Text: Dennis Köhler, Dipl.-Ing. Arch, M.Sc. / Raphael Sieber, Dipl.-Geogr.;
FH Dortmund – Forschungslinie „Licht_Raum“

05. Nov 2011

Der Stadtraum zur Kunstlichtzeit
Positionen und Beobachtungen

Nach Jahrzehnten der eher unterschwelligen Verwendung von Kunstlicht in den Städten industrialisierter Länder, meist reduzierend auf einen unmittelbaren Nutzen, gerät Licht immer mehr in den expliziten Fokus von geplanter und vollzogener Raumgestaltung. Die zunehmende Verwendung von umfassenden Plangrundlagen zur langfristigen Koordinierung und politischen Legitimierung der Stadtbeleuchtung kann als ein notwendiger und nachvollziehbarer Schritt der Kommunalverwaltungen gesehen werden, da insbesondere hier auf unterschiedlichste Steuerungsinstrumente zurückgegriffen werden muss, um programmatische Stadtplanung erst betreiben zu können. Die von den Kommunen aufgestellten oder in Auftrag gegebenen Gestaltungspläne für Kunstlicht – die so oder anders genannten „Licht-Masterpläne“ – fallen gerade in diesem politisch getragenen Konstrukt auf fruchtbaren Boden.

Sie behaupten nämlich, dass mit Hilfe von Licht stadträumliche Qualitäten erzeugt werden, die den Prinzipien einer nachhaltigen Stadtentwicklung Rechnung tragen. Die Rede ist unter anderem von durchgängig besserer Orientierung und Aufenthaltsqualitäten, von höherer Sicherheit und einer „Auflösung“ von Angsträumen, von einer Darstellung intensiver Urbanität mit Kunstlicht und einem veränderten Image der Stadt. Ohne Frage handelt es sich hierbei um Handlungsfelder, denen sich die kommunale Stadtentwicklung widmen muss. Doch ist es erstaunlich, dass die Bandbreite an nicht hinterfragten Erwartungen und der darauf folgende kommunale Tatendrang selbst nach über 100 Jahren elektrischer Stadtbeleuchtung nahezu gleich geblieben sind, auch wenn das Wissen über die Wirkungen von künstlichem Licht im öffentlichen Raum noch deutliche Lücken aufweist, sofern genannte Effekte angestrebt werden.
Auch ohne das weite Feld der soziologischen Raumforschung aufarbeiten zu wollen, sehen wir hier ein Dilemma aktueller Beleuchtungsstrategien. Wo sich im Resultat nur allzu häufig eine technisch oder dekorativ legitimierte Hervorhebung von Oberflächen, Fassaden und Gegenständen mit Licht zeigt, wird in Anspruch und Ergebnis eine lichte Beeinflussung der Konstitutionen von „Raum“, „Atmosphäre“ oder auch „Identität“ und „Orientierung“ (im Sinne einer emotional verankerten Stadterinnerung oder -profilierung) behauptet – selbst dann, wenn die Lichtprojekte lediglich einer Objektlogik folgen und die Gesamtheit stadträumlicher Strukturen beziehungsweise das Licht als Zufallsprodukt zurückbleibt. Vielleicht können wir uns darauf verständigen, dass Kunstlicht aus unserer Erfahrung heraus zwar eine Rolle für bestimmte Verhaltensweisen spielt und wir dabei durchaus angenehme wie auch unangenehme Emotionen oder Sehbedingungen beschreiben können, doch müssen wir uns bewusst sein, dass es den Methoden der Kunstlichtverwendung zur intendierten Einflussnahme auf die individuelle Raumkonstitution bisher noch an Grundlagen fehlt, da die korrelativen Beiträge von Licht auf unser Verhalten, Handeln oder Empfinden in der Stadt weitgehend ungeklärt sind. […]

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Die komplette Version dieses Artikels erhalten Sie in der Ausgabe PLD Nr. 79.

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