Text: Marco Ludwig
Photos: Oliver Blum Film + Photography

05. Nov 2011

Entwurf einer Licht-Atmosphären-Ästhetik
Über die atmosphärische Wirkung von Licht als Gestaltungsmittel

Es geht hier offensichtlich nicht (mehr) darum, funktionelles Sehen zu ermöglichen, sondern Aufmerksamkeit zu erregen. Diese Licht-Inszenierungen greifen in den immateriellen Stadtraum ein und begründen bestimmte Erlebnisweisen. Weitergehend sei behauptet, dass sie sich in Tendenzen fortschreitender Ästhetisierung der gesellschaftlichen Wirklichkeit einschreiben. Beispielhaft hierfür sind Lichtfestivals, die jährlich in verschiedenen Städten weltweit veranstaltet werden, so die Luminale in Frankfurt am Main oder die im französischen Lyon abgehaltenen Fêtes de la Lumière: Trivial-ästhetisch werden Stadträume temporär zu Bühnen ausgewählter beziehungsweise beliebig zusammengestellter Beleuchtungsszenarien, die ihr vermeintlich „dramaturgisches“ Konzept in Begriffsbildungen wie „Licht-Kultur-Spektakel“ fassen und damit ihren Event-Charakter kundtun. Der „Drang“ solcher lichtinszenierten Dunkelbilder der Stadt, nach außen hin wirken zu wollen, kann gleichsam als Kompensation eines „inneren“ Bedeutungsschwunds angesehen werden, in dem Sinne, dass sie nicht gerade inhaltlich Bedeutungsvolles verkörpern, licht-architektonisch darstellen oder „sagen“ möchten. Vielmehr begründen zumeist farblich illuminierte Gebäudefassaden eine Oberflächenästhetik, die sich nicht innerlogisch, das heißt nicht notwendig aus der eigentlichen Funktion und Sprache der Architektur ergibt, dafür aber einen eigenständigen Ausdrucks – und mehr noch: Eindrucksgehalt konstituiert. Jene lichtdesignten Architektur-Fassaden wirken als Bild aus sich heraus; sie scheinen des Verweises auf Inhalte in dem Maße nicht zu bedürfen, in dem Beobachter an ihnen raumbezogene Erfahrungen unmittelbarer sinnlicher Art machen können und gar sollen.Wenn also festgehalten werden kann, dass jene groß angelegten Licht-Events exemplarisch sind für ästhetisch produzierten Schein, für ein Vordringen des Ästhetischen in die Lebenswelt (insbesondere von Städten), so lässt sich daraus eine weitere, allgemeine kulturelle Entwicklungen der Gegenwart betreffende These folgern; sie soll an dieser Stelle meiner Ausführungen zunächst nur angedeutet werden:
Wird der Bereich der Simulakra in unserer erfahrbaren Umgebung bestimmend, dringt die Welt der Oberfläche, „Oberflächigkeit“ dorthin vor, so muss ein solcher Prozess mit Verdrängung einer anderen, gewissermaßen tieferen Realitätsebene einhergehen. Bezogen auf das Thema „Licht im öffentlichen Raum“ im Allgemeinen und die genannten Licht-Festivals im Besonderen ergibt sich daraus die theoretische Aufgabe, diese Verdrängung des Realen zugunsten einer auf das Spektakuläre, das Werbewirksame hin ausgerichteten Festivalisierung von Städten näher zu bestimmen und zu fragen: […]

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Die komplette Version dieses Artikels erhalten Sie in der Ausgabe PLD Nr. 79.

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