09. Jan 2015

Konferenz- und Workshops zum Thema
Medienarchitektur und Interaction Design in Aarhus/DK

Text: Alison Ritter

Es gibt eine Vielzahl Adjektive, welche die Media Architecture Biennale 2014, MAB14 treffend beschreiben und sich im gleichen Atemzug beinah widersprechen würden: faszinierend, erfrischend, akademisch, innovativ, bahnbrechend, partizipatorisch, herausfordernd, inspirierend, hinterfragend. Der Konferenz- und Workshop-Event fand vom 19. bis zum 22. November 2014 in Aarhus, Dänemark statt und wurde von Martin Brynskov von der Universität Aarhus und Gernot Tscherteu vom Media Architecture Institute in Wien geleitet und organisiert. Diese wurden wiederum von engagierten Kollegen und einer Schar von bereitwilligen Studenten unterstützt.

Die Vorträge wurden von international renommierten Referenten gehalten. Ein Großteil des Programms jedoch bestand aus Breakout Sessions. Die Teilnehmer hatten die Chance, sich in verschiedene Gruppen aufzuteilen, um über für sie relevante Themen zu diskutieren und sich zum Stand der Medienarchitektur in der heutigen Zeit auszutauschen und auf den Stand der Entwicklung zu bringen.

Ebenso wie Architekten sich mit Baumaterialien und Technologien befassen müssen, so werden Lichtdesigner von ihrer Leidenschaft für Licht sowie von ihren Kompetenzen und Fähigkeiten in der Anwendung von Lichttechnologien getrieben. In der Medienarchitektur kreuzen beide Disziplinen ihre Wege. Die Architektur wird verändert zum Medium, manchmal einfach nur Plattform oder Leinwand. Oftmals ist dieser Aspekt der Punkt, an dem sich die Frage stellt, wer entscheidet oder zeichnet verantwortlich für den Inhalt? Und welche Rolle spielen die Stadtplaner bei dieser Entwicklung? Ist eine Intervention der Stadtplaner in die Intervention in die Architektur von Nöten?

Die Interaktion mit einer Medienarchitektur oder großformatigen Lichtkunstinstallationen kann durchaus befremdlich oder überwältigend sein. Deshalb werden solche Projekte häufig temporär realisiert. Öffentliche Bauherren, die sich für dramatische Medieninterventionen in ihren Stadtlandschaften entscheiden, haben dabei oft mit Vandalismusschäden zu tun. Es entwickelt sich die Notwendigkeit, dass öffentliche und private Bauherren wesentlich mehr über die Entwicklungen und Möglichkeiten im Bereich Medienarchitektur verstehen und wissen müssen, um fundierte Entscheidungen treffen zu können. Sicherlich lassen sich auch neue ökonomische Möglichkeiten im Rahmen des Interaction Designs entwickeln. Doch sollte man davon ausgehen, dass es die Hersteller des geeigneten lichttechnischen Materials beim Verkauf einer Medienfassade anders zu managen haben, als beim Verkauf von konventionellen Lösungen und Produkten.

„Smart Cities“ waren auf der MAB14 zentraler Punkt der Diskussionen. Erik Jespersen von der Abteilung Planung und Umwelt der Stadt Aarhus, der zweitgrößten Stadt Dänemarks, konstatierte, dass eine Smart City auf Partnerschaften, Zusammenarbeit und Offenheit beruhen muss. Letztere ist eine Aufgabe an sich. Die Stadtentwicklung heute verbindet Stadtplanung mit (sozialer) Partizipation. Eine koordinative Stelle müssen Kenntnisse über Sensoren, Apps und Scannertechnologie haben, um überhaupt mit „Smart Mobility“ umgehen zu können. Es ist auch problematisch, mit öffentlich-privaten Partnerschaften (ÖPP) umzusetzen. Öffentlichen Bauherren fehlt oftmals die unternehmerische Denke und beide Partner einer ÖPP können gegenseitige Vorteile im Ausblick oft nicht genau definieren. Die Stadt will eine Herausforderung meistern; ein Unternehmen muss sich business-orientiert verhalten. Der breiten Öffentlichkeit fehlt für Medienarchitektur im öffentlichen Raum noch das Verständnis. Aarhus wird europäische Kulturhauptstadt im Jahr 2017 und es wird entsprechend in signifikante Bauprojekte investiert. Dazu gehört die größte Universitätsklinik Nordeuropas. Die Erfahrung zeigt, dass es einfacher ist, die öffentliche Zustimmung für diese Art von Projekt zu erhalten. Forschung und Wissen zum Thema Licht und Gesundheit zum Wohl der Gesellschaft ist direkt nachvollziehbar.

Zur MAB bestand Konsens darüber, dass in Zukunft die Stadtverwaltungen (Smart Cities) in Sachen Lichtplanung, Medienarchitektur und Energieversorgung die Verantwortung übernehmen werden müssen. Im Augenblick besteht für diese Gruppe allerdings noch ein großes Wissensdefizit. Der Markt ist aktuell verunsichert, die Situation komplex, die IT-Revolution reitet auf der zweiten Welle. Medienarchitektur wird weiterhin einen wachsenden Einfluss haben – hoffentlich in einer kontrollierten, bewussten Art und Weise, um Aktivitäten in der Stadt zu kuratieren und choreographieren und der Gesellschaft, die in ihr lebt, eine moderne Stadtidentifikation zu geben.

Städte, die ihre Entwicklung auf der Grundlage eines Licht-Masterplan gestellt haben, haben mehr Aussicht auf Erfolg, bewusst Medienarchitektur zu integrieren als Städte, die keine technisch versierten Mitarbeiter zur Verfügung haben beziehungsweise keine Kulturveranstaltungen im öffentlichen Raum nach Einbruch der Dunkelheit organisieren. Die Antwort auf aktuelle Fragen liegt nicht einzig darin, temporäre Lichtfestivals ins Leben zu rufen. Lichtfestivals können dazu führen, dass Stadtbereiche oder Gebäude nachfolgend permanent beleuchtet werden. Doch zurzeit geht es darum, sich mit dem Stadtleben in Stadtkernen und Ballungszentren unterschiedlicher Größen jetzt und in den kommenden Jahren zu befassen. Die Medienarchitektur und das Interaction Design werden so oftmals zur Unterhaltung herabgestuft. Es besteht großer Spielraum für die Verbesserung und Aufwertung des Lebens in unseren Städten und es muss nicht alles übermäßig anschaulich sein.

MAB14 bot allen Beteiligten zahlreiche Ansätze zum Weiterdenken. Es hätte vielleicht noch mehr hinterfragt werden können.

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