28. Sep 2016

Entwurf einer Kapelle in den Alpen/CH

Text: Jo-Eike Vormittag


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Kirchengebäude sind für Christen die örtliche Verbindung zu Gott und ein Zeichen für die göttliche Präsenz in der Welt. In ihnen treffen sich Gläubige für den Gottesdienst, zum Beten, für die Gemeinschaft und die Versammlung. Sie sind für Christen sozusagen das Tor zum Himmel. Dieser Planungsentwurf von Joaquim Portela Arquitetos greift genau das auf – denn die Kapelle soll von ihrem künftigen Standort in den Schweizer Alpen die himmlische Verbindung darstellen. Sie soll aus dem Reich Gottes das Licht empfangen und über ein riesiges Dachfenster durch den überstehenden, winkeligen Trichterbau in den hellen Hauptraum leiten.

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Die Suche nach dem Licht sei das grundlegende Konzept gewesen, sagt Planer Joaquim Portela. Die Sonne wirft ihre Strahlen am rauen Fassadenbeton entlang, direkt auf den weiß marmorierten Altarbereich. Nicht nur der Standort hoch in den Alpen, sondern gerade diese lichtbeeindruckende sakrale Kulisse vermittelt den intensiven Eindruck von göttlicher Nähe. Gleich nach dem Altar beginnt der Hauptraum, der das Licht aus dem Trichter bis zum Ende beziehungsweise dem eigentlichen Eingangsbereich der Kirche – verkleidet durch eine Glasfront – weitergibt; der aber von dort auch neues Tageslicht entgegengesetzt hineinlässt. Das helle Holz der Sitzgelegenheiten nimmt nicht nur die einfließende Helligkeit aus beiden Richtungen auf, es bietet auch den passenden beruhigenden und erdverbundenen Kontrast zum glänzenden Altarbereich sowie dem Beton. Dieses graue Material, der auf einem Bergvorsprung aufsitzenden Gesamtarchitektur, fügt sich in die felsige Landschaft ein. Die im Seitenschiff untergebrachte Sakristei, ebenfalls gestaltet in hellem Holz, eröffnet durch ein großes Fenster gleichzeitig einen Blick in das grüne Umland.

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Völlig losgelöst und unter dem Eindruck eines transzendenten Lichts, ist die Kapelle hoch oben in den Bergen eine himmlische Verbindung und ein idealer Ort des ruhigen Rückzugs und der subjektiven Selbstwahrnehmung. Ein Zusammenspiel aus Hell und Dunkel. Licht kann gestalterisch in Gotteshäusern aller Religionen problemlos eine wichtige Rolle spielen, weil eben Irdisches mit Himmlischem verbunden wird. Dieser Entwurf mit seinem zu Gott ragenden Lichtrüssel ist dennoch ein wirklich innovativer Entwurf, der das Licht über seine Architektur zentriert in den sakralen Raum saugt.

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Architektur: Joaquim Portela Arquitetos


www.joaquimportelaarquitetos.com

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