18. Okt 2017

Zwei Warum-Nicht-Wege, die aufeinandertreffen können.

Text: Alison Ritter


Es gibt zwei zentrale Themen oder, um es etwas pragmatischer auszudrücken, spürbare Trends, welche die Lichtdesignbranche aktuell beschäftigen, die in einigen der Vorträge, die zur PLDC in Paris im November gehalten werden, widergespiegelt werden.

Das eine Thema betrifft das Co-Design, einen Designansatz, wobei die Nutzer der zu beleuchtenden Räume mitentscheiden, was für Lichtbedingungen präferiert und benötigt werden sowie geeignet wären. Das Interesse an partizipatorischen Designprozessen ist in den letzten Jahren stark gewachsen. Dieser Ansatz, der häufig interaktive Elemente enthält und einsetzt, ermöglicht es Menschen jeden Alters und aus allen Bevölkerungsgruppen, ihre Umgebungen mitzugestalten und zu beeinflussen. Früher eher als temporäre oder experimentelle Aktionen, mit einem Hang zum Unterhaltsamen, durchgeführt, fängt diese Design-Strategie an, immer mehr Planer und Bauherren zu überzeugen und ist dazu bestimmt, für gewisse Projektarten der empfohlene Modus Operandi zu werden.

Das zweite, oben erwähnte Themen bezieht sich auf das wachsende Bewusstsein seitens der erfahrenen und etablierten Lichtdesigner, ihre Fähigkeiten und Kompetenzen auszubauen und zu entwickeln, die Führung ihrer Planungsbüros zu aktualisieren und ihre Teams neu zu organisieren oder sogar neu aufzustellen, um zweckmäßiger sowie effektiver planen, mit den Vorteilen und Möglichkeiten der modernen Technologien (nicht nur Lichttechnologien) umgehen und die Chancen, die sie bieten, sinnvoll ausnutzen zu können.

Wenn das Wort „Ausbildung“ auftaucht, wird es generell zunächst mit Schulen und Hochschulen verbunden; nämlich „junge Leute, die das Zeug fürs Leben lernen“. Fortbildung oder Berufsausbildung andererseits wird als Prozess betrachtet, durch den man lernt, das anzuwenden, was man schon „drauf hat“.

Was also passiert, wenn man das Allgemeinwissen in der Schule gewonnen hat, sich auf ein bestimmtes Fach oder Fachgebiet an einer Universität oder Weiterbildungseinrichtung fokussiert, ein Diplom beziehungsweise einen Hochschulabschluss erlangt und eventuell auch noch promoviert, berufliche Erfahrung unter Leitung in einem Planungsbüro absolviert und somit eine berufliche Laufbahn als Lichtdesigner einschlägt? Ende der Geschichte?

Es ist nicht erforderlich, an dieser Stelle auf den Wert des lebenslangen Lernens einzugehen. Mit dem Thema sind wir alle gut vertraut (hoffe ich). Durch das Internet sind wir in der Lage, Informationen und Neuigkeiten jederzeit aktuell abzurufen. Da wir aus dem Leben gegriffene Bilder sowie persönliche Berichterstattungen von verschiedenen Standorten auf der ganzen Welt rund um die Uhr erleben dürfen, brauchen wir nicht mal Romane zu lesen oder geschickt gedrehte Kinofilme anzusehen, um dramatische Lebensbedingungen nachzuempfinden. Kurz gefasst: Die Möglichkeit, Informationen zu suchen und zu finden, ist da, wenn man weiß, wo man gucken muss … Na ja …

Ich würde nicht so weit gehen und sagen, dass Lichtdesigner nun am Scheideweg, zwischen einer selbstbewussten „Augen-zu-und-durch“-Denkweise und einem vollständigen Umdenken, warum sie jeden Morgen aufstehen, stehen. Albert Einstein, der anscheinend ein Intelligenzquotienten von 162 hatte (30 Punkte mehr als die durchschnittlich Besten!), hat mal behauptet: „In der Mitte von Schwierigkeiten liegen die Möglichkeiten“. Aber was bietet uns das Co-Design beziehungsweise die Notwendigkeit, professionell auf eine Zukunft vorbereitet zu sein, die schon da ist, an Möglichkeiten und Chancen?

Professionelle Weiterbildung (CPD = Continuing Professional Development) ist eine klare Antwort auf den zweiten Teil dieser Frage, und eventuell könnte der erste Teil auch im Bereich der CPD untergebracht werden. Wie können wir nicht fachkundige Menschen motivieren, bei der Entwicklung von Lichtdesignkonzepten mitzuwirken? Die Arbeit mit Kindern ist Herausforderung und Freude zugleich – fragen Sie jeden Lehrer/jede Lehrerin! Was wir nicht vergessen dürfen ist, dass Kinder nicht weniger intelligent sind als Erwachsene. Sie haben bloß weniger Erfahrung. Und eine unbeschriebene Tafel – Tabula Rasa – kann in vielen realen Situationen sehr vorteilhaft sein. Lassen Sie uns diesen Gedanken weiter verfolgen. Wie können wir die allgemeine Öffentlichkeit, die Nutzer von urbanen Räumen, Büroumgebungen, Läden und Einkaufszentren, Sportanlagen, Klassenräumen … involvieren, um besser zu verstehen, was sie für Licht brauchen? Welches Licht, welche Beleuchtungsanlage ist geeignet, erfüllt physische und psychologische Anforderungen und ist sozial vorteilhaft – damit wir demzufolge, das Licht by design (mit Absicht) planen und realisieren.

In der Vergangenheit sind wir bei der Einbindung von ortsansässigen und politischen Entscheidungsträgern mit den PLDA-Workshops ein großes Stück vorangekommen. Dieses Programm könnte man im Sinne von Aktionsforschung weiter ausbauen, indem man es den Lichtdesignern ermöglicht und sie ausdrücklich fordert, die Gedankengänge, welche letztlich angestoßen und angelernt werden sollen, besser zu verstehen.

Gemeinsames Lernen kann höchst effektiv sein, wenn sich alle Beteiligten beteiligt fühlen und verstehen, dass sie genauso viel zum Lernerlebnis beitragen wie sie daraus gewinnen können. Möchten Sie mehr lernen? Oder möchten Sie mehr lernen? Falls Sie auf eine oder beide Fragen mit „Ja“ geantwortet haben, sind Sie auf dem besten Weg!


 

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