Kommentare: Beleuchtet den gordischen Knoten!

21. Mai 2015

Wer hat das Schwert?

Text und Photos: Joachim Ritter

Immer lauter werden aktuell die Rufe nach einer Anerkennung des Berufes des Lichtdesigners und seiner Arbeit. Hier besteht wohl allgemeiner Konsens, ausgenommen möglicherweise den Architekten, den Bauherren, der Industrie und den Verbänden und all denjenigen, die Lichtdesign betreiben, aber eigentlich gar nicht die Voraussetzung für hochwertige Planung mitbringen. Das verstehen Sie nicht? Nun, ich will versuchen, das Problem zu erklären.

Natürlich hört man von allen Seiten, dass Lichtdesign wichtig ist und an Bedeutung gewinnt. Hier einen Konsens zu finden ist überhaupt kein Problem. Problematisch wird es dann, wenn man versucht zu deuten, was jeder unter einem professionellen Lichtdesigner versteht. Also nur ein Kommunikationsproblem? Nicht ganz, aber die Basis, um die Etablierung des Berufs zu verhindern oder zu verzögern Beginnen wir doch mit denjenigen, die als Vertretung ihrer Gattung betrachtet werden. Die International Association of Lighting Designers, IALD versteht in keinster Weise unter der Anerkennung des Berufes die allgemeine Anerkennung des Berufes. Sie verstehen darunter die Anerkennung ihrer Mitglieder als Professionelle und ihres Verbandes als einzigen Verband, der weltweit Lichtdesignqualität definiert. Das lässt sich politisch nicht erzwingen, klingt aber in anscheinenden Ermangelung von Alternativen gut.

In ihrer aktuellen Broschüre zu den IALD Awards 2015 heißt es: „Vorteile einer Mitgliedschaft: Werden Sie als einer der besten Lichtdesigner weltweit anerkannt“. Ist es wirklich so einfach, als einer der besten Lichtdesigner anerkannt zu werden. Ich könnte 100 Lichtdesigner nennen, die kein IALD-Mitglied und dennoch großartige Lichtdesigner sind. Nicht zuletzt waren die Radiance Award Gewinner der IALD Awards 2015 keine IALD-Mitglieder und auch zwei der drei der Award of Excellence-Gewinner waren augenscheinlich keine IALD-Mitglieder. Daran wird auch die von der IALD so promotete Certified Lighting Designer nichts ändern. Warum nicht? Weil es eine freiwillige Maßnahme ist und nicht gesetzlich zwingend, um als Professioneller zu gelten. Ich kann noch immer als Lichtdesigner praktizieren oder mich so nennen – zertifiziert oder nicht. Zudem ist die Beurteilung eine von Kollegen, man könnte auch sagen von Konkurrenten im Markt. Ich will nicht unterstellen, dass man seine Kollegen bewusst falsch bewertet, aber als Berufsanerkennung ist das zu wenig und nicht fundiert genug. Ein Arzt wird nicht zum Arzt, weil seine Kollegen ihn als solchen anerkennen. Er muss seine Qualifikation knallhart nach bestehenden Richtlinien nachweisen. Und das immer wieder von Neuem.

So verbleibt CLD ein Marketingtool, aber kein Gradmesser für professionelles Lichtdesign. Und die IALD verbleibt als Promoter ihres eigenen Verbandes und seiner Mitglieder, aber nicht als unabhängige Vertretung eines Berufes. Mehr und mehr sehe ich auf Visitenkarten die Berufsbezeichnung „Architekt und Lichtdesigner“. Hier ist sachlich wohl nichts falsch. Niemand kann Architekten verbieten, auch die Lichtplanung zu übernehmen. Oder eine Lichtdesignkonzept zu erstellen und dieses von der Industrie realisieren zu lassen. Traditionell war der Architekt für das Licht verantwortlich. Deshalb stellt sich mir die Frage, wieso sind nicht alle Architekten in der IALD? Darf man als IALD-Mitglied auch praktizierender Architekt sein? Natürlich darf man, auch wenn die Planung von Herstellern gemacht wurde.

Die Lichtindustrie versteht unter Lichtdesigner jemanden, der die Produkte sinnvoll und richtig einsetzt und damit gutes Design schafft. Das hört sich zunächst richtig gut an. Und weil für Lichtqualität hochwertige Produkte benötigt werden, ist es plausibel, warum man einen Lichtspezialisten benötigt. Die Industrie macht auf Grund ihrer Interessen keinen Unterschied zwischen Lichtdesigner, Lichttechniker, Architekt, Innenarchitekt oder Händler, oder Planer aus eigenem Haus. Hauptsache, es wird geplant und spezifiziert. Dieser Ansatz klingt in der Diskussion noch am meisten der Realität genähert. Entscheidend ist, dass eine unabhängige Institution den Titel Lichtdesigner vergibt. Ein solcher kann aber auch in der Industrie arbeiten. Es kann aber auch ein Architekt sein, der in der Industrie arbeitet. Kann er IALD-Mitglied sein, obwohl Architekt und nachgewiesen fähig hochwertiges Design zu liefern? Nein, denn die IALD geht davon aus, dass jeder Angestellte der Industrie nicht gut genug plant und würden sogar Architekten in der Industrie die Anerkennung verweigern.

Das Problem besteht darin, dass Lichtdesign als Beruf nicht eindeutig und zweifelsfrei definiert ist, diese Definition keine gesellschaftliche und politische Anerkennung genießt und jeder nach seiner Auffassung und seiner Notwendigkeit diesen Begriff mit seinen Inhalten belegen kann oder ihn so dehnt und auslegt, wie er mag. Definition und Anerkennung sind notwendig – wie der gordische Knoten, der beleuchtet und zerschlagen wird von einem unabhängigen Gremium. Ein Lichtdesigner ist ein Spezialist, der seinen Beruf auf wissenschaftlichen Grundlagen erlernen kann, der seine ethische Verantwortung kennt, der sein Wissen im Sinne der Nutzer nutzt und nicht missbraucht. Wissen plus Ethik.

Es ist an der Zeit, Interessen zurückzustellen im Sinne eines Gesamtmarktes und den Beruf des Lichtdesigners endlich zu definieren und anerkennen zu lassen.

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