28. Sep 2016

„Our Spectral Vision“ im Natural History Museum in London/GB

Text: Jo-Eike Vormittag

Photos: Jim Stephenson


Seit Isaac Newtons Experimenten im 17. Jahrhundert ist klar, dass weißes Licht zusammengesetzt ist aus dem Licht verschiedener Farben. Das sogenannte polychromatische Licht ist – altertümlicher als Wellenerscheinung betrachtet – also ein Gemisch aus vielen Wellenlängen. Mithilfe eines Prismas, so hatte es Newton seinerzeit bewiesen, lässt sich das polychromatische Licht, beispielsweise Tageslicht, in seine Spektralfarben zerlegen, weil die Wellen durch das Glas unterschiedlich gebrochen werden und in einem anderen Winkel wieder aus dem Prisma austreten. Diese farbigen Bestandteile lassen sich dann auch genauso wieder zusammenführen. So weit, so klar die Theorie.

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Praktisch und technisch gezeigt, ist dieser so ursprüngliche Vorgang über Licht, das Spektrum und die Optik immer wieder ein beeindruckendes Farblichtspiel. Genau deshalb setzte auch die britische Künstlerin Liz West das für den Menschen sichtbare Lichtspektrum in ihrer aktuellen Installation „Our Spectral Vision“ um. Und, weil seine Darstellung uns an die humanoide Beziehung sowie unser Verständnis für Farben erinnern soll.

Colour at The Natural History Museum for Nissen Richards. Copyright Jim Stephenson 2016

Die Installation, die zur Austellung „Colour and Vision: Through the Eyes of Nature“ im Natural History Museum in London/GB gehört, spielt mit den bunten Regenbogenfarben. Im Innern von sieben an der Wand befestigten Objekten strahlt je ein Trio von weißen, linearen LED-Lampen. Diese sind prismenförmig ummantelt, wobei die an der Wand befestigte Seite ein Spiegel ist und die anderen beiden, in den Raum ragenden Flächen aus verstärktem dichroitischem Glas, auch Farbeffektglas genannt, bestehen. Diese Glaswände sind alle in unterschiedliche Farben getaucht und von rechts nach links nach dem Spektrum angeordnet. Bei sieben Körpern ergibt das insgesamt 14 Glaswände und somit 14 eingesetzte Farben – im Wesentlichen von Magenta über Blau, Grün und Gelb bis hin zu Rot. Das Spezialglas besitzt die Fähigkeit, seine eigene Farbe je nach Beleuchtung, äußeren Umständen, Hintergründen oder Betrachtungswinkeln zu verändern. Die entstehende Dispersion ist also von Objekt zu Objekt sowie Glaswand zu Glaswand unterschiedlich. Das Ergebnis im Museumsraum ist eine atmosphärische Illusion, welche die visuelle Wahrnehmung des Betrachters stimuliert.

Copyright Jim Stephenson 2015.

Für die Arbeit hatte sich Liz West auch speziell am Schaffen Isaac Newtons inspiriert und seine damaligen Experimente interpretiert. Außerdem schaute sie zu Beginn auf die im Museum ausgestellten oder archivierten Vögel, Insekten und anderen Tiere mit ihren schillernden Mustern und Farben, die beispielsweise je nach Lichteinfall verschiedenfarblich erscheinen. Die also sonst technisch-modern umgesetzte Lichtinstallation der Künstlerin sucht ihre Analogien in den natürlichen Ursprüngen der Farbwelt und reiht sich ein in die gesamte Museumsausstellung über Farbe sowie ihre Erscheinung im Kontext der Natur.

Die Ausstellung läuft noch bis zum 6. November 2016.


Video:


Design: Liz West

Verwendete Produkte: LED-Leuchten: LED Linear; Dichroitisches Glas: Prinz Optics


www.liz-west.com

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