Kommentare: Perception

08. Jan 2015

Wahrnehmen – ist das, was ich für wahr nehmen will

Text: Joachim Ritter

Jeder hat seinen typischen Tagesablauf. Zu meiner Struktur gehören die täglichen Nachrichten abends um 20.00 Uhr. Es ist nebenbei gesagt auch der bewusste Abschluss des Arbeitstages und ein bisschen auch Zwang, sich von der Arbeit zu trennen. Möglicherweise ist es auch die Erkenntnis, dass es mir trotz aller täglichen Abläufe und Problemen grundsätzlich recht gut geht. Denn Nachrichten zu schauen, ist in der Regel frustrierend, ernüchternd, erschreckend.

Doch um ganz ehrlich zu sein, ist bei allen negativen Schlagzeiĺen, die weltweit produziert und in 15 Minuten komprimiert werden, manchmal die Realität doch anders als das, was wir wahrnehmbar vorgesetzt bekommen. Und wir bilden unsere Meinung nicht auf die Ganzheit der Information, sondern auf einen vorgefertigten Ausschnitt. Da passiert es rasch, dass man in der Beurteilung zu anderen Ergebnissen kommt, als die Realität sein kann.

Als in Teheran die Iran Lighting Design Conference 2014 stattgefunden hat, wurde gleichzeitig in Wien über das Atomprogramm und die Wirtschaftssanktionen verhandelt. Im Rahmen der Konferenz und den Gesprächen konnte man jedoch spüren, wie sich die iranische Gesellschaft nach einem Aufbruch sehnt und die Vergangenheit hinter sich lassen will. Auch die Bereitschaft, die Gesellschaft umzugestalten und ein Teil der internationalen Struktur zu sein, wurde einhellig diskutiert und bejaht. Insofern ist das Lichtdesign, beispielhaft für die iranische neue Denkweise.

Und wenn in den Nachrichten über 100 Protestler berichtet wird, die für die restliche Welt vehement den Einstieg in die Nutzung moderner Technologie im Bereich der friedlichen Nutzung von Atomenergie fordern, ist diese Zahl doch nichts im Vergleich zu 1600 Teilnehmern einer zeitgleich stattfindenden Lichtdesignkonferenz, in der nicht anderes diskutiert wird als die Frage, wie eine moderne Gesellschaft gestaltet werden kann. Extrem Denkende gibt es in jeder Gesellschaft, wobei die Forderung nach den Grundlagen für die Schaffung einer modernen Gesellschaft wirklich nicht als extrem zu beschreiben ist.

Da sind die Forderungen tausender Extremisten in vielen Ländern Europas aktuell das größere Problem. Im Europaparlament wurde diesen Gruppierungen sogar eine Stimme gegeben. Mit Verlaub: Die Anhänger dieser demokratisch gewählten Vertreter sind jeder Protestbewegung im Iran zahlenmäßig überlegen.

Ich halte mich deshalb auch an das, was ich mit vielen anderen internationalen Referenten im Rahmen der ILDC erfahren habe. Offenheit, Gastfreundschaft, Interesse, Bildung und Kooperation. Ich würde nicht soweit gehen zu behaupten, dass Lichtdesign ein Friedensstifter ist, aber es ist doch eine Ebene auf der man wunderbar kooperieren und gemeinschaftlich leben und gemeinsame Ziele erreichen kann.

Bild 1: Aliqoli Agha Bath, Isfahan/IR

Bild 2: Emamzadeh Hasan, Alasht/IR

Bild3: Vakil Bathhouse, Shiraz/IR

Weitere Informationen über den Iran: ILDC in Teheran

My opinion:

Leave a comment / Kommentieren

Leave the first comment / Erster Kommentar

avatar
wpDiscuz

©2017 published by VIA-Verlag | Marienfelder Strasse 18 | 33330 Guetersloh | Germany

Page generated in 0,251 seconds. Stats plugin by www.blog.ca