12. Jun 2017

London ist dabei, eine Menge Geld in die Themse zu werfen.

Text: Joachim Ritter


Auch auf die Gefahr hin, dass mir in der Zukunft die Einreise nach Großbritannien verwehrt wird, kann ich nicht umhin, offen und ehrlich auszusprechen, was viele insgeheim denken. Der Brexit war ja schon ein Fiasko, aber ein neuerliches und noch größeres Fiasko scheint sich mit der Beleuchtung der Londoner Themsebrücken anzubahnen. Wer geglaubt hat, „so schlimm kann es schon nicht werden“, wird sich nun getäuscht sehen. Es ist ein kollektives Scheitern der Jury mit Ansage!

Vor einigen Monaten noch haben Fachleute darauf hingewiesen, dass ein hoch dotierter Wettbewerb für Lichtdesign zu einem so bedeutsamen Projekt wie die Londoner Brücken über die Themse nicht vonstattengehen sollte, ohne dass eine repräsentative Anzahl von qualifizierten Lichtdesignern der Jury beiwohnt. Dennoch hat es nicht zu mehr gereicht als zu einer beratenden Funktion in der Vorprüfung. Ich bin mir nicht sicher, ob eben diese Vorprüfung des Büros Speirs & Major einen Einfluss auf die Juryentscheidung hatte. Ehrlich gesagt kann ich mir das nicht vorstellen. Es passt einfach nicht zu diesem Büro, die Möglichkeit zuzulassen, einen Flusslauf wie die Themse so mit Licht zu verschandeln. Auch erscheint es mir unglaubwürdig, dass dieses die besten sechs Entwürfe aus mehr als einhundert Einreichungen aus 20 verschiedenen Ländern sein sollen. Wenn das der Stand der Qualität der Lichtprojekte der Gegenwart sein soll, ist das ein dramatischer Rückschritt. Das kann ich nicht glauben. Ich halte dieses für eine Beleidigung der professionellen Lichtdesigngemeinschaft und kann nur feststellen, dass einige Ansätze mit Lichtdesign nichts zu tun haben. Bei genauer Betrachtung der Einreichungen und der Jury komme ich allerdings zu dem Schluss, dass Unwissenheit zur Definition von Lichtdesign zu diesem Ergebnis geführt haben muss. Das Ergebnis ist nicht, was gutes Lichtdesign bedeutet. Das erscheint unfassbar, wenn man bedenkt, dass selbst James Turrell ein Teil Jury gewesen sein soll.

Vielleicht ist dieses Ergebnis des Wettbewerbs ein Hinweis darauf, dass Lichtfestivals und Lichtkunst der Entwicklung von gutem Licht im öffentlichen Raum abträglich sind. Die Ergebnisse sind in großen Teilen nichts anderes als eine Selbstdarstellung der Designer, die einfach nur zeigen wollen, was sie mit Licht alles machen können. Architektur ist in Teilen hier von sekundärer Bedeutung. Das hat mit Lichtdesign wenig zu tun.


Die komplette Version dieses Artikels erhalten Sie in der Ausgabe  PLD Nr. 103  sowie in unserer PLD magazine App  (iPad App Store).


 

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