24. Aug 2015

Zu den Artikeln „Beleuchtet den gordischen Knoten!“ und „Nachwuchsförderung – Was ist zu tun?“ in der PLD Nr. 97
Mär/Apr 2015

Text: Prof. Dr.-Ing. Heinrich Kramer, FILD

Zurzeit gibt es mehrere Initiativen, die die Qualität der Lichtplanung und damit gleichzeitig die Qualifikation der Lichtplaner anheben wollen. Die International Association of Lighting Designers (IALD) wirbt für den Certified Lighting Designer (CLD), nachdem das von ihr initiierte National Council for the Qualification of Lighting Professionals (NCQLP) nicht das gewünschte Ergebnis brachte, das Deutsche Institut für Normung (DIN) versucht den zertifizierten Lichttechniker (ZLT) zu etablieren und die Lichtindustrie versucht über LightingEurope auf europäischer Ebene einen qualifizierten Lichtplaner in den Planungsprozess zu integrieren.

Für die Qualifikation eines Lichtplaners ist es wichtig, dass er zuerst ein Studium absolviert, das ihm alle (theoretischen) Kenntnisse vermittelt, die er später bei seiner Planertätigkeit benötigt. Die Bezeichnung des Studienabschlusses (Titel) sollte allgemein anerkannt und geschützt sein. In Deutschland vergeben Hochschulen im Auftrag des Staates für einen erfolgreichen Studienabschluss das Diplom, den Bachelor und den Master. Zudem gibt es mehrere Möglichkeiten „Licht“ zu studieren. Leider sind die Studieninhalte nicht abgestimmt. Es gibt grundsätzlich zwei Richtungen. Die einen vermitteln im Wesentlichen nur lichttechnische Inhalte und sind den technischen Fakultäten der Hochschulen angegliedert, einige wenige vermitteln ein ganzheitliches Lichtwissen (Architektur, Design und Technik) und sind meist in den Architektur- und Gestaltungsfakultäten zu finden.

Nach erfolgreichem Studienabschluss suchen die Abgänger eine Anstellung, die ihnen den Lebensunterhalt sichert und Berufserfahrung vermittelt.

Wenn sie sich für die Lichtberatung entscheiden, dauert diese „Lehrzeit“ für Studienabgänger mit architektonischer und gestalterischer Ausbildung ca. zwei Jahre und mit lichttechnischer ca. vier Jahre. Dies gilt für Büros, die eine ganzheitliche Vorgehensweise bevorzugen. Bei lichttechnischer Orientierung sind die „Lehrzeiten“ erheblich kürzer. Lichtplaner wünschen sich einen geschützten Berufsstand ähnlich dem von Architekten, Ärzten, Rechtsanwälten, usw.

In Deutschland schützen Kammern (wie im Mittelalter die Handwerkszünfte) im Auftrag des Staates den jeweiligen Berufsstand. Nahezu alle Kammern verlangen neben dem entsprechenden Studienabschluss mehrere Jahre Berufserfahrung. Die Architektenkammer verlangt drei Jahre Berufspraxis, der Verband der beratenden Ingenieure (VBI) fünf Jahre. Daher ist es auch nicht so abwegig, wenn die IALD für den CLD Berufserfahrung verlangt.

Kammern sind Körperschaften öffentlichen Rechts. Ihre Aufgaben werden in Deutschland durch Gesetze der Bundesländer (Kammergesetze) geregelt und sind z. B.:

-Entwicklung von Satzungen (Kammer, Berufsordnung, Weiterbildung)
-Abnahme von Prüfungen
-Überwachung der Berufsausübung und Fortbildung
-Qualitätssicherung
-Vertreten der Berufsinteressen
-Berufsethik usw

Fast alle Kammern arbeiten in Selbstverwaltung und finanzieren sich durch Pflichtmitgliedschaft. Sie stellen die vom Staat beauftragte neutrale und unabhängige Institution dar, den geschützten Berufsstand zu definieren und zu überwachen. Fast alle Kammern lassen keine Interessenkonflikte zu. So kann ein Architekt nicht gleichzeitig einen Bauherrn und eine Lichtfirma beraten. Ein unabhängiger Lichtplaner kann nicht gleichzeitig einen Bauherrn und eine Lichtfirma beraten. Außerdem greifen die Planungsabteilungen der Lichtfirmen mit ihren „kostenlosen“ Planungsangeboten in den Wettbewerb der freien Planer ein.

In Deutschland ist die Zuständigkeit für das Licht schon seit langem vom Staat an die Architektenkammern und die beratenden Ingenieure vergeben. Erstere sind für die Lichtgestaltung und Letztere für die Beleuchtung (Lichttechnik) beauftragt. Diese Arbeitsteilung ist in der offiziellen Honorarordnung (HOAI) niedergelegt. Wenn wir uns also das Berufsbild des „Lichtdesigners“ schützen lassen wollen, müssten wir die deutsche Gesetzgebung überzeugen, eine „Lichtkammer“ an Stelle der Architektenkammern und dem VBI mit der Definition und Überwachung des Lichtes zu beauftragen. Dies scheint mir jedoch bei der gegenwärtigen Machtverteilung im Lichtmarkt, schwierig zu sein.

Es erscheint mir besser, eine der beiden Parteien zu überzeugen, unsere Forderungen in die nächste Honorarverhandlung einzubringen. Als Lichtgestalter steht uns die Lichtphilosophie der Architekten näher. Außerdem ist für ein gutes Lichtprojekt eine intensive Zusammenarbeit mit dem Architekten notwendig. Daher sollten wir darauf hinarbeiten, sie als Bundesgenossen zu gewinnen. Dafür ist besonders die Honorierung der Lichtgestaltung, die bisher bei den Architekten angesiedelt ist, neu zu regeln.

Mir erscheint dies als ein überlegenswerter Ansatz. Wieweit wir dabei auf die Hilfe der IALD, des DIN oder LightingEurope hoffen können, wird man sehen; denn die deutschen Verhältnisse als größter europäischer Lichtmarkt sind sehr verwickelt und festgefahren.

Besonders schwierig erscheint mir, die Lichtindustrie, die Elektroplaner und die Bauherrn zum Umdenken zu bewegen; denn mehr als 90 Prozent der Lichtprojekte werden in Deutschland von Elektrotechnikern in „Arbeitsteilung“ mit den Architekten geplant. Die Lichtindustrie erhält so den Großteil ihres Umsatzes und Bauherrn können günstige Verträge mit den Lichtplanern abschließen.

Betrachtet man nochmals die zu Beginn erwähnten Initiativen, so wird deutlich, dass alle unterschiedliche Ziele verfolgen. Die IALD möchte den Berufsstand des unabhängigen Lichtdesigners schützen und setzt als Qualifikationsstandard die Aufnahmebedingungen für ihre professionellen Mitglieder voraus. DIN zusammen mit der Lichtindustrie möchte die Qualifikation des Lichttechnikers festschreiben, ohne Lichtplanung auf Architektur und Design auszuweiten. Bei LightingEurope ist die Interessenlage noch nicht klar. In dem ersten Treffen über dieses Thema scheint zumindest Einigkeit darüber zu bestehen, dass die Ausbildung von den Hochschulen zu erbringen ist. Man hat aber auch schon Stimmen von der Lichtindustrie gehört, dass die Hochschulen zu unabhängig sind und zu wenig technisches Wissen vermitteln.

Alle drei eingangs beschriebenen Initiativen beziehen die Architekten nicht in den Etablierungsprozess des Lichtdesigners ein. Der Architekt ist aber in fast allen Projekten der für die Gesamtgestaltung Zuständige und hat daher bei den Lichtendscheidungen das letzte Wort.

Weil die Rolle des Architekten in der Lichtplanung so bedeutend ist, will die Föderation internationaler Lighting Designer (FILD) den oben beschriebenen Weg zur Etablierung eines geschützten Berufsstandes unter Einbeziehung der Architekten gehen.

In den beiden Artikeln der PLD zu diesem Thema wird der Eindruck erweckt, dass die Etablierung des geschützten Berufsstandes „Lichtdesigner“ bisher daran gescheitert ist, weil die bestehenden Standesorganisationen wie IALD und vormals die Professional Lighting Designers‘ Association (PLDA) die Nachwuchsförderung und die Aufnahmebedingungen für Mitglieder zu restriktiv gehandhabt haben, bzw. zu hohe Anforderungen an einen Lichtdesigner gestellt haben. Die Interessen- und Machtverhältnisse des Status quo von Lichtindustrie und Architekten- sowie Ingenieurkammern scheinen ohne Einfluss auf diesen Prozess zu sein. Dass selbst der Umsatz aller Lichtdesignerorganisationen zusammen für die Lichtindustrie nur fünf Prozent ihres Umsatzes ausmacht, scheint nicht von Bedeutung. Dass die Lichtindustrie mit dem Angebot kostenloser Planungsleistungen den Wettbewerb mit den lichttechnischen Planerkollegen massiv beeinflusst, spielt keine Rolle. Dass selbst gut ausgebildete Lichtdesigner schon resigniert haben (die IALD übrigens auch), die sehr übersichtlichen (um einen Ausdruck Loriots zu bemühen) Vorstellungen der Lichttechnik, um Gestaltungsaspekte zu erweitern, ist bei der heutigen Machtverteilung in der Lichtbranche nicht verwunderlich.

In den beiden Artikeln wird dafür geworben, den Weg zum Lichtdesigner mit der Lichtindustrie zu gehen.

FILD ist überzeugt, dass man gutes Licht in der Architektur nur zusammen mit den Architekten und guten Produkten von der Lichtindustrie schaffen kann.

Leserbriefe sind gerne gesehene Reaktionen auf Beiträge in der PLD und auf unserer Internetplattform. Diese geben nicht zwingend die Meinung der Redaktion oder der Autoren eines Beitrages wieder.

Die Redaktion

Zu den Beiträgen „Beleuchtet den gordischen Knoten!“ und „Nachwuchsförderung – Was ist zu tun?“ der PLD, Ausgabe Nr. 97.

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