Text: Colin Ball

05. Okt 2010

Heiliges Licht, säkulares Licht

Denn mit dem Gericht verhält es sich so: Das Licht kam in die Welt, und die Menschen liebten die Finsternis mehr als das Licht; denn ihre Taten waren böse. Jeder, der Böses tut, hasst das Licht und kommt nicht zum Licht, damit seine Taten nicht aufgedeckt werden. Wer aber die Wahrheit tut, kommt zum Licht, damit offenbar wird, dass seine Taten in Gott vollbracht sind. (Das Evangelium nach Johannes: Kapitel 3: Verse 19-21)

Das fundamentale Konzept, wonach Licht = gut, Dunkelheit = böse verstanden wird, ist uns allen bekannt. Wer „erleuchtet“ ist, wird demzufolge als guter, inspirierter oder gar heiliger Mensch eingestuft. Wenn wir über Religion nachdenken, ist es einfach das Anzünden einer Kerze als höchst symbolischen Akt der Spiritualität, der Meditation zu verstehen, der einen enger in Verbindung zu jener ‚Andersartigkeit‘, die viele als Gott definieren, bringt. Der Raum, in dem die Kerze angezündet wird, kann je nach Erdteil sehr unterschiedlich sein. Bevor man die Kerze überhaupt erreicht, wird man entweder zum Licht geführt, im Licht gebadet oder in Dunkelheit eingetaucht, damit man sie findet und schätzen lernt, sobald sie ‚eintrifft‘.
Dieser Beitrag wird die Unterschiede zwischen den Andachtsorten der vier Hauptreligionen, welche die Architektur und die Geschichte unserer Welt gebildet haben, anschauen: Hinduismus, Buddhismus, Christentum und Islam. Weiterhin wird er sich damit befassen, wie ihre Glauben unsere Gesellschaften und unsere Einstellung zum Licht beeinflusst haben. In der modernen Gesellschaft, wo die Religion nicht mehr die einzige treibende Kraft unserer Lebensweise ist, stellt sich die Frage: Zeigt uns unsere eigene Baukunst und Einstellung zum Licht, wie wir mit dem umgehen, was uns heilig ist? Ich fange mit einer Entschuldigung an. Die Thematik erstreckt sich über 3000 Jahre und schließt viele Kulturen und die dazu gehörigen Glauben mit ein. Ich gehe ganz bewusst sehr vorsichtig mit jedem Glaubensbereich um. Das Ziel ist, die Ähnlichkeiten zwischen den Religionen zu entdecken, ohne dass ich mich in den einzelnen Fällen in Einzelheiten verliere. Wenn ich Vorträge zum diesem Thema halte, kann ich bis zu 400 Bilder zeigen, die das religionsübergreifende Muster demonstrieren.Wenn ich einen Beitrag zum Thema schreibe, darf ich auf nur wenige Bilder zurückgreifen.Waren Sie schon mal in einer Moschee – um selber zu beten oder als Architektur bestaunender Besucher? Ich habe viele Jahre gebraucht, um herauszufinden, warum sich die großen Moscheen in Istanbul anders ‚fühlten‘ als das, was ich als heiligen Ort in den Kathedralen Großbritanniens gewohnt war. Sinan baute die Süleymaniye-Moschee innerhalb der selben Jahrzehnte wie die King’s College Chapel in Cambridge errichtet wurde, doch die erste Struktur ist mit der Hagia Sophia, die eintausend Jahre früher gebaut wurde, fast identisch. […]
—-
Die komplette Version dieses Artikels erhalten Sie in der Ausgabe PLD Nr. 73

My opinion:

Leave a comment / Kommentieren

Leave the first comment / Erster Kommentar

avatar
wpDiscuz

©2017 published by VIA-Verlag | Marienfelder Strasse 18 | 33330 Guetersloh | Germany

Page generated in 0,203 seconds. Stats plugin by www.blog.ca