10. Mai 2017

Wie kann biomedizinische Forschung Lichtdesign im Einzelhandel unterstützen?

Text: Betina Tschiedel Martau und André Comiran Tonon


In den letzten 150 Jahren hat unsere Gesellschaft einen erheblichen Wandel im Bereich Beleuchtung und Lichtgestaltung durchlebt. Vor der Erfindung des elektrischen Lichts wurden unsere Ökosysteme ausschließlich vom täglichen Rhythmus des Sonnenaufgangs und –untergangs bestimmt. Diese Änderungen im natürlichen Tageslicht erfolgen kontinuierlich im Verlauf der 24 Stunden, die zusammen einen Tag bilden. Die moderne Welt hat jedoch grundlegend verändert, wie wir unseren Lebensrhythmus nach solchen natürlichen Abläufen ausrichten. Tagsüber – und sogar bis in die Nacht – nutzen wir elektrische Lichtquellen mit fixen Farbtemperaturen und Beleuchtungsstärken.

Und doch wurden in der Geschichte der Menschheit im Zeitalter der Glühlampe keine Beleuchtungssysteme in der Nacht verwendet. Das Kunstwerk „Arkwright’s Cotton Mills by Night“ (Arkwrights Baumwollspinnereien bei Nacht) von Joseph Wright of Derby ist eines der ersten Gemälde, das darstellt, wie das Licht die Dunkelheit ablöst. Vom Jahr 1772 bis die Baumwollspinnerei geschlossen und umgenutzt wurde, war die Fabrik in Cromford, England, 24 Stunden am Tag in Zwölf-Stunden-Schichten im Betrieb. Nachts wurde die Fabrik mit Kerzen beleuchtet. Eine Zeit lang (bevor Thomas Edison und James Bowman Lindsay ihre Erfindungen entwickelten) mussten unsere Nächte auf Dunkelheit verzichten, um den Erfordernissen der modernen Welt gerecht zu werden. Heute werden die Konsequenzen von übermäßig viel Licht bei Nacht als Umweltverschmutzung betrachtet. Der Nachthimmel wird vom größten Teil der Stadtbewohner als orange leuchtend wahrgenommen, was wesentlich anders ist als der Sternenhimmel, den unsere Vorfahren nach dem Sonnenuntergang zu sehen bekamen. Lichtverschmutzung ist ein unnatürliches Szenario, auch aus ökologischer und gesundheitlicher Sicht; und heute können Mediziner beweisen, dass Licht bei Nacht eine Reihe von Verhaltens- oder Stoffwechsel-Auswirkungen für verschiedene Tierarten, einschließlich der Menschen, haben kann.

Der Dialog zwischen Architektur, Design und biomedizinischer Forschung ist besonders wichtig, weil wir heutzutage Licht nicht nur als elektromagnetische Strahlung verstehen, die einen visuellen Reiz oder sogar einen Blendeindruck verursachen kann. Licht ist auch entscheidend bei der Synchronisierung unserer biologischen Rhythmen. Demzufolge wird das Licht heute als primärer biologischer Zeitgeber anerkannt. Und das Konzept der zirkadianen angepassten Beleuchtung ist jetzt schon bestens bekannt. Durch ein komplexes neuronales Netzwerk, das an der Netzhaut beginnt (die unabhängig von Sehbahnen ist), werden Lichtstimuli im Trigeminusnerv an wichtige zerebrale Strukturen wie den suprachiasmatischen Nukleus und die Zirbeldrüse vermittelt. Letztere ist für die Produktion und Ausschüttung eines wichtigen Hormons verantwortlich: Melatonin. Diese Elemente funktionieren als unsere endogenen Oszillatoren, auch bekannt als unsere biologische Uhr, die unseren zirkadianen Rhythmus bestimmen.


Die komplette Version dieses Artikels erhalten Sie in der Ausgabe PLD Nr. 104 sowie in unserer PLD magazine App (iPad App Store).


 

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