Projektbeteiligte:


Bauherr: Landeshauptstadt Stuttgart/D
Projektsteuerung: Drees + Sommer, Stuttgart/D
Architekt: Eun Young Yi, Köln/D und Seoul/ROK
Licht- und Elektroplanung: Conplaning GmbH, Neu-Ulm/D
Tragwerksplanung: Boll und Partner, Stuttgart/D
Möblierungsplanung: Totems Communication, Stuttgart/D

Verwendete Produkte:


Quintessence (in unterschiedlichen Ausführungen) von Erco,
Lüdenscheid/D

05. Mai 2012

Entschleunigung
Die neue Stadtbibliothek in Stuttgart/D verbreitet Ruhe

Text: Joachim Ritter, Sandra Lindner
Photos: Landeshauptstadt Stuttgart, Thomas Pflaum DGPh, Kai Loges, Andreas Langen

Im Jahr 2010 wurde der Begriff „Wutbürger“ in Deutschland zum Wort des Jahres gekürt. Geprägt und popularisiert wurde das Wort bei der Beschreibung der engagierten und empörten Bewohner Stuttgarts. Entgegen der Ansicht der Politiker lehnten sie den Neubau des modernen, aber kostspieligen Hauptbahnhofs in der Innenstadt von Stuttgart ab und protestierten dafür sogar über Monate hinweg. Dabei ging es weniger um die Qualität des Projektes, als vielmehr um die Tatsache, dass Bürger kaum Einfluss auf politische Prozesse zu haben scheinen. Ebenso wie das Bahnhofsprojekt ist auch die neue Stadtbibliothek Teil des umfangreichen Städtebauprojekts „Stuttgart 21“. So hatte auch das Image der Stadtbibliothek im Sog der Diskussionen und Verzögerungen zu leiden. Zu Unrecht, denn das Gebäude will beruhigen und zur Diskussion einladen.

Viele lokale Bürger sind derzeit ohnehin sehr kritisch gegenüber jeglicher Art von neuen Bauprojekten im Stadtkern von Stuttgart. Die Offenheit für moderne Architekturformen und das Verständnis hierfür fallen vielen sehr schwer. Schnell wird die strenge Form des Würfels, die auf der Grundstruktur eines quadratischen Rasters beruht, als langweilig und monoton empfunden. Es wurden sogar Vergleiche zu dem berühmten Stammheimer Gefängnis gezogen, das in den 70er Jahren durch die RAF-Terroristen internationale Bekanntheit erlangte. Die Zeit der Philosophie von O.M. Ungers schien eigentlich vorbei oder zumindest nicht mehr präsent zu sein. Ungers gesamte Architekturphilosophie basierte auf dem Quadrat, fast bis zum Exzess. Fest steht allerdings, dass gerade die Strenge die Basis für puristische Raumqualität in der Architektur ist. Das kann von der Fassade bis hin zum Kern des Würfels funktionieren. Vorausgesetzt, dieser Purismus wird mit dem richtigen Licht bespielt. Der koreanische Architekt der neuen würfelförmigen Stadtbibliothek Eun Young Yi nimmt die baulichen Verzögerungen im Nachhinein mit Humor: „So einen schönen Bücherknast wie diesen habe ich jedenfalls noch nie gesehen.“ Mit der Eröffnung der Stadtbibliothek nach einer dreijährigen Bauphase sind die Schmähungen jedenfalls fast verebbt. Der würfelförmige Bau überzeugt den Besucher mit seinem ungewöhnlichen Innenleben. Als beruhigendes Element der Architektur bietet das Licht Orientierung inmitten einer kontrastarmen Umgebung entwickelt es den für die Bibliotheksbeleuchtung erforderlichen Sehkomfort und trägt zur Imagepflege bei. […]

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Die komplette Version dieses Artikels erhalten Sie in der Ausgabe PLD Nr. 83.

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