Planungsbeteiligte:

Bauherr: Bau- und Verkehrsdepartment Basel-Stadt, Städtebau und Architektur, Hochbauamt
Architektur: Christ & Gantenbein
Ausführung: Peter Stocker AG Baumanagement
Bauleitung: FS Architekten GmbH
Lichtdesign Lichtfries: iart ag; www.iart.ch

Verwendete Produkte:
SMD LEDs (6000K), befestigt auf flachen Profilleisten

12. Jul 2017

Der Lichtfries des Kunstmuseums Basel/CH ist eine Medienfassade wie in Stein gemeißelt.

Text: Jo-Eike Vormittag
Photos: Derek Li Wan Po, Basel


Man nehme Backstein für Backstein, setze sie verschachtelt, verbunden mit einem Klebstoff sorgfältig übereinander – so entsteht eine stabile, raue und texturierte Gebäudefassade. Backsteine gehörten neben Holz zu den ersten Baumaterialien überhaupt, wurden schon vor tausenden von Jahren für den ersten Siedlungsbau verwendet und seitdem immer weiterentwickelt. Backsteinmauern egal welcher Art und Farbe gehen aufgrund ihrer Beschaffenheit seit jeher schon mit natürlichem Licht eine außergewöhnliche Beziehung ein. Am Kunstmuseum zu Basel wurde das ganze nun eindrucksvoll raffiniert, um die Komponente LED-Licht erweitert und zu einer einzigartigen Medienfassade gemacht.

Der Museumserweiterungsbau befindet sich im Stadtzentrum an einer Kreuzung, an der fünf Straßen aufeinander treffen. Der polygonal geformte Baukörper aus grauen Backsteinen ist passgenau und vis-à-vis zum alten Museum auf die enge Kreuzung gepflanzt. Ein Blickfang, eine Besonderheit sowie Bereicherung in der Baseler Stadtlandschaft. Die schlichte Gebäudehülle in Form, Farbe und Wirkung sticht zwar ins Auge, doch sieht gleichzeitig unauffällig aus. Es erinnert nicht gleich an ein solch renommiertes Museum, welches Kunst und Kultur beherbergt, sondern vielmehr an ein kantiges, pragmatisches Parkhaus. Und schon eine solche Illusion – welche Analogie sie auch immer hervorrufen mag – ist das Ergebnis einer Symbiose aus Stein und Licht, einer insgesamt clever gestalteten Gebäudehülle, eines geschickt eingesetzten Baustoffs.

Während der Hauptteil der Fassade bis auf eine Höhe von zwölf Metern aus klassisch-kantigen Ziegeln besteht, umzieht ab dort ein besonderer drei Meter breiter Fries das Gebäude, für den die acht Zentimeter hohen Ziegel längs mit einer konkaven Rille versehen wurden. Sie spielen die Hauptrolle für das, was der Fries im Stande ist zum Besten zu geben. Die so entstehenden, insgesamt 40 horizontal verlaufenden Zeilen bilden ein feines Relief. In ihnen sind auf dem Boden sowie von außen nicht sichtbar LEDs jeweils 22 Millimeter voneinander entfernt installiert, die durch die Anstrahlung der gewölbten Rille im hellen Backstein ein diffuses Licht kreieren. Vier benachbarte LEDs setzen sich zu einem Pixel zusammen. Alle gemeinsam haben eine Gesamtauflösung von 1306 mal 40 Pixeln. Der Fries wird zu einem Lichtfries, dieser zu einem lichtgesteuerten Medien- und Informationsdisplay, welches wiederum wesentliches, gestalterisches Mittel des Museumsneubaus ist.

Ein Museum, weltweit anerkannt, schafft es somit, nicht nur mit seinen Kunstgütern und Ausstellungen für Aufsehen zu sorgen, sondern diesen Anspruch des „Innenlebens“ auch nach außen zu transportieren. Doch noch bevor das Kunstlicht für die Kreation von Schriftzügen sowie Ornamenten eingeschaltet wird, kommt es auf das Sonnenlicht an. Dies ist zum einen für ein grundsätzliches Licht-Schattenspiel auf der gesamten, rauen Backsteinfassade sowie dem mit den Aussparungen versehenen Fries verantwortlich, weil die Sonnenstrahlen insbesondere in den tiefen Rillen Schatten produzieren, wodurch sie dunkler als die umgebende Fassade erscheinen, und ist zum anderen ständige Bezugsquelle, um die Lichtintensität der versteckten LEDs zu steuern.


Die komplette Version dieses Artikels erhalten Sie in der Ausgabe PLD Nr. 105 sowie in unserer PLD magazine App (iPad App Store).


 

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