19. Jul 2009

Nr. 67 – Tageslicht

Juli/Aug 2009

Außer Kontrolle
Tageslichteffekte, die nicht zu kontrollieren sind: Flughafenterminal in Kopenhagen/DK
Text: Gad Giladi
Der Kopenhagener Flughafen gilt als einer der attraktivsten der Welt. Er ist ein Hub für skandinavische Ziele. Doch den wohl lichttechnisch spannendsten Teil kennen viele Gäste gar nicht, weil dieser lediglich den nationalen Terminal umfasst. Die Struktur des Gebäudes ist ungewöhnlich: Die gebogene Stahlkonstruktion aus unterschiedlich geformten Spitzbögen die skelettartig zusammenlaufen, hat zu dem Spitznamen „Wal“ geführt. Tageslicht trägt aktiv dazu bei, dem Fluggast ein einzigartiges Erlebnis zu geben, wenn er durch die Räume geht. Denn wenn sich natürliches Licht und das Wetter ändern, dringt Licht durch die intelligent platzierten Fenster und haucht dem Wal Leben ein: Eine phantastische Reise durch eine moderne Kathedrale des Lichts.

Durchlässig
Perforiertes Terminal 2 des Flughafens Mexiko Stadt/MEX.
Text: Prof. Susanne Brenninkmeijer
Um viel Tageslicht in ein Gebäude zu lassen, scheint es logisch, in dessen Fassade Löcher einzubringen. Bei gewöhnlichen Gebäuden bezeichnet man diese Löcher als Fenster. Dies fällt bei dem ungewöhnlichen Fassaden- und Deckenentwurf des Architekturbüros Serrano für das Terminal 2 des Flughafens Mexiko Stadt jedoch schwer. Also gelangen wir doch wieder zu der Beschreibung von Löchern. Doch irgendwie ist dieses der besondere Reiz des Projektes.

Sternen-Tag
Gutes Licht und guter Wein!
Text: Amber Ga Young Lee
Der Stein ist seit je her das Grundlegendste, was an Baustoffen in der Architektur
verwendet wird. Kaum ein Material hat in der Baukunst eine längere Geschichte. Mit keinem anderen Material assoziiert man Parameter wie Härte, Grobheit, aber auch Sicherheit und Schutz. Es ist die scheinbar kompromisslose Erscheinung, die den Stein zu einem strengen und unbeugsamen Element der Baukultur werden lässt. Doch selbst dieses härteste aller Materialien erhält scheinbar freundliche und einladende Züge, wenn das richtige Licht es umgibt und den harten Kern weich werden lässt.

Das Original
Text: Dr. Martin Lupton
Die Technik spielt eine wichtige Rolle. Es besteht kein Zweifel daran, dass die LED ein großer Teil der Zukunft sein wird und, was noch bedeutender ist, eine bessere Kontrolle von Licht in der Nutzung ermöglicht. Aber auch professionelles Lichtdesign wird verstärkt eine wichtige Rolle spielen. Wenn wir nur nach einer technologischen Lösung suchen, dann werden wir die Kurve nur ein wenig verändern – die Welt entwickelt sich, möglicherweise wird die Technologie effizienter, aber am Ende wird das gewonnene Energiepotential durch andere Ergänzungen wieder verloren. Es ist ein Ansatz, aber nur ein vorübergehender – wir müssen im Sinne von Entscheidungsarchitektur denken. Wir müssen die Sichtweise der Menschen (Architekten, Kunden und Endver-Sicherlich kann man derzeit niemanden finden, der behauptet, dass Nachhaltigkeit kein bedeutendes Thema im Lichtdesign ist. In den letzten Jahren haben viele Persönlichkeiten des Lichtdesigns ihre Position zu diesem Thema geäußert. Interessanterweise gehen die Meinungen hierzu weit auseinander: von der Ansicht, dass Nachhaltigkeit und die Gesetzgebung, die sie mit sich bringt, der Vorbote des Endes des Berufes sei, bis hin zum Glauben, dass es die bislang größte Chance ist, die Anerkennung des Berufs zu erlangen. Ich persönlich würde mich eher Letzerem anschließen – endlich gibt es ein Thema in Bezug auf Licht, über das Menschen reden möchten. Wir müssen nur unsere gesamten Aktivitäten konzentrieren und uns als Branche auf die richtige Vorgehensweise fokussieren. In meinen Augen ist dies nicht die unüberlegte und politische Anwendung von Gesetzen und unzähliger Kritik, aber ein ganzheitlicher Ansatz, der alle wichtigen Elemente der Nachhaltigkeit berücksichtigt – soziale, wirtschaftliche und ökologische.

Schattenbilder
Über Möglichkeiten zur Gestaltung von und mit Schatten
Text und Photos: Ilka Schmid
Der Umgang mit Licht wird vielfältig diskutiert. Immer weiterführende technische Errungenschaften ermöglichen ein Ausleuchten oder Inszenieren jeder Situation oder jeden Ereignisses. Doch auch die negativen Auswirkungen der Überflutung mit Licht rücken inzwischen ins Bewusstsein – das Fehlen von Dunkelheit führt zu Einschränkungen für astrologische Beobachtungen, zu gestörten ökologischen Abläufen und zu Veränderungen im menschlichen Hormonhaushalt. Viel Licht ist demnach nicht unumschränkt positiv – zu viel Licht kann schaden. Ist es angesichts zunehmender Lichtverschmutzung und der bereits vorhandenen Fülle von Licht nicht an der Zeit, der Dunkelheit wieder mehr Raum zu verleihen und über einen bewussten Umgang mit Schatten nachzudenken?

Tageslicht in Bürogebäuden
Gedanken zu Tageslicht im Büro
Text: Paula Longato
Den Büroarbeitsplatz als Ort, an dem vorwiegend administrative Aufgaben durchgeführt werden, gibt es schon sehr lange. Seine Größe und Verortung im Stadtgefüge hat sich dabei im Laufe der Zeit allerdings stark verändert. Besonders im letzten Jahrhundert wurden dabei die Büroräume selbst sowie deren Funktionalität und Benutzerfreundlichkeit durch unterschiedliche Modelle der Betriebsorganisation entscheidend geprägt. Die treibenden Kräfte hinter der Entwicklung moderner Bürogebäude waren stets Gewinnmaximierung und Effizienz. Mitarbeiterhierarchien, Ausstattung und Anordnung der Arbeitsplätze sowie ökologische Aspekte wurden dabei meistens nachrangig behandelt.

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