01. Dez 2016

Pop-up Pavillon „Urban Prisms“ in Shanghai/CN

Text: Jo-Eike Vormittag

Photos: Peter Dixie for LOTAN Architectural Photography


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Ein bisschen wie ein Fremdkörper in Sachen Form, Größe, Nutzen oder Beleuchtung steht der hellweiße, prismatische Aufbau auf einem belebten Platz in Shanghai zwischen modernen Hochhäusern und einem historischen Tempel. Ein Blick im Vorbeigehen verrät nicht, welche Funktion dieses sonderbare Konstrukt hat. Und doch: trotz der imposanten Architektur drum herum, kommt dieser kleine Bau groß raus. Der Zwerg ist sozusagen angetreten. Seine Kontrahenten stehen um ihn rum, die Arena ist das Pflaster der Stadt.

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Dass es nicht auf die Größe ankommt, das möchte dieser Warenstand eines Brillenherstellers beweisen. „Urban Prisms“ ist ein Pavillon, in dem Produkte ausgestellt und gekauft werden können. Er macht sich den Trend „Pop-up-Verkauf“ zu Nutze, wobei ein meist kurzfristiges, provisorisches aber auffälliges Einzelhandelsgeschäft eröffnet wird. Dieses hier befindet sich an exponierter Stelle in Shanghai und besteht aus drei transluzenten, sowohl von innen und außen wild und kantig geformten Prismen aus Polykarbonat, die von einem Gerüst umrahmt werden. Die Spitzen der Prismen brechen durch das Dach des Gerüstes Richtung Himmel. Licht kommt inmitten einer solchen Megastadt von überall her. Tagsüber ist es die Sonne, die sich ihren Weg durch die hohe Architektur und den Smog zum Boden bahnt, in der Dunkelheit sind es die vielen unzähligen künstlichen Lichtquellen.

Auch dieser Pavillon erzeugt eine ganz eigene Illumination. Die schneeweißen prismatischen Formen erinnern an Eisberge oder, dadurch, dass sie zu betreten sind, an Iglus. Was in der Natur durch die Sonne und durch Reflektionen in Licht getaucht wird, wird hier von innen heraus durch Kunstlicht erzeugt. Die Oberflächen leuchten von außen betrachtet kaltweiß. Ein Blick ins Innere des Pavillons zeigt, dass dort als Kontrast ein warmweißes Licht installiert ist. Wer sich schließlich näher hinein traut, der entdeckt verschiedenartig erzeugte Farben und Lichtfarben in den drei Prismen. Dichroitisches Glas, in einer zum Himmel ragenden Spitze oder in Würfeln am Boden, filtert an verschiedenen Stellen weißes Licht und füllt den Raum mit zarten Farben, die Schatten der Besucher bewegen sich dazu. Alte, farbliche Brillengläser sind zusammengeknüpft und hängen an der Wand, um Licht zu reflektieren und ein kleines Dachfenster ist von innen mit neonfarbigen Acrylplatten ausgestattet, um für die darunter sitzenden Besucher einen warmen Farbglanz zu kreieren.

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„Urban Prisms“ steht so anders, so fremdartig zwischen den Stadtgebäuden. Zusammen mit seiner ganz eigenen Illumination drängt er sich kurzzeitig auf eine noch freie städtische Fläche. Er sieht künstlich aus, doch Analogien zur Natur lassen sich durch Form, Farbe und Licht trotzdem herstellen. Vielleicht ist das der Grund, warum der „Zwerg“ zwischen den Gebäuden trotzdem Großes bewirken kann.

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Auftraggeber: Mujosh

Architekten: Lukstudio

Lichtdesign: Studio Illumine


www.lukstudiodesign.com

www.ww.studio-illumine.com

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