31. Okt 2016

Lichtschacht-Haus im Stadtteil Fulham, London/GB

Text: Jo-Eike Vormittag

Photos: Naaro Photography


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Vielerorts gibt es jede Menge älteren Hausbestand, den es, anstelle von ständigen, ressourcenverschwendenden Neubauten, lohnt zu renovieren. Das hat einen sehr besonderen sowie sinnhaften Charme. Erst recht, wenn die Architektur auch noch aus einer Epoche wie der viktorianischen stammt. Sicherlich ist das eine Herausforderung, aber genauso auch eine Chance. Beides trifft dann auch für das Lichtdesign zu: die Architektur ist da, das Licht muss intelligent ergänzt werden.

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Das Lightwell House, das seit dem 19. Jahrhundert in einer Straße in Fulham, London/GB neben vielen Reihenhäusern steht und jetzt durch eine Renovierung revitalisiert wurde, ist ein tolles und gelungenes Beispiel dafür. In diesem Straßenzug sind die Grundstücke schmal, langgezogen und auf engstem Raum. Gegenseitig nehmen sich die Gebäude nicht nur Platz sondern vor allem auch Licht weg. Bei einem 200 Jahre alten viktorianischen Haus kommen zudem nachteilige Eigenschaften wie die kleinen Fenster hinzu. Doch das sieht nun nach dem Umbau anders aus. Denn die Architekten von den Emergent Design Studios haben die Chance genutzt und die Lichtplanung an erster Stelle ihres Neukonzepts gestellt. Konkret heißt das: sie haben riesige Lichtschächte und lichtleitende Glasflächen sowohl in die Fassaden und das Dach, als auch ins Innere gebaut, mit dem Ziel, so viel natürliches Licht wie möglich hinein sowie durch das verwinkelte Haus leiten zu lassen. Dem eher engen, mehretagigen Gebäude gibt das eine ganz neue Offenheit, Lebendigkeit und Verbundenheit zwischen den einzelnen Ebenen sowie der Außen- und Innenwelt. Möglich und nötig waren diese Baumaßnahmen, weil die Immobilie als Familienhaus genutzt wird und sich somit die Bedürfnisse und Anforderungen geändert haben. Außerdem wurde durch den „Keller“ eine weitere, sonst sehr dunkle, doch nun mit den anderen verbundene Etage, zum Wohnen und Leben hinzugefügt. Dass nun also viel natürliches Licht durch die Flure, Zimmer und Treppenhäuser bis in jeden Winkel vordringt, war notwendig. Erst recht, wenn bei Grundstücken wie diesen, der Platz für einen Garten oder eine Terrasse, wo man wohltuendes Sonnenlicht tanken könnte, gering ausfällt. Warum dies also nicht einfach im Haus selbst ermöglichen?

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Durch ein riesiges, zum schmalen Seitenanbau gehörendes Dachfenster gelangt das Tageslicht direkt in den erdgeschossigen Wohnbereich mit Küche und Essbereich. Während des Tagesverlaufs ändert sich der Lichteinfall und somit die Licht-Schatten-Verhältnisse. Klare Linien, weiße Böden, Decken und Wände unterstützen die Helligkeit. Das Treppenhaus mit einem Geländer aus Glas, aber auch in den Boden eingelassene Glasfenster nehmen das natürliche Licht auf und leiten es weiter in die darunterliegende Etage, den eigentlichen Keller. Die ehemals kleinen Fenster wurden gegen größere getauscht, wodurch die oberen Etagen stärker von Licht durchflutet werden. In einen neuen, erweiterten Dachaufbau sowie in das alte bestehende Dach – beide sind flach dem Himmel zugewandt – sind zwei Oberlichter eingesetzt worden. Das verwendete Kunstlicht im Haus ergänzt lediglich das Naturlicht, das allein schon im Zusammenspiel mit der Architektur und dem Innendesign einen enormen Dienst leistet. Viele verbaute Leuchten sind möglichst unaufdringlich in Decken, Aufbauten oder Möbel eingelassen. Die warmweißen LEDs (2500 bis 3000K) sind im System dimmbar, um überall eine gemütliche, individuell anpassbare Atmosphäre für ein mit Leben gefülltes Familienhaus kreieren zu können.

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Die historische Gebäudehülle ist viktorianisch wie eh und je, der Kern aber ist modernisiert. Durch die Lichtschächte gibt es einen Austausch zwischen diesen beiden Welten und das Tageslicht im Wohnraum ist für die Bewohner außerdem der beste vitalisierende Effekt, den man sich vorstellen kann.

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Architekten: Emergent Design Studios


www.emergentdesignstudios.com

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