Text: Arne Hülsmann, Peter Andres beratende Ingenieure, Hamburg

16. Okt 2015

Muss der Stellenwert integrativer Lichtplanung in Planungsprozessen
bei fortschreitender städtebaulicher Verdichtung neu überdacht werden?

Die städtebauliche Verdichtung nimmt zu, politische Klimaziele verschärfen die Energiediskussionen zu Beginn der Planung – da ist es wichtig, dass dem Tageslicht ausreichend viel Aufmerksamkeit zukommt. Damit eine ausreichende Tageslichtversorgung bei Planungsaufgaben einen ausreichend hohen Stellenwert bekommt und nicht von einer fehlgeleiteten Energiediskussion in ‚Geiselhaft‘ genommen wird, ist ein Umdenken bei der Planung von Gebäuden erforderlich. Dieses Umdenken kann nur erfolgen, wenn Tageslicht als Qualität, als Mehrwert wahrgenommen wird.

Der ausreichende Zugang zu Tageslicht, und damit zu einem integralen Bestandteil von „gesundem“ und „nachhaltigem“ Bauen, unterliegt geographischen, kulturellen, sozialen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen. Ein Beispiel aus der Praxis. Während die geographischen Grenzen der Tageslichtverfügbarkeit einem Naturgesetz gleich definiert werden und sich nur langsam durch Langzeiteffekte wie zum Beispiel Klimawandel verändern, sind die anderen Parameter wesentlich flexibler [1]. Der kulturelle und soziologische Aspekt gebauter Architektur ist immer ein Statement an die Umwelt. Das Bauen unterliegt den wirtschaftlichen Verhältnissen der Bauherren. In Zeiten höherer Verdichtung der städtischen Quartiere bleibt es nicht aus, dass die freie Fläche vor dem Haus, der weitläufige grüne Garten oder die gekieste Einfahrt der Wirtschaftlichkeit geopfert werden. Steigende Grundstückspreise lassen die Häuser näher zusammenrücken, ohne dass der große Teil der gebauten Architektur auf diese geänderten Anforderungen eingestellt wird. Auch wächst die pro Person zur Verfügung stehende Wohnfläche beziehungsweise der Bedarf an ihr stetig an [2]. Dem gegenüber wächst das Wissen um die positiven Aspekte des Tageslichtes. Auch diese sind in die gesundheitlichen und wirtschaftlichen Auswirkungen aufgeteilt. Das Argument, dass eine bessere Tagesbelichtung die Lernfähigkeit um zum Beispiel bis zu 20 Prozent steigern kann (oder entsprechend die Fehlerhäufigkeiten sinken) [3], lässt sich bei „Investorenbauten“ in der Regel besser vermarkten, als jenes, dass sich Mitarbeiter, Bewohner, Kunden oder Nutzer dann wohler fühlen oder motivierter sind – gleichwohl beide Aspekte verbunden sind [4]. […]

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Die komplette Version dieses Artikels erhalten Sie in der Ausgabe PLD Nr.99

 

Literaturverzeichnis

[1] IB Andres mit den Daten des Deutschen Seewetterdienst Hamburg ‚Vergleich von Tageslichtverfügbarkeiten 1967 bis 1980 und 2000 bis 2010‘.

[2] Hegger M., Fafflok C., Hegger J., Passig I. (2013) AktivHaus – Das Grundlagenwerk.

[3] Hershong Mahone Group, H. M. (1999). Daylighting in Schools.

[4] Hellinga Hesta, (2013) TU Delft, Daylight and View, The influence of windows on the visual quality of indoor spaces.

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