Kommentar: Lächerlich?!

17. Jun 2016

Wettbewerb für Lichtdesign und Lichtkunst … ohne Experten für Licht in der Jury

von Joachim Ritter

Im Ernst...? Are you serious?

Im Ernst…?

Die Stadt London gilt als eine der vier führenden Metropolen der Welt. Neben Paris, New York und Tokio zählt die Hauptstadt Großbritanniens zu den Trendsettern.

Das trifft auch für den Bereich des Lichtdesigns zu. Denn viele Planer sind eben in diesen Metropolen ansässig, arbeiten von hier heraus. Es sollte also genügend Fachleute geben, die sich zu dem Thema Licht zum Beispiel in London auskennen. Oder doch nicht?

Aktuell hat die Stadt London einen Wettbewerb ausgeschrieben, der die Brücken entlang der Themse zwischen Albert Bridge und Tower Bridge zum Thema hat. Die Finalisten des Wettbewerbs werden gebeten, einen Design-Masterplan für das Projekt zu konzipieren und ein Konzept für vier spezifische Brücken zu liefern: Westminster, Waterloo, London und Chelsea. Es handelt sich hierbei um einen international ausgeschriebenen Wettbewerb. Bis 2018 sollen die Entwürfe auch in die Realität umgesetzt werden. Soweit so gut.

Etwas seltsam anmutet jedoch die Tatsache, dass in der siebenköpfigen Jury nicht ein Lichtexperte zu erkennen ist. Ich will damit nicht behaupten, dass Lord Rothschild, Architekt Malcolm Reading, Prof. Ricky Burdett, Stadtplaner seines Zeichens, oder auch die Leiterin des Kulturbereiches der Stadt London, Justine Simons, nicht eine Meinung zu Licht haben und auch haben sollten. Aber keinerlei Expertise zur Lichtqualität oder einem zeitgemäßen Konzept wie auch zur möglichen Umsetzbarkeit von Wettbewerbsvorschlägen im Rahmen der Jury zu haben, scheint grob fahrlässig zu sein. Schaut man sich die Kriterien an, werden außergewöhnliche Ästhetik, moderne Konzepte und natürlich Energieaspekte und Interaktivität abgefragt. Wo aber sind zu diesen Fragen die Experten in der Jury?

Erneut zeigt sich, dass Lichtdesign als Thema zwar in der Architektur präsent ist, nicht aber die Lichtdesigner. Weder Verbände noch Ausbildung haben es geschafft, sich als notwendiger Teil derartiger Wettbewerbe zu etablieren. Auch scheint in dieser Ausschreibung Lichtdesign und Lichtkunst stärker zu verschwimmen, als es hilfreich ist. Gefragt ist zwar Lichtkunst, die Liste der Anforderungen aber lässt sehr stark vermuten, dass Lichtdesign gefragt ist. Die genauen Erwartungen lassen sich nicht erkennen.

Es bleibt deshalb den professionellen Lichtdesignern (oder auch Lichtkünstlern, wer weiß das schon) nur, sich im Rahmen des Wettbewerbes von den anderen Planergruppen abzuheben und den Unterschied deutlich zu machen.

My opinion:

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2 Comments / Kommentare on "Lächerlich?!"

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Christoph Adlfinger-Pullmann
Guest / Gast
Der Schlusssatz ist ein hehrer Wunsch, der ob der Jurybesetzung natürlich schwer zu erfüllen sein wird! (Wie Sie im Text ja selbst schon erläuterten.) Der soll bei der Wettbewerbseinreichung schon gleich die gesamte Machbarkeitsanalyse, Berechnungen und Begründungen für die Wahl der Leuchten, der Leuchtmittel, der eingesetzten Lichtfarben und oder Materialien der Leuchten, der Formen der Leuchten, der Leuchtcharakteristik mitgeliefert werden, damit man sich absetzt. Das halte ich für überzogen, deshalb bekräftige ich die Forderung nach mehr Expertise und der Akzeptanz derselben. Gerade die Diskussionen in den letzten Jahren über Sinn und Unsinn von staatlich verordneten Leuchtmitteln (via Verboten und/oder Förderungen),… Read more »
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