are doomed to have to spend a certain amount of time with this very luminaire, then we should really not be using the same luminaire to punish all those of us who have no reason to be incarcerated. In conclusion: criminal offender or not, a vandal proof luminaire promo-ted in this way is a provocation and a challenge to prove that nothing is safe from vandals or destruction. And if the Monitor T5 can indeed withstand a violent attack, then it will be the next window or park bench that bears the brunt.

*The name has been changed by the editors.

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