Text: Mario Haunhorst
Photos: Mario Haunhorst

05. Okt 2010

Drei Kirchen, drei Konzepte

Die Beleuchtung von Kirchenräumen und -fassaden ist mehr als nur eine technische Heraus-forderung; verschiedene Nutzungen – die Liturgie, Konzertveranstaltungen oder „nur“ die wertfreie Betrachtung von Kunstwerken – stellen je eigene Anforderungen an die Lichtgestaltung. Die Liturgie steht im Vordergrund, denn Kirchen dienen zu allererst als Versammlungsraum der Gemeinde zu Gottesdienst und Gebet. Neben den rein praktischen Anforderungen spielen hier vor allem auch theoretische Gesichtspunkte eine Rolle. Schon der Begriff „Licht“ ist geistig und geistlich vielseitig auslegbar.

Nicht zuletzt aufgrund lichtmystischer Implikationen ist Kirchenarchitektur spätestens seit der Gotik in der Hauptsache Lichtarchitektur und erfordert bei der Lichtplanung ein sensibles Abwägen zwischen Tageslicht- und Kunstlichtführung. Vor allem das natürliche Licht ist wesentlicher Bedeutungsträger und bleibt für die liturgischen Orte, besonders für den Altarbereich, ein zentrales Gestaltungselement. Bau- und Kirchenhistoriker zeigen den historischen Hintergrund von Licht als Bedeutungsträger in Sakralräumen auf und umreißen damit die anhaltende Bedeutung dieser Thematik in der Geschichte des Sakralbaus. Nicht Wenige sehen deshalb in der Lichtplanung von Sakralbauten die „Königsdisziplin“ der Branche. Bei der Philosophie des Beleuchtens gibt es unterschiedliche Auffassungen, vielleicht auch Mentalitäten. Da ist auf der einen Seite der Wunsch nach emotionaler Bereicherung, nach religiös motivierten Erlebnissen – und damit verbunden die Nachfrage nach Symbolisierungs- und Ausdrucksformen von Mystik, Geheimnisvollem,Unbegreiflichem, Bergendem das in klarer Distanz zu Alltagserfahrungen steht. Da ist andererseits die protestantisch-aufklärerische Position, die auf Heiligung durch Handlung setzt und jede erkünstelte und symbolisch überfrachtete Stimmungshaftigkeit ablehnt und in sakralen Räumen allenfalls eine Realsymbolik akzeptiert, die sich der Intuition unmittelbar erschließt und auf diese Art zu einer Feierlichkeit beiträgt, die keiner mystifikatorischen Sekundärmotivationen bedarf. Um in diesem Spannungsfeld zu arbeiten, ist Feingefühl in der Kommunikation zwischen den am Bau, beziehungsweise an der Lichtgestaltung Beteiligten erforderlich. Ein rein technischer Lösungsansatz allein reicht in den seltensten Fällen aus. Vielmehr sind bei der Lichtgestaltung in Sakralräumen Arbeitsprinzipien wie Ehrfurcht, Ästhetik und Rücksicht auf die Authentizität des Kirchenbaues hilfreich, wenn nicht sogar unabdingbar. Die Gestaltung von Kunstlicht setzt Respekt vor der Liturgie, den Menschen und den (bau)künstlerischen Ausdrucksformen voraus. […]
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Die komplette Version dieses Artikels erhalten Sie in der Ausgabe PLD Nr. 73

Besprochene Konzepte:
– St. Anna, Neuenkirchen/D
– Liebfrauenkirche Bocholt/D
– St. Dionysius, Nordwalde/D

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