Kolumne: Joachim Ritters Blog: Die Lichtindustrie – Wenn der Feind zum Partner wird

15. Dez 2015

Ein historischer Moment – auch in der Lichtindustrie gibt es historischen Wandel

Text: Joachim Ritter

In Paris wurden in der vergangenen Woche die Verhandlungen zur Klimapolitik zum Abschluss gebracht. Weltweit wurde dieses überwiegend positiv bewertet. Interessanterweise war die Vertretung der europäischen Lichtindustrie bei den Verhandlungen nicht anwesend. Warum? Geht die Lichtindustrie die Erhaltung des bestehenden Klimas nichts an? Fühlen wir keine Verantwortung?

Ganz im Gegenteil. Die Lichtbranche ist in den vergangenen Jahren bereits weit in Vorleistung gegangen und hat die Möglichkeiten zur Einsparung von CO2 vorangetrieben. Dieses gilt es nun umzusetzen. Die Lichtbranche ist damit Vorreiter und nicht Nachzügler. Aktuell sind damit die Potentiale zur sinnvollen Einsparung von Energie im Bereich des Lichtes ausgeschöpft. Nun gilt es, den Fokus auf die Lichtqualität zu richten, diese zu verteidigen und nicht dem Diktat der Energieeinsparung zu opfern.

Die Europäische Lichtindustrie hat dieses erkannt. Sie hat auch erkannt, dass der Lichtspezialist – und ich spreche hier insbesondere von dem ausgebildeten Lichtdesigner – wichtig ist und ein wertvoller Partner. Auch das ist ein historischer Moment. Die Lichtindustrie streckt die Hände aus und bietet sich als Partner an. Leider haben das viele, insbesondere lang etablierte Lichtdesigner, noch nicht erkannt. Sie sind aktuell nicht in der Lage, der Lichtindustrie das Mindestmaß an Vertrauen zu schenken, um gemeinsam den Beruf zu etablieren. Zu sehr wurden sie von einigen Herstellern hintergangen, dass es ihnen nun leicht fällt, in die Zukunft orientiert zu denken.

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Zugegeben: Einige Konzerne haben in der Vergangenheit den freien Lichtdesigner offen vom Planungstisch verdrängt und ihnen die Jobs wie auch Kunden streitig gemacht. Auch heute noch ist dieses der Fall. Es gilt: Je börsenorientierter der Konzern, desto größer ist der Druck zu unfairem Verhalten. Der direkte Gang zum Bauherren oder Architekten mit Angeboten scheinbar kostenfreier sogenannter Designs lockt noch immer. Und doch: Der Lichtdesigner hat sich in den vergangenen 20 Jahren sehr sehr gut entwickelt und Anerkennung gewonnen- wenn auch noch nicht ausreichend – und dieses trotz konkurrierender Lichtindustrie. Diesen Weg gilt es nun konsequent weiterzugehen. Dieses sollte auch die Lichtdesigner so selbstbewusst machen, tiefer mit der Industrie in ein partnerschaftliches Gespräch zu kommen. Ignorieren und Schimpfen auf die Industrie wird das Problem nicht lösen.

Ob man das zentrale Thema der Lichtdesigner Human Centric Lighting nennt oder anders: Entscheidend ist der Ansatz, Licht NICHT nur als Energiefresser zu betrachten, sondern ihm auch eine Bedeutung für die Lebensqualität und Gesundheit zu geben. Lichtqualität ist nicht verhandelbar. Deshalb machte es auch keinen Sinn als Lichtindustrie in Paris dabei zu sein.

Deshalb aber macht es Sinn, dass Lichtdesigner und Lichtindustrie stärker kooperieren, als dieses bisher der Fall war.

 

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