Projektbeteidigte:

Auftraggeber: Junta de Andalucia en Córdoba (Konzeptentwicklung und Design), Nieto Sobejano Arquitectos (Planung, Betreuung künstlerischer Bereich), FCC Construccion S.A. (Software)
Architekten: Nieto Sobejano Arquitectos (Architektur und Projektpartnerschaft), FCC Construccion S.A. (Generalunternehmer), Iluminación Lledó S.A. (Konstruktion Lichtfassadensystem), Marie Banâtre, Johann Christoph Bätz, Jan Edler, Tim Edler, Christoph von Mach, Daniel Mock, Malte Niedringhaus, Ulrich Pohl, Christian Riekoff, Stefan Tietke, Christoph Wagner, Markus Wiedauer
Lichtdesign: realities : united – studio for art, architecture and technology; www.realities-united.de

12. Jul 2017

Fassade und Display abseits der Norm: das Museum und Zentrum für zeitgenössische Kunst (C3A) in Córdoba/ES.

Text: Jo-Eike Vormittag
Photos: Roland-Halbe, Markus Koob, realities : united


Alle unsere Displays, die uns täglich umgeben, um uns unentwegt knallig, bunt, laut, leise, kurz, lang, wichtig oder banal zu unterhalten, werden immer größer, fortschrittlicher, hochauflösender und interaktiver. Die Hersteller wetteifern zum einen in allen Sektoren, die Kunden sehnen sich zum anderen nach dem neuesten Produkt. Aber warum nicht mal einen Schritt zurück machen? Warum das Ganze nicht mal minimalistischer und anders denken, doch dafür umso mehr Aufsehen erregen? Denn ein Mediendisplay kann im 21. Jahrhundert so abnormal sein, aber eben doch eine besondere Wirkung mit „Schüsselreiz“ entfalten. Zu erleben am Gesamtwerk des Museums und Zentrums für zeitgenössische Kunst (C3A) in Córdoba/ES.

Keine ultrahohe Superauflösung, keine zigtausend eng aneinander gereihten Pixel, keine schier endlosen Datensätze, kein striktes Anordnungsraster – das Display des C3A ist gänzlich anders als seine supertechnologischen Geschwister in Smartphones, Tablets, Laptops oder Fernseher. Es belastet uns nicht mit blauem Licht, ist nicht permanent angeschaltet, um uns mit irgendetwas zu bespaßen, muss nicht vor Sonnenlicht geschützt werden und es ist vor allen Dingen unscheinbar. Zugegeben, es handelt sich nicht um ein Display im klassischen Sinn, sondern um eine Licht- und Medieninstallation in der Außenfassade des Gebäudes. Trotz des Andersseins stecken hinter all dem aber ein ausgeklügeltes System sowie eine effektive, enge Zusammenarbeit zwischen Gebäudearchitekten und Display-Designern.

Das Gebäude, so wie es designt und genutzt wird, und seine Geometrie bieten zunächst die Basis. Denn die Elemente der allein durch Licht und Software gesteuerten Medienaußenfassade haben ihren Ursprung besonders im Interieur. Dort sind Räume polygonal gestaltet und mosaikartig angeordnet. Die Wände bestehen aus schwerem Beton, der die Kanten und somit die Anordnung schärfer zeichnet; im Kontrast wurden stellenweise helleres Holz als Verkleidung und Glasflächen, um Licht vermehrt durch die Räume scheinen zu lassen, verwendet. Die Formen des Interieurs ziehen die Decke nach unten, wodurch – von außen, zumindest von oben sichtbar – Schüsseln entstehen. Und aus genau diesen Schüsselformen bestehen auch die einzelnen „Pixel“ der Außenfassade. Zudem handelt es sich um ein modernes Medienkunstzentrum und -museum. Ein Ort, an dem Kunst geteilt, fühl- und erlebbar gemacht wird, an dem Menschen zusammenkommen, Dialoge führen, lernen, sich bilden und informieren – ideal also, um ein solches Informations- und Kommunikationsdisplay zu installieren und wirken zu lassen.

In unregelmäßiger Anordnung überziehen die schüsselartigen, hexagonal geformten Vertiefungen die 100 Meter lange Fassade. Innerhalb dieser 1319 Vertiefungen in drei verschiedenen Maßstäben sind seitlich weiße, in der Helligkeit steuerbare LEDs montiert, wodurch sie zu weithin sichtbaren Reflektoren sowie vielen einzelnen „Pixeln“ und der architektonische Körper insgesamt zu einem überdimensionalen niedrigauflösenden Graustufendisplay werden. Eine sortierte Anordnung der Schüsseln ist im Vergleich zu hochtechnischen Bildschirmen nicht erkennbar. Alles wirkt für den Betrachter in Größe und Ordnung unregelmäßig doch ästhetisch. Aber: die Anzahl der Schüsseln, wie sie gedreht sind, von wo sie beleuchtet werden oder wo sie ihren Platz in der Anordnung auf der Fassade haben, sind festgelegt. Die gesamte Fläche ist in Teilbereiche gegliedert, in denen die Verwendung bestimmter „Pixel“, deren Bezug zueinander sowie die Anordnung und die Verteilungsdichte genau definiert sind.


Die komplette Version dieses Artikels erhalten Sie in der Ausgabe PLD Nr. 105 sowie in unserer PLD magazine App (iPad App Store).


 

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