Projektbeteiligte:


Auftraggeber: Universität Schiras, Fachabteilung Bauplanung
Planung und Umsetzung: Sheed Lighting Eng. Co.; www.sheedlight.com
Projektleitung: Afshin Kasaeian
Architektur und Lichtdesignkonzept: Arash Okhovat
Technische Analyse Beleuchtung und Elektroplanung: Afshin Kasaeian/Morteza Fouladgar
Projektteam: Farshad Ghodoussipour, Omidreza Asfa, Mahdi Heidari

11. Feb 2015

Nachtschatteneffekte

Text: Joachim Ritter
Photos: Sheed Lighting Company

Iranische Gärten stehen beispielhaft für iranische Kunst und Literatur. Der besondere Fokus dieses Beitrags liegt auf der Beziehung zwischen dem „Genius Loci“ iranischer Gärten und iranischen Künstlern. Ein Hauptelement des Genius Loci sind die entstehenden Licht- und Schattenmuster, wenn das Sonnenlicht durch das Laubwerk gefiltert wird.

Feurig aber bescheiden, spielt die Sonne eine Schlüsselrolle in der iranischen Kunst, Kultur und besonders in der iranischen Architektur. Wie die Luft und die Atmosphäre steuert sie unser ganzes Leben und wird so als gegeben angenommen. Es ist als ob die Sonne trotz ihrer Helligkeit ein integraler – vielleicht sogar unterbewusster – Teil der iranischen Architektur ist. Das Sonnenlicht hat selbstverständlich klimatische Auswirkungen, ergibt aber auch kontrastreiche Darstellungen der Dreidimensionalität der Architektur, was die Begeisterung und Faszination für die Innenräume iranischen Bauten definiert. Die Sonne spielt auch eine Schlüsselrolle in iranischen Gärten. Ohne näher auf die ökologische Abhängigkeit des Gartens von der Sonne einzugehen, verdankt der iranische Garten dem Sonnelicht seine Identität oder Genius Loci. Nur selten durchdringt die brennende Sonne des Iranischen Hochlands die Architektur oder architektonische Räume ohne Lichtmanagement oder Sonnenschutz in irgendeiner Form. Die Sonnenstrahlen dringen durch perforierte Wände oder Blenden aus Holz, Gips, Stein oder Mauerwerk ein oder werden durch Buntglas gefiltert. In iranischen Gärten dringt die Sonne durch natürliche „Blenden“, das Laubwerk. Durch das Filtern durch natürliche oder künstliche Blenden gewinnt das Licht eine neue Identität oder Zugehörigkeit. Der Eram-Garten in Schiras ist bekannt und beliebt, aber wahrscheinlich nicht das beste Beispiel. Der Genius Loci in diesem Garten kann nicht mit dem außergewöhnlichen und überwältigenden Genius Loci verglichen werden, der im Fin-Garten in Kaschan oder in Schāhzādeh- Garten in Kerman zu spüren ist. Und dennoch hat der Eram-Garten eine eigene typische Erscheinung, die sich durchaus auf die Erinnerungen und Identität der Stadt Schiras bezieht. Zusätzlich zu der Pflanzenvielfalt, dem Duft von Orangen im Garten und der Herzlichkeit der Menschen von Schiras verdankt der Eram Garden einen Großteil seines besonderen Charakters dem Sonnenlicht und dem dadurch entstandenen Reichtum an Schattenmustern auf den Wegen und den Grünflächen, wenn das Licht durch das Blattwerk an den Bäumen und Büschen dringt. Dieser Effekt regt die Vorstellungskraft des Betrachters an und lädt ein, in sich zu kehren und zu meditieren. Die Schattenmuster ändern sich kontinuierlich, manchmal in Sekunden, und variieren mit der Jahreszeit. Die dynamischen Schatteneffekte sind das wichtigste Merkmal und definieren so die Identität des Gartens. Nach Sonnenuntergang fehlt dieses Merkmal und der Garten verliert einen wesentlichen Teil seiner räumlichen Identität und seines Genius Loci. Eine moderne Gesellschaftsstruktur verlangt jedoch nach gestalteten Gartenanlagen selbst in der Nacht.[…]

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Die komplette Version dieses Artikels erhalten Sie in der Ausgabe PLD Nr.96

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