08. Nov 2016

„Foil“ als Installation im Victoria and Albert Museum in London/GB

Text: Jo-Eike Vormittag

Photos: Ed Reeve


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Licht kann uns und unsere Umwelt auf ganz unterschiedliche Art enorm beeinflussen. Die immersive Installation „Foil“, die während des London Design Festivals in Raum 94 des Victoria and Albert Museum eingerichtet wurde, macht dies sehr deutlich. Das eingesetzte Licht sowie die hervorgerufenen Streuungen und Reflektionen lassen nicht nur den Museumsraum und die Werke ganz anders erscheinen, sondern wirken auch sehr stark auf den Besucher.

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Raum 94 der Galerie ist nicht irgendein Raum mit irgendwelchen Exponaten. Dort hängen, bei idealer Temperatur, Luftfeuchtigkeit und Beleuchtung, mit den imposanten Wandteppichen des Duke of Devonshire aus dem 15. Jahrhundert, die wohl wertvollsten Exponate des Victoria and Albert Museums. Sowohl die Raumeigenschaften als auch die Kunstwerke unterscheiden sich zum Rest des Hauses. Grund genug für Benjamin Hubert und sein Designstudio Layer, genau dort, in der Mitte des Raums, die Installation einzurichten. Das Team hat aus Werbezwecken mit dem deutschen Elektrokleingerätehersteller Braun zusammengearbeitet, um einen vor der Veröffentlichung stehenden neuen Rasierer mit neuer Technologie in Sachen Scherfolie zu promoten. Und genau diese verspiegelte Folie, die beim Rasierer über den Klingen liegt und der sonst wohl nur wenig Beachtung geschenkt wird, dient „Foil“ als zentraler Werkstoff. Aus ihr wurden 50 000 kleine Platten gefertigt und auf ein 20 Meter langes Band geklebt, das sich, von einem Motor angetrieben, permanent in einer Sinuswelle bewegt. Auf dieses Wellenband ist wiederum ein LED-System gerichtet: 16 LEDs strahlen gezielt auf die Folienstücke, die das Licht auf ganz besondere, fast hypnotisierende Art reflektieren und im Raum zerstreuen. So erschafft „Foil“ Neuerungen in einem Umfeld, das eigentlich Uraltes konserviert und ausstellt: Es weckt Emotionen, stellt Tatsächliches, wie die Formen und Farben des Raums oder die riesigen Wandteppiche mit ihren Jagdszenen, anders dar. Noch immer beherrschen die Exponate die Galerie, auch mit der Installation zusammen. Doch durch das besonders geschaffene Licht ist der Besucher nicht nur viel intensiver eingeladen – gewissermaßen abgelenkt – innezuhalten und die Umgebung auf sich wirken zu lassen, er kann auch die Kunst, so wie sie sich im Glanz der Reflektionen und Streuungen zeigt, neu denken. Für das neugeschaffene Licht bietet der Raum mit einem massiven, dunklen Holzboden, der hellweißen kontrastierenden Decke sowie der tiefblauen Wände ideale Bedingungen. Es legt sich sanft, nicht bestimmend von unten beginnend wie ein Schleier zur Decke hinauf und über die Kunstwerke. Doch es bleiben genügend Zwischenräume, um dahinter zu schauen.

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Der Museumsraum und die Exponate – beides ist gegenständlich und lange Zeit beständig. Erst das Licht der Installation und seine (Aus-)wirkungen schaffen es, diese Beständigkeit und Gegenstände neu darzustellen und um sinnliche Aspekte zu erweitern. Das Licht beeinflusst Bauform und Besucher gleichermaßen.


Design: Designstudio Layer – Benjamin Huber, in Zusammenarbeit mit dem Unternehmen Braun


www.layerdesign.com

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