Text: Michael Hawkins

14. Aug 2015

Wir stecken fest in einer Lichtgewohnheit und sehen die Dunkelheit nicht mehr

Im Laufe der Geschichte hat der Mensch rund die Hälfte seines Lebens in niedrigen Helligkeitsstufen, sprich im Schatten, verbracht. Heute werden wir selten von Dunkelzonen umgeben und selbst unsere Nächte werden von elektrischem Licht überflutet. In der Vorzeit des elektrischen Lichts waren die Nächte voller Gefahren und Ängste. Trotzdem waren die dunkleren Stunden des Tagesverlaufes auch gemeinschaftsfördernd. Die Menschen haben sich bei der Dunkelheit zusammengefunden. Unsere Augen haben sich so entwickelt, dass wir uns an den Schatten oder gar die Dunkelheit anpassen können. Forschungsstudien legen nahe, dass wir dadurch gesünder sind.

Bei sicheren Bedingungen kann die Dunkelheit als Phase der Geselligkeit durchaus bereichernd sein. Durch die bewusste Anwendung von Dunkelheit oder Schatten in der Lichtplanung sind wir in der Lage, ein Gemeinschaftsgefühl zu fördern, das bei einem hell und gleichmäßig beleuchteten Innenraum nicht zu erzielen ist. Dadurch schaffen wir auch die visuellen Rahmenbedingungen, die Raum und Gegenständen Formen geben. In der Dunkelheit bleibt Spielraum für die Fantasie. Details kann man selbst nach seinen Erfahrungen ergänzen und das Nutzererlebnis wird deshalb fast intuitiv aufgewertet. Weniger Licht in unseren Wohnhäusern kann zu persönlichen und gesellschaftlichen Vorteilen führen. Halten wir das Licht in unseren privaten Innenräumen niedrig, kann sich unser visuelles System regenerieren und erlaubt, den Fokus unserer Gedanken zu verinnerlichen. Mit anderen Menschen geteilt kann die Dunkelheit eine Umgebung bieten, die prädestiniert ist für Nähe unter Familienmitgliedern und Freunden. Innerhalb einer sozialen Gruppe kann sich eine Intimatmosphäre ergeben. Man sitzt und steht enger zusammen, um sich zu sehen. Wenn das Sehen nicht mehr als primäres Sinnesorgan fungiert, wird der akustische Sinn angeregt. Die Kommunikation unter Menschen erfolgt ohne visuelle Störungen und auch das Hörvermögen wird gefordert. Räume, die mittels diffuses weißes Licht erhellt werden, sehen häufig zweidimensional aus. […]

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Die komplette Version dieses Artikels erhalten Sie in der Ausgabe PLD Nr.98

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