02. Dez 2009

Nr. 69 – Öffentliche und halböffentliche Bereiche

Nov/Dez 2009

Visuelle Symphonie
Grand Canal in Hangzhou/ROC
Text: David Müller
Nach klassischem Verständnis ist eine Symphonie ein musikalisches Stück, das einzelne Sätze zu einem Ganzen vereinigt. Nicht die Solisten haben hier die tragende Rolle, sondern das gesamte Orchester. Eine gigantische Symphonie des Lichts schuf unlängst der französische Lichtdesigner Roger Narboni zusammen mit der Zhongtai Lighting Group in China. Für einen zehn Kilometer langen Uferabschnitt des Grand Canals, der durch die chinesische Großstadt verläuft, entwickelten die Lichtplaner in nur acht Monaten ein Lichtkonzept. Bewusst verzichten sie in ihrem Werk auf dramatische Klänge und imposante Soli, um so ein ausgeglichenes, harmonisches Gesamtwerk zu konstruieren.

Vereint und strukturiert
Devonshire Square in London/GB
Text: David Müller
Es heißt, dass in London mehr Informationen beim Bier nach der Arbeit ausgetauscht werden, als durch E-Mails. Wie dem auch sei: Bei einem feinen Draught und vielen lustigen Geschichten werden gemeinsame Abende auf der Insel immer zum Erlebnis. Da das Wetter allerdings nicht immer mitspielt, finden diese oft in Bars und Pubs statt. Den Gastronomiebereich des Devonshire Square in London/GB kann man allerdings stets draußen genießen. Alte Lagerhallen aus dem 18. Jahrhundert wurden zu Shops, Bars und Restaurants umfunktioniert; im überdachten Hof können es sich Gäste bequem machen. Aus diesen Gebäuden eine gemütliche Umgebung zu schaffen war Aufgabe von Speirs and Major Associates. Ihre Lichtlösung vereint die verschiedenen Gestaltungselemente des Hofes zu einem warmen, wohnlichen Plätzchen.

Mit Schirm, Charme und Zigarre
Ruentex Tun-Rein Wohnblock in Taipei/TWA
Text: David Müller
Was ist Kreativität? Laut einem Online-Lexikon ist es die „Fähigkeit neue Problemstellungen durch die Anwendung erworbener Fähigkeiten zu lösen”. Kreativität ist die Basis des Berufs Lichtdesigner. Doch ein Design ist nur dann gut, wenn der Schwerpunkt der Gestaltung der Mensch selber ist. Zusammen mit dem Architekten und Innenarchitekten Wing Hun Wong hat der taiwanesischer Lichtdesigner Ta-Wei Lin ein Wohngebäude mit einer Atmosphäre geschaffen, die sowohl Qualität betonend als auch behaglich intim ist. Anstatt mit einer farbenbunten Beleuchtung und unerwünschter Brillanz imponieren zu wollen, bezieht sich die realisierte Lösung diskret auf natürliche Formen und Strukturen. Mit sehr eigenem Charme heißt das Ruentex Tunhua- Renai Residential Building seine Gäste mit einem riesigen Holzei, einer weißen Zunge sowie 155 gläsernen Zigarren willkommen.

Ein Wald aus hartem Stein
Die Autobahnbrücken in Nyborg/DK
Text: David Müller
Lange Autobahnfahrten bei Nacht gehören zu den weniger schönen Seiten des Reisens. Vor einem der nicht endende, graue Asphalt. Ab und an passiert man Straßenschilder oder Tankstellen. Doch um einen herum zieht sich das stete Schwarz der Nacht. Doch was ist das? Plötzlich erscheint ein leuchtendes Gebilde. Grüne Stämme ragen schief aus dem Boden. Darüber baut sich eine Schicht weißer Blätter auf. Für diesen lichten Wald sind die Lichtdesigner des dänischen Büros ÅF – Hansen & Henneberg verantwortlich. Ihr Lichtdesign an zwei Autobahnbrücken in Dänemark ist nicht nur interessant anzusehen. Es soll die Strukturen der Brücken hervorheben und Unfälle verhindern, indem man die Dunkelheit vor lauter Bäumen nicht mehr sieht…

Lichtdesign in Asien – eine Herausforderung
Eine Reportage über die Arbeit von Lichtdesignern mit europäischen Wurzeln in Asien
Text: Martin Klaasen
Projekte in Asien zu realisieren wirkt für einen Lichtdesigner oft beeindruckend und exotisch. Über die Straßen von Shanghai oder Bangkok zu laufen ist tatsächlich etwas ganz Besonderes: Eine fremde Sprache, anderes Essen, kulturelle Bräuche und eine unglaubliche Baudichte lassen es wie ein Privileg erscheinen, in Asien arbeiten zu können. Doch Projekte in einer solch andersartigen Umgebung zu realisieren ist nicht immer nur Spaß und Begeisterung. Oft gibt es große Herausforderungen, die überwunden werden müssen. Der niederländische Lichtdesigner Martin Klaasen wohnt und arbeitet seit über 20 Jahren in Asien. Das ist seine persönliche Reportage darüber, wie er diesen faszinierenden Teil der Welt erlebt.

James Turrell – Licht als absolute Metapher
Ein Jahr der Superlative für den amerikanischen Land-Art-Künstler
Text: Inge Friebe
„Ich erforsche das Licht wie einen neuen Kontinent“, verkündet der 66-jährige. Licht ist für ihn „Aufklärung, Erleuchtung, Geist.“ Wenn die Kunstgeschichte Turrells Werk auch durchaus im Kontext der amerikanischen Farbfeldmalerei sieht und seine Arbeiten, etwa die aus der Reihe „Tall Glass Pieces“, gerne mit den Bildern Mark Rothkos vergleicht, so ist sein künstlerischer Weg doch eng verknüpft mit der technologischen Entwicklung der letzten Jahrzehnte. Der gegenwärtige Stand dieser Entwicklung lässt ihn schwärmen: „Ich wünschte, die Lichttechnologie wäre vor 30 Jahren schon so weit gewesen“. Leuchtdioden sind für ihn eine großartige Erfindung. „Sie geben konzentriertes klares Licht, punktförmig und präzise, sie sind die bisher effizienteste, langlebigste und umweltfreundlichste Umwandlung von Energie in Licht.“

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