20. Apr 2018

Das Cities Forum anlässlich der PLDC 2017 in Paris.

Text: Riccardo Marini, Alison Ritter


Die Tagungen direkt vor dem dreitägigen Konferenzteil der PLDC in Paris wurden extrem gut besucht. Das längste der drei Meetings war das Cities Forum, das von 10.00 bis 17.45 lief und den ganzen Tag über vom Architekten und Stadtplaner Riccardo Marini moderiert wurde: „Es war mir eine Ehre diesen so wichtigen und wertvollen Teil von PLDC moderieren zu dürfen“. Warum ist Riccardo Marini dieser Meinung? Anscheindend behauptete Enrique Pelanosa während seiner ersten Amtsperiode als Bürgermeister von Bogotá, dass wir „mehr besser über den bevorzugten Lebensraum von Berggorillas informiert sind als über den bevorzugten Lebensraum von Homo sapiens“. Jan Gehl, der Rockstar der lebenswerten Städte, bezog sich auch oft auf diese Aussage. Wie diese beiden weltführenden „Stadtdenker“ lässt das Riccardo Marini ebenfalls ratlos.

Das Meeting fing mit einem Keynote von Lichtdesigner Roger Narboni an. Roger verfügt über große Erfahrung im öffentlichen Raum in vielen Teilen der Welt und hat mehr als 130 Licht-Master-Pläne realisiert.

Dr. Elettra Bordonaro und Dr. Don Slater von der London School of Economics hielten dann einen Vortrag über die Erwartungen hinsichtlich der städtischen Beleuchtung im 21sten Jahrhundert. Zu ihrem Vortrag gehörte auch ein Bericht zum Social Lightscapes Workshop, den sie in Paris vor PLDC durchgeführt hatten. Das Ziel der Workshopreihe Social Lightscapes ist, Forschungskompetenz aufzubauen und ein Bewusstsein für diese im Bereich der Lichtplanung und -gestaltung zu entwickeln. Es geht um einen handlungsorientierten Forschungsansatz, wobei die Workshopteilnehmer die Sozialforschung in Verbindung mit Lichtdesign dadurch kennenlernen, indem sie einen realen Standort in der Stadt erkunden und eine geeignete Lichtgestaltung dafür planen. Somit lernen Planer die städtischen Räume, die sie gestalten, strukturierter anzugehen.

Der viertägige Workshop erforderte konzentriertes Arbeiten vor Ort in der Place des Fêtes in Paris, sowohl durch Forschungstätigkeiten mit der lokalen Bevölkerung als auch Design-Aktivitäten mit Leuchten von iGuzzini. Geleitet von erfahrenen Soziologen von der LSE und dem Kings College London mit spezifischer Expertise im Bereich Lichtdesign und im öffentlichen Raum, sowie von Lichtdesignern mit fundierter Erfahrung bei Gemeinschaftsvorhaben, entwickelten die Teilnehmer Beleuchtungsstrategien mit einem vertieften Verständnis für die Bewohner des Stadtviertels. Der Workshop war der letzte in einer Reihe, welche die Basis für das Forschungsprojekt Configuring Light bildet. Im Pariser Workshop nahmen 38 Personen – professionelle Lichtplaner, Studenten, Forscher, öffentliche Bauherren – aus 17 unterschiedlichen Ländern teil.

Johannes Koponen von der Forschungsinitiative Demos Helsinki berichtete ausführlich über das Forschungsprojekt „The Naked Approach“, das als Ziel eine „hyperconnected“ Gesellschaft mit nordischen Wertvorstellungen hat: Effizienz, Vertrauen, Gleichheit, und ruhige, respektvolle Koexistenz. Auch wenn wir uns eine Welt mit Billionen von angeschlossenen Sensoren und Aktoren vorstellen können, die nachhaltig und überschaubar eingebaut und vernetzt sind, müssen wir trotzdem einen hohen Mehrwert für unsere Stadtbewohner, Gesellschaften und Unternehmen mittels hyperskalierbarer Wegbereiter von Geschäften und neu entstehender Unternehmens-Ökosysteme anstreben.

Nach der Kaffeepause hatten Partnerstädte und andere Teilnehmer, die sich dafür angemeldet hatten, über aktuelle oder geplante Beleuchtungsprojekte im öffentlichen Raum zu berichten, die Möglichkeit alle Anwesenden über den Stand der Arbeiten zu informieren. Dieser neue Programmpunkt im Cities Forum gab Teilnehmern die Möglichkeit, eine aktive und informative Rolle zu spielen. Riccardo Marini kommentierte: „Dies war eine wunderbare Gelegenheit, sich auszutauschen und einen Überblick der aktuellen Situation bei den Beleuchtungsprojekten in den Städten zu gewinnen. Wie ich meine, sollte diese Komponente des Cities’ Forum weiterentwickelt werden. Sie bietet eine hervorragende Möglichkeit, das Lernnetzwerk zu stärken und auszubauen“.

Dr. Natalie Pfau-Weller vom Fraunhofer Institut, die aktiv am Morgenstadt-Projekt beteiligt ist, beschrieb die nächste Phase des zukunftsorientierten Projekts.

Moderator Riccardo Marini, ein großer Befürworter dafür, dass der öffentliche Raum für die Öffentlichkeit gestaltet werden soll, weil er der Öffentlichkeit gehört, betrat die Bühne und zusammen mit Lichtdesigner Tapio Rosenius packte das Thema „öffentliche Beleuchtung“ direkt an: Wer hat die Antworten – wer sind die Experten? Wer braucht wen – und wann? Die Planungsteams, die heute für die Realisierung sinnvoller Lichtlösungen im öffentlichen Raum verantwortlich sind, sind wesentlich anders zusammengestellt als vor sogar fünf Jahren. Es sind nicht nur die Stadtplaner und die Lichtspezialisten, die sich dessen bewusst sein müssen, sondern auch die Entscheidungsträger auf kommunaler Ebene.

Wie bei PLDC 2015 in Rom fand zum Abschluss des Cities’ Forums die so genannten F2F(face-to face)-Talks statt, wobei die Teilnehmer ermutigt wurden, sich von Tisch zu Tisch zu bewegen und an den 15-minütigen dort stattfindenden moderierten Diskussionen teilzunehmen.


 

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