21. Mai 2015

Jede Spezies unseres Planeten versucht ihr Überleben zu garantieren
Warum nur tut sich die Lichtdesigngemeinschaft so schwer mit der Nachwuchsforderung?

Text: Alison Ritter

Aktuell interessieren sich viele junge Menschen für den Beruf des Lichtdesigners. Einige von ihnen haben Architektur oder Design studiert und einen entsprechenden Hochschulabschluss erworben. Einige von ihnen haben sich sogar für ein Lichtdesignstudium entschieden – ja, man kann Lichtdesign studieren. Was wird darüber hinaus getan, um diese jungen Talente zu fördern und zu unterstützen?

„Die Zukunft liegt in den Händen der jüngeren Generation“. Wenn wir Aussagen wie diese treffen, müssen wir auch in der Lage sein, die Verantwortung für die Nachwuchsplaner mit zu übernehmen. Es reicht nicht aus, preisgekrönte Projekte zu gestalten, vielleicht noch ein Buch über diese zu schreiben und dann in den Ruhestand zu gehen und sich komplett von der Vergangenheit abzuschirmen. Pioniere in einem neuen Feld, sagen wir Lichtdesign, sind eine große Inspirationsquelle, aber sie tragen auch eine Verantwortung: Es reicht nicht, junge Talente zu ermutigen, in ihre Fußstapfen zu treten. Sie müssen auch dafür sorgen, dass das Know-how und die Fähigkeiten, welche die Grundlagen des Berufs Lichtdesign bilden, erlernt und geprüft – und im Laufe der Zeit im Rahmen eines strukturierten beruflichen Weiterbildungsprogramms – entwickelt und ergänzt werden können. Lichtdesign ist nicht mehr das, was es einmal vor 20 Jahren war. Neue Technologien haben in der Tat den kreativen Spielraum erweitert, allerdings muss der Lichtdesigner mit Sorgfalt damit umgehen, damit die erzielte Gestaltung sinnvoll, sicher und nachhaltig ist. Dies ist keine Sache von Vertrauen. Es ist etwas, was erlernt werden kann. Aber lasst uns schauen, was es für Initiativen überall in der Welt gibt – außer den Lichtdesign- Studiengängen, die konzipiert wurden, um (grundsätzlich junge) Menschen auszubilden. Einen Hochschulabschluss (sei es Bachelor oder Master) zu erwerben ist immerhin ein Meilenstein in Richtung Anerkennung – zumindest dafür, was man studiert oder erforscht hat, und worin man geprüft worden ist. Verschiedene Verbände oder Organisationen feiern junge Designer regelmäßig, oft in Form einer Auszeichnung oder eines Preises – jährlich oder alle zwei Jahre. Die Society of Light and Lighting, mit Sitz in Großbritannien, organisiert das Programm Young Lighter seit 20 Jahren. Junge Designer unter 30 dürfen Abstracts einreichen. Diejenigen, die in die engere Wahl kommen, werden aufgefordert, ein Referat von 3000 Wörtern zu schreiben und die ausgewählten Finalisten dürfen auf der LuxLive in London vortragen. SLL unterstützt auch das Projekt Ready Steady Light, das nun seit dreizehn Jahren stattfindet. Siebzehn Teams treten gegeneinander an. Aufgabe ist: Die Gestaltung und Realisierung von temporären Installationen im Außenraum. Jedes Team erhält Lampen und Leuchten und hat lediglich 180 Minuten Zeit, ihr Design zu installieren Stipendien an Studierende und jungen Designer zu vergeben ist eine direkte, praktische Art, Nachwuchstalente und ihr Studium oder ihre Arbeit zu fördern. Die Jonathan Speirs Scholarship Fund (JSSF) bietet Unterstützung für Architekturstudenten, die sich für ein Aufbaustudium im Bereich Architekturbeleuchtung entscheiden möchten. JSSF wird finanziert durch Spenden, hauptsächlich von den Licht-, Architektur- und Lichttechniker- Gemeinschaften. Im Jahr 2014 wurde ein Stipendium an Cashel Brown vergeben.

Cashel hat einen ersten Hochschulabschluss in Architektur erworben und ist zurzeit Master-Student für den Studiengang Lighting Design an der Napier Universität in Edinburgh. Cashel: „Ich bin mitten im Studiengang Lighting Design an der Napier Universität in Edinburgh und arbeite schon an meiner Abschlussarbeit zum Thema: Der Beitrag des Lichts zur Gestaltung des öffentlichen Raums – mit dem Schwerpunkt „Micro-space“ und vernachlässigte Räume in der Stadtlandschaft. Dank des JSSF-Stipendiums habe ich mich dieses Jahr auf meine Arbeit konzentrieren können und an verschiedenen Branchen-Events und Konferenzen teilnehmen können, um mein Wissen und meine Erfahrung zu erweitern. Als ich Architektur studierte, wurde kaum auf das Thema Licht eingegangen und es wurde wenig unternommen, um potentiellen Nachwuchslichtplanern dieses Fachgebiet nahe zu bringen. Das JSSFStipendium trägt wesentlich dazu bei, die Fachdisziplin Lichtdesign zur Sprache zu bringen und hat mir erlaubt, die Beziehung zwischen Licht und Architektur zu erkunden. Es stellt Lichtdesign als kreatives Berufsbild dar mit enormem Potenzial für eine spannende und erfolgreiche berufliche Laufbahn. Das Stipendium hat meinen Master-Studiengang enorm aufgewertet: Ich habe Kontakte in der Lichtbranche herstellen und mein Selbstvertrauen bezüglich meiner eigenen Arbeit aufbauen können; in finanzieller Hinsicht habe ich mich auf mein Studium fokussieren und die Fähigkeiten erwerben können, die ich benötige, um in diesem Beruf erfolgreich zu sein. Es ist eine einmalige und wertvolle Gelegenheit für diejenigen mit einem ersten Hochschulabschluss in Architektur, ihrem Interesse für Licht und Beleuchtung nachzugehen“.

Zu den PLD Recognition Awards, die anlässlich des Galaabends zum Abschluss der PLDC verliehen werden, gibt es auch eine Auszeichnung für den Best Newcomer. Dieser Preis würdigt einen Designer, der als Nachwuchstalent gilt, beziehungsweise dessen neulich abgeschlossene und besonders innovative innovative oder auf dem neuesten Stand der Technik realisierte Lichtgestaltungen innerhalb komplexer Projekte es verdient haben, ausgezeichnet zu werden. Bisherige Gewinner haben sich weiter entwickelt und noch anspruchsvollere Projekte geplant. Einige davon sind inzwischen Leiter führender Lichtplanungsbüros. The Challenge, ein von VIA organisierter Rednerwettbewerb in vier Runden, der Teil von PLDC ist, bietet jungen Designern die Gelegenheit, entdeckt zu werden und vor allem sich selbst zu entdecken – eine Chance ihren Platz auf einer internationalen Plattform zu finden, ihre berufliche Laufbahn zu definieren und ihre Rolle und Verantwortung bei der Gestaltung der Zukunft nachzuvollziehen, indem sie die Qualität der Lichtplanung steigern und versichern, dass Licht und Beleuchtung bewusst geplant und eingesetzt werden. In Runde I wurden bestimmte Licht-Hochschulen angesprochen und die Studenten eingeladen, Vortragsthemen einzureichen. Runde II war eine digitale Runde, wobei bis zu zehn Studenten von den jeweiligen Hochschulen aus Runde I eine dreiminütige Kurzpräsentation („elevator pitch“) ihres Themas als Film einreichen mussten, um eine Jury bestehend aus fünf Lichtprofis zu überzeugen. In der dritten Runde wurden die 16 Nachwuchsdesigner, die es durch Runde II geschafft hatten – einige noch Studenten an renommierten Hochschulen, andere wiederum neu qualifizierte Lichtdesigner, die vor Kurzem in verschiedenen etablierten Lichtplanungsbüros in Nordamerika und Europa angefangen haben zu arbeiten, nach Edinburgh eingeladen, wo sie vom 2. bis 3. Februar 2015 ihre Vorträge im Rahmen einer Minikonferenz präsentierten. Unterstützt wurden sie von ihren Coaches, den professionellen Lichtspezialisten. Die fünf Coaches in diesem Jahr sind: Brendan Keely, Emrah Baki Ulas, Florence Lam, Iain Ruxton und Tapio Rosenius.

Bei der Veranstaltung in Edinburgh gab es einen kleinen Bereich für die Sponsoren von The Challenge und als Teil der Konferenz referierten die Coaches zu unterschiedlichen berufspolitischen Themen. Es fand zum ersten Mal eine kritische, zum Nachdenken anregende Debatte zum Thema „LEDs are the only valid light source“ statt, die von Iain Macrae von Thorn Lighting geleitet wurde. Die größte Herausforderung bei Round III war, dass die Coaches entscheiden mussten, mit wem sie aus ihren jeweiligen Teams in Rom bei PLDC in der letzten Etappe des Wettbewerbs The Challenge 2014/15 antreten wollten.

Nach Round III fasste Lichtdesigner Iain Ruxton zusammen: „Die Qualität der Vorträge war sehr hoch. Insofern kann ich nur sagen: Die Zukunft für den Beruf sieht prächtig aus!”
Folgende Nachwuchstalente werden in Rom gegeneinander antreten:

-Team Brendan:
Pernille Krieger/DK und
Eik Lykke Nielsen/DK

-Team Emrah:
Roslyn Leslie/UK

-Team Florence:
Isabel Sanchez/E/USA

-Team Iain:
Stephanie Denholm/UK

-Team Tapio:
Mahdis Aliasgari/IR/S

Das Light Symposium, das alle zwei Jahre zwischen den PLDC-Jahren entweder an der Hochschule Wismar oder an der KTH in Stockholm stattfindet, hilft grundsätzlich die Aufmerksamkeit auf Hochschulen zu lenken. Es werden immer einige bekannte Referenten eingeladen, um eine einigermaßen große Teilnehmeranzahl zu erzielen und den Designern der jungen Generation die Chance zu geben, sich mit erfahrenen Designprofis auszutauschen. Das Light Symposium 2014 an der KTH bot auch Nachwuchsplanern die Möglichkeit in einem kleinen Wettbewerb gegeneinander anzutreten. Der überzeugendste Referent erhielt bei der Abschlussveranstaltung einen Preis. Leider konnten nicht viele Studenten an dem Abend dabei sein, weil sie sich die Kosten für das Abendessen nicht leisten konnten. So war der letzte Abend exklusiver als beabsichtigt. Der Gedanke, junge Talente zu fördern war auf jeden Fall präsent, müsste aber eventuell nochmal durchdacht oder die Sponsorengelder anders zugeteilt werden. Vor Kurzem wurde die Lichtwelt von einem „Bemühen“ im Namen der professionellen Lichtdesigner informiert, welches auch nicht unbedingt für Hochschulabsolventen oder neu qualifizierte Lichtdesigner vorteilhaft oder hilfreich ist: Das von der IALD ausgeklügelte CLD-Programm (Certified Lighting Designer). Das Programm, sicherlich gut gemeint für die erfahrenen Lichtdesigner, die vielleicht freiwillig am Programm teilnehmen möchten, erkennt keine jungen Lichtdesigner mit einem Bachelor- oder Master-Hochschulabschluss in Lichtdesign an. Und warum nicht? „Da es keinen allgemein anerkannten Studienplan für Lichtdesign-Studiengänge weltweit gibt, wird in vorhersehbarer Zeit ein Hochschulabschluss nicht als Voraussetzung für die Bewerbung um das Credential (Berechtigungsnachweis) erforderlich.” Und weiter wird erklärt, dass es „in aller Wahrscheinlichkeit“ einen autonomen Aufsichtsrat geben wird, der alle Entscheidungen bezüglich der Zertifizierung treffen würde und für die Überwachung des Bewerbungsverfahrens verantwortlich ist. Ein solcher Aufsichtsrat müsste objektiv agieren und nicht mit einem bestehenden Lichtdesignerverband in Verbindung stehen. Zu diesem Zeitpunkt kann dieser Aufsichtsrat nicht alleine bestehen und würde „in erster Linie von IALD verwaltet werden, bis er in der Lage ist, eigenständig zu handeln“. Was auch immer man von dem CLD-Programm an sich hält, es ist traurig – und falsch – diejenigen nicht zu beachten, die jahrelang studiert haben, um das Basiswissen und die Fähigkeiten zu erwerben, um mit Licht gestalten zu können. Diese kreativen Köpfe sind einen wichtigen Schritt in Richtung Lichtdesign als Beruf vorangegangen und laut des CLD-Programms sind sie trotzdem nicht berechtigt, am Anfang ihrer beruflichen Laufbahn dafür anerkannt zu werden. Der Begriff „Karriereleiter“ ist nicht gerade neu. Oder? Denken Sie drüber nach!

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