Kolumne: Es flimmert in der Branche …

20. Jan 2016

Von Joachim Ritter

Zurückblickend muss ich feststellen, dass ich in den vergangenen zwei Jahren des Öfteren Migränephasen hatte. Es beginnt mit einem leichten Flimmern im Auge, dann wächst der Punkt zu einer Fläche, so dass es Schwierigkeiten macht, die Umwelt zu erkennen. Dann löst sich das Flimmern auf und man bekommt Kopfschmerzen. Außer mir kann niemand dieses sehen, und doch, es ist da.

headache

Auch in der Lichtbranche flimmert es gewaltig. Grund hierfür ist die LED. Allerdings können die meisten auch dieses nicht immer erkennen. Während bei der Leuchtstofflampe vielen das Flimmern wahrnehmbar war, scheint bei der LED dieses nicht der Fall zu sein. Und doch, es ist vorhanden. Aktuell vermarkten die ersten Hersteller Produkte, die sie als flimmerfrei beschreiben. Rein sachlich gesehen stimmt dieses nicht, denn ein Flimmern ist immer vorhanden. Aber die Taktfrequenz des Lichtes kann technisch erhöht werden, so dass es für den Menschen nicht mehr wahrnehmbar ist und angenehmer erscheint.

A. Schroeder fasst zusammen (www.trb.org): „Die Flimmergrenzfrequenz ist eine individuelle Größe der menschlichen Wahrnehmung. Sie ist nicht geschlechts- oder altersabhängig. Die Flimmergrenzfrequenz steigt mit der Leuchtdichte und kann durch eine Zwischenlichtscheibe oder Milchglasscheibe nicht effektiv verändert werden. Zwei konstruktive Maßnahmen, eine Störung oder Beeinflussung durch flackernde Leuchten zu verhindern, werden aufgezeigt: zum einen eine Steigerung der Taktung auf deutlich über 150 Hz, zum anderen eine Verringerung der Leuchtdichte der LEDs. Die Fähigkeiten des menschlichen Auges verblüffen bis heute und künftige Untersuchungen werden sicher noch weitere Überraschungen bringen. Ging man bisher davon aus, dass 80 Hz die Obergrenze der Flimmergrenzfrequenz darstellt, zeigen die vorliegenden Untersuchungen, dass ein kleiner Anteil der Menschheit in der Lage ist, Frequenzen bis weit über 90 Hz wahrzunehmen. Es wird geschätzt, dass der Anteil dieser Menschen an der Bevölkerung weniger als ein Promille beträgt. Bei der Auslegung zukünftiger Licht- und Signaleinrichtungen (Kfz-Beleuchtung, Ampeln, Reklametafeln, Gebäude- oder Tunnelbeleuchtung) wird eine Taktung von mindestens 150 Hz bei gleichzeitig geringer Leuchtdichte empfohlen, um auch diesen hochsensiblen Flimmergrenzfrequenzempfängern ein störungsfreies Leben, insbesondere die Teilnahme am Straßenverkehr ohne Ablenkung zu ermöglichen. Weiterführende Untersuchungen an Kindern, älteren Menschen, Leber- und Sehgeschädigten und Epileptikern sind notwendig.“

Dieses ist das Thema, welches derzeit die Lichtbranche flutet und beginnt, die Diskussionen zu prägen. So wird zur Light+Building 2015 in Frankfurt dieses Thema einen großen Raum einnehmen. Allerdings sollte man nicht in Hysterie verfallen.

Was sagt uns dieser Umstand? Nun, einerseits brauchen wir Menschen hohe Lichtmengen, wie uns das Tageslicht auf natürliche Weise anbietet. Andererseits erhöhen wir mit der Leuchtdichte einer Lichtquelle auch das Volumen an Flimmern. Was wieder einmal belegt, dass es kein besseres Licht als das natürliche Licht gibt. Aber das wussten wir ja alle bereits zuvor.

Es gilt also, bei der Auswahl der Produkte auf die Taktfrequenz zu achten. Wo wir erneut bei dem Preis wären. Qualität muss eben nicht auf dem ersten Blick sichtbar sein. Und es lohnt sich, die technischen Daten abzufragen und sich damit auszukennen.

Ob nun meine Migräne auch mit dem Flimmern des Fernsehers und dem wachsenden Volumen von Smartphones, Tablets und LED-Kunstlicht zu tun hat, vermag ich hier nicht zu sagen. Fakt aber ist, dass die Welt digital geprägt wird und ich gerne auch mal ohne Digitalisierung auskomme.

Welche Vorgänge im Gehirn die typischen Migränesymptome bewirken, ist nicht eindeutig geklärt. So scheinen bei einem Migräneanfall einige Nervennetze übermäßig stark erregt zu sein. Auch scheint bei Migräne der Stoffwechsel des Botenstoffs Serotonin verändert zu sein, welcher auf die Blutgefäße wirkt und sie durchlässiger für bestimmte Moleküle macht. Als Folge sind bei der Migräne die Wände der Blutgefäße des Gehirns gereizt, bestimmte Substanzen können ins Gewebe übertreten. Es kommt zur so genannten neurovaskulären Entzündung und Schmerzen.

Es gibt viele Ursachen für einen Migräneanfall. Zu ihnen zählen besonders Stress und Schlafmangel, die bei einer unregelmäßigen Lebensweise auftreten können. Häufig beginnen Migräneanfälle, wenn zu wenig getrunken wurde (Volumenmangel) – wohlgemerkt nicht alkoholische Getränke. Viele Frauen haben vor der Menstruation Migräneattacken. Migräne kann außerdem durch Reizüberflutung ausgelöst werden. Weitere Triggerfaktoren sind wahrscheinlich bestimmte Wetterlagen (zum Beispiel Föhn). Ebenso können Medikamente, die Nitroverbindungen enthalten, und Koffeinentzug Migräne auslösen. Die Symptome werden außerdem durch unregelmäßige Mahlzeiten und Unterzuckerung durch Hungern bewirkt.

Ich lege mich deshalb erst einmal hin und verschließe meine Augen vor der Welt…by Joachim Ritter

 

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