21. Mai 2015

Light is back, das Licht wiederbelebt
Die neue Beleuchtung des Gemaldes „Das letzte Abendmahl“ von Leonardo da Vinci fand bei den Experten Zustimmung

Text: Joachim Ritter

Fad und grau war die Beleuchtung des Gemäldes „Das letzte Abendmahl“. So richtig Appetit hatte man deshalb eigentlich nicht verspürt. Kein Wunder, denn bis vor kurzem noch wurde das Meisterwerk von Leonardo da Vinci des Dominikanerklosters Santa Maria delle Grazie mit Leuchtstofflicht … na sagen wir mal: gequält. Und wir alle wissen, dass Leuchtstofflicht damals wie heute beim Essen den Appetit unterdrückt. Ende März wurde im Rahmen einer Feierstunde die neue Beleuchtung der Öffentlichkeit offiziell vorgestellt. Pünktlich zum Jahr der Expo 2015 in Mailand, die in vier Wochen eröffnet werden sollte, und ebenso pünktlich zwei Tage vor dem historischen Gründonnerstag, wurde mit der modernen Beleuchtung deutlich, dass selbst Jahrhunderte alte Speisen des letzten gemeinsamen Abendessens von vor nun fast 2000 Jahren noch immer frisch aussehen können. Es ist eben eine Frage des Lichtes und in diesem Fall des digitalen Lichtes. Nun handelt es sich allerdings hierbei nicht um moderne Shopbeleuchtung und um die Aufwertung von Obst und Gemüse, sondern um die Gesamtatmosphäre eines Raumes, in dem nach christlichen Glauben Historisches stattgefunden hat. Bei dem letzten Abendmahl Jesu zusammen mit seinen zwölf Anhängern stiftete er mit dem Auftrag „Tut dies zu meinem Gedächtnis“ das gemeinsame Mahl als Zeichen seiner bleibenden Gegenwart in seiner Gemeinde, aus der sich in den christlichen Konfessionen die Liturgie der Eucharistie, später auch „Abendmahl“ genannt, entwickelte. Das Bild misst 422 mal 904 Zentimeter und zeigt Jesus mit den zwölf Aposteln in dem Augenblick unmittelbar nachdem dieser ihnen erklärt hat: „Einer von euch wird mich verraten“. Das Bild gilt als Meilenstein der Renaissance, denn es nahm wegen seiner korrekt wiedergegebenen perspektivischen Tiefe bahnbrechenden Einfluss auf die Malerei des Abendlandes. Das in der Seccotechnik ausgeführte Werk von Leonardo da Vinci wurde in den Jahren 1494 bis 1498 im Auftrag des Mailänder Herzogs Ludovico Sforza geschaffen. Nun wurde das Meisterwerk in Zusammenarbeit mit Fabio Aramini neu beleuchtet. Aramini ist Leiter des Bereichs Photometrie und Lichtdesign am Istituto Superiore per la Conservazione ed il Restauro in Rom. Das Bild zeigt drei Fenster im Hintergrund. Rechtsseitig ist das Bild heller angelegt. Es zeugt von dem Tageslichteinfall und dem Sonnenstand. Dementsprechend sollte dieser Bereich aufgehellt werden. Dieser Gedanke wurde auch im Refektorium des Klosters, wo das Gemälde zu sehen ist, aufgenommen. Bis auf eines wurden alle Fenster im Raum abgedunkelt. Der Lichteinfall zeigt sich auf der rechten Seite. Beim Malen dieses Meisterwerks wollte sich Leonardo nicht auf die traditionellen, alterungsbeständigen Freskotechniken verlassen, wobei die Farbe schnell aufgetragen werden musste, während der Mauerputz noch nass war. Stattdessen entschied er sich für eine neue Technik (die Secco-Technik), die es ihm ermöglichen würde, Details weiter zu perfektionieren, auch noch nachdem der Putz komplett getrocknet war. Leider war das Experiment nicht so erfolgreich, wie Leonardo erhoffte und das Gemälde fing früh an zu verfallen. Über die Jahrhunderte hinweg musste das Gemälde demzufolge mehrmals restauriert werden. Das neueste Restaurierungsprojekt, das über zwanzig Jahre in Anspruch nahm, wurde im Jahr 1999 abgeschlossen. Das, was nach der sorgfältigen Entfernung der ungeschickten Restaurierungsversuche vom ursprünglichen Gemälde übrig geblieben war, wurde enthüllt. Die neue LED-Lichtlösung lässt die Farben im Gemälde „Das letzte Abendmahl“ wesentlich lebhafter wirken. Dank der konstanten Beleuchtungsstärken und der konsistenten Reduzierung der Wärmeabgabe im Raum wird gleichzeitig für eine bessere Lichtverteilung sowie für die angemessene Konservierung des Gemäldes gesorgt. Es wurden Werte erzielt, die 30 mal niedriger sind als in den italienischen und europäischen Normen für hochempfindliche Kunstwerke vorgegeben werden. Alle aufgezeichneten photometrischen, thermischen und mikroklimatischen Werte wurden vom lichttechnischen Labor des Istituto Superiore per la Conservazione ed il Restauro, ISCR (Höheres Institut für Konservierung und Restaurierung) durchgeführt und beglaubigt. Die Farbwiedergabe (CRI oder Ra) einer Lichtquelle misst und beschreibt, wie genau die Lichtquelle die Farben von Gegenständen wiedergibt. Um die Farbwiedergabe unterschiedlicher Lichtquellen objektiv vergleichen zu können, stellt die von der CIE verwendete Methode die Farbwiedergabe auf einer Skala von 0 bis 100 (schlecht bis ausgezeichnet) dar. Die Palco-Strahler, die zur Beleuchtung von Da Vincis „Das letzte Abendmahl“ verwendet wurden, sind mit Vollspektrum-COB-LEDs mit einem hohen Blauanteil und genügend warmweißem Licht bestückt. Die Farbtemperatur liegt bei 3400K. Die neuen Systeme zur Beleuchtung von Kunstwerken und deren Umgebungen erhöhen die Energieeffizienz, reduzieren den Stromverbrauch (um mehr als 80 Prozent) und tragen dazu bei, solche Meisterwerke wie „Das letzte Abendmahl“ bestmöglich zu konservieren. Die Entscheidung, die Halogenlampen mit neuen LED-Leuchtmittel zu ersetzen, hat den Energieverbrauch von 3400W/h auf 570W/h reduziert.

 

Projektbeteiligte:

Auftraggeber: Soprintendenza per i Beni
Architettonici e Paesaggistici (Aufsichtsbehörde
für Architektur und Landschaft)_
für die Provinzen Mailand, Bergamo, Como, Lodi, Monza, Pavia, Sondrio und Varese.

Lichtlösung:

Forschungs- und Entwicklungszentrum iGuzzini, Istituto Superiore per la Conservazione ed il Restauro, ISCR (Höheres Institut für Konservierung und Restaurierung), Soprintendenza per i Beni Architettonici e Paesaggistici (Aufsichtsbehörde für Architektur und Landschaft) für die Provinzen Mailand, Bergamo, Como, Lodi, Monza, Pavia, Sondrio und Varese.
Elektroplanung: Tecnosaier srl – Lucio und Fabio Pironi.

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