18. Dez 2014

1600 Teilnehmern

Text: Joachim Ritter

Der sich dem Ende neigende Herbst 2014 war geprägt von zahlreichen Konferenzen und Veranstaltungen für Licht. Selten zuvor haben sich international derart viele Lichtplaner und -designer getroffen, um über Trends, Beruf und neue Wege im Lichtdesign zu sprechen. Die Gemeinschaft wächst an Zahl und Selbstbewusstsein. Doch wer hätte sich wohl vorstellen können, dass gerade im iranischen Teheran die größte aller Konferenzen zur Zukunft im Licht stattfinden würde?

Mit über 1600 Teilnehmern fanden sich zur 2. Iran Lighting Design Conference noch einmal 500 Teilnehmer zusätzlich zusammen als noch vor einem Jahr in Shiraz. Das ist international Rekord. Die Besucher, die ausschließlich die angegliederte Ausstellung besucht haben, sind hierin noch nicht eingerechnet. Das Interesse an der Entwicklung moderner Beleuchtung in Iran ist Teil der allgemeinen Aufbruchstimmung der jungen Gesellschaft in einen zu gestaltenden modernen Staat. Iran ist ein großes Land mit einem noch größeren kulturellen und historischen Herzen. Die moderne Kommunikationswelt eröffnet der jungen Gesellschaft Einblicke außerhalb der aktuell noch bestehenden Grenzen. Wireless Netzwerke sind schwer zu kappen. Nicht umsonst ist der Anteil der Mitglieder in Facebook und LinkedIn, die aus dem Iran kommen, bemerkenswert hoch. Auch im Lichtbereich.

Und auch zur ILDC Konferenz in Teheran zeigten sich die Teilnehmer wissbegierig und bereitwillig, einen modernen aber kulturell bewussten Iran mit den Möglichkeiten der Lichttechnik zu gestalten. Das soll jedoch nicht bedeuten, dass die iranische Architektur und Lichtwelt kein gesundes Fundament aufzuweisen hat. Im Gegenteil. Die Gesellschaft ist äußerst gut vorbereitet und hat bereits Maßnahmen zur Entwicklung im Licht eingeleitet, die manch andere westliche Nationen nicht vorzuweisen haben.

Roger Narboni hat in einem Workshop mit Studenten der Universitäten für Architektur die Grundlagen für einen Lichtmasterplan des historischen Kerns in Teheran geschaffen. Budgets zur Umsetzung sind definiert, der Prozess ist eingeleitet. Eine Arbeitsgruppe bestehend aus Mitgliedern der Politik und des Marktes koordinieren den weiteren Verlauf in professioneller Art und Weise. In Mashhad, der zweitgrößten Stadt Irans mit tiefen kulturellen und religiösen Wurzeln, ist ein solcher Masterplan schon weiter fortgeschritten und bereits in der Umsetzung. Erste Projekte lassen erkennen, dass moderne Lichtphilosophien den Iranern nicht verborgen geblieben sind. Bei allem Respekt kenne ich auch Industrienationen in Europa oder Nordamerika oder auch die neuen Industrienationen Asiens, die keinen Lichtmasterplan oder eine koordinierte Vorgehensweise haben.

Wie so oft ist die Entwicklung einer Gesellschaft von der Initiative und dem Engagement einigen wenigen abhängig, die Verantwortung übernehmen und Prozesse einleiten. Kaveh Ahmadian ist praktizierender Lichtplaner im Iran, aber auch in der internationalen Szene bekannt. Er stellte in den vergangenen Jahren die Kontakte zwischen der internationalen Lichtdesignergemeinschaft und der iranischen Szene her. Im Dezember 2013 hat er eine Gruppe von internationalen Planern zur ersten Konferenz in den Urlaubsort Shiraz eingeladen. Diese Veranstaltung bewirkte löste eine Welle des Interesses für die moderne Auffassung von Lichtdesign in Iran aus.

Und auch die Lichtindustrie entwickelt sich positiv. Die 2. Konferenz in 2014 war ein weiterer Meilenstein für den Markt und die Gemeinschaft. Neben den national ansässigen Herstellern fanden erste international tätige Protagonisten ihren Weg in diesen neuen Markt. Neben Delta Light und iGuzzini hatte Flos eine stattliche Präsentationsfläche. Aber auch iranische Anbieter haben eigene Entwicklungen im Angebot und in Vorbereitung, die international durchaus von Interesse sein dürften. Mittlerweile hat Kaveh Ahmadian ein ganzes Team um sich gescharrt, welches professionelle Strukturen aufgebaut hat und auch verschiedene Marketplayer und Institutionen eingebunden und vernetzt hat. Die Rahmenbedingungen sind somit definiert und stabil.

Neben Lichtprojekte im öffentlichen Bereich sind es Shoppingcenter und Verwaltungsgebäude, die in den kommenden Jahren verstärkt zur Realisierung gelangen. Der endgültige Startschuss für eine solide wirtschaftliche Entwicklung ist dabei sicherlich die Einigung Irans mit der internationalen Gemeinschaft über die Aufhebung der Wirtschaftsanktionen, die nahezu zeitgleich zur ILDC Konferenz in Wien verhandelt wurde. Der Abschluss verzögert sich allerdings noch einmal um sechs Monate.

Die nächste Konferenz ist 2016 geplant, jeweils im Wechsel mit PLDC, mit der eine Partnerschaft besteht. Und so erwarten wir auch in Rom eine größere Gruppe von Planern aus dem Iran. Insbesondere die Themen konservatorische Planung mit Licht und die digitale Beleuchtung dürften einerseits von Interesse sein, wie aber auch andererseits Bereiche, in dem die iranischen Planer Erfahrungen beizutragen haben.

Weitere Informationen über den Iran: Perception

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