06. Dez 2016

Das Brauhaus „Shilling Brewing Co.“ in Glasgow/UK

Text: Jo-Eike Vormittag

Photos: James Harris


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Die Biere der Welt leuchten in den schönsten Farben. Das gelingt nicht durch irgendeinen chemischen Zusatzquatsch, sondern durch rein natürliche Stoffe und Prozesse. Das Malz macht’s möglich: unterschiedliche lange Trockenphasen und -temperaturen sind entscheidend für die Farbgebung. Außerdem hilft auch das Wasser dabei. Ein Brauhaus kennt sich mit diesen Vorgängen bestens aus. Und das Brauhaus „Shilling Brewing Co.“ in Glasgow macht sich das für die Inneneinrichtung clever zu Nutze.

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Die heutige urban hergerichtet Bierstube war früher ein traditionsreiches Bankhaus, erbaut in den 1920er Jahren. Glücklicherweise, so darf man in diesem Fall sagen, verhielt es sich zu der Zeit mit dem Einsatz von Kunstlicht noch ganz anders, weshalb die Häuser mit großen Fenstern versehen wurden, um möglichst viel natürliches Licht einzufangen. Das ist auch aus heutiger Sicht und unter der neuen Nutzung des Gebäudes gut. Ganz gleich wie unermesslich die Möglichkeiten wären, Kunstlicht einzusetzen.

In erster Linie speist sich der Hauptraum samt außergewöhnlichem Interieur also mit Sonnenlicht. Anders gesagt: In die Bäuche der Gäste strömt traditionell gebrautes Bier, durch die Fenster natürliches Licht. Ein Gewinn für Gäste und Architektur. Wie beim Bier selbst sorgt hier die Natur für Helligkeit beziehungsweise, im Zusammenspiel mit Interieur oder Materialien, für Farbgebung. Weil der tägliche Sonnenuntergang aber nun mal Dämmerung mit sich bringt, musste darüber hinaus auch ein Beleuchtungskonzept her. Und dabei kam es vor allem auf die Eigenschaften des Gerstensafts und seine Herstellung an. Die vielen aber dennoch sehr zurückhaltenden Decken- sowie Wandleuchten geben ein sehr warmweißes, sanftes Licht mit niedriger Beleuchtungsstärke ab. Dazu spielen die eingesetzten Materialien eine tragende Rolle: die Leuchtmittel sind meistens umgeben von dunklen, braun beziehungsweise bronzefarbenen Metallen. Manche Fassungen haben die gleiche bierähnliche Farbe wie das Licht. Verschiedenartig taucht das zur Bierherstellung typische Kupfer in den Räumen auf. Darin und in anderen glänzenden Oberflächen wie zum Beispiel Marmor oder Holz spiegelt sich das warme Licht und überträgt so die Gemütlichkeit weiter im Raum. Außerdem und im Kontrast dazu treffen weiterhin eher matte dunkle auf helle Flächen. Trotz dieser auffälligen Mixtur und dem zurückhaltend eingesetzten Kunstlicht, markieren die biertypischen Farbtöne in diesem Fall nicht den roten sondern den bronzebraunen Faden des gesamten Interieurs.

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Die Umnutzung der traditionsreichen Räume samt Gestaltung des Interieurs, das bestimmende Produkt Bier mit seiner Herstellung und seinen Farben sowie das Lichtkonzept spielen hier im Einklang. Dies sowie die Wichtigkeit und Ausbeute des Tageslichts durch die großen Fenster zeigen, dass sich Gedanken über ein sinnvolles Lichtkonzept gemacht worden sind. Zumal gerade die Ausgehbranche oft eher durch Glitzer, Glanz und Lichter auffällt, als durch solche Ausgeglichenheit.

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Architektur und Design: Jestico + Whiles


www.jesticowhiles.com

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