Planungsbeteiligte:

Pablo Bolinches Vidal, Darragh Breathnach, Daria Leikina

www.vavarchitects.com

 

16. Okt 2015

Über das Spiel mit der Wahrnehmung

Text: Joachim Ritter
Photos: VAV & Miquel Merce

Wenn man sich einen Spiegel vor das Gesicht hält, versucht man sich selbst aus einem anderen Blickwinkel zu betrachten oder zu erkennen. Und obgleich man sich selbst nicht ändert, kann es passieren, dass man doch etwas Neues in sich entdeckt. Alles ist also eine Frage des Standpunkts und der Sichtweise. Auch einem Raum kann man den Spiegel vorhalten, um sich zu erkennen…

Der Spiegel als bewusstes Mittel der Raumgestaltung oder -Erweiterung ist nichts anderes, als mit den Tücken unseren visuellen Systems zu spielen oder zu hantieren. Der Spiegel beweist uns, dass alles eine Frage der Wahrnehmung ist, des Glaubens dessen, was wir zu sehen meinen. Auch die Natur bietet uns Spiegelflächen. Und auch hier wird das Gehirn des Menschen gefordert, sich von der Wahrnehmung nicht leiten zu lassen und auf die Erfahrung zu setzen. Und doch bleibt beim Betrachten eine Faszination und es entsteht eine neue Raumstruktur, die durch eine Spiegelung hervorgebracht wird, eine andere Welt in die man eintritt und sie erlebt. Bewusstseinserweitung, Hingabe, Raumgewinn, Auflösung der Grenzen, Freiheit! Wohl deshalb ist der Spiegel in Märchen oftmals eine Art Tür, ein Zugang zu einer anderen Welt. Allerdings finden wir in der Natur Spiegelungen nicht in der Vertikalen, wie der Spiegel an der Wand, der auf uns ausgerichtet ist, sondern in der horizontalen Ebene. Das Wasser von Seen und Flüssen bietet uns Abbilder von der Natur und verändert unsere Sichtweise. Allein die Bewegung des Wassers erinnert und hält unser Bewusstsein in der Realität. Die Spiegelung und die Ruhe eines Sees dagegen verführt uns zur Hingabe und selbst eine Trance scheint denkbar. Was auch immer wir sehen, die Realtität wird von der Wahrnehmung abgekoppelt. Ein Raum gewinnt nicht an Größe, weil ein Spiegel uns dieses glauben lässt und die Raumbegrenzungen nicht eindeutig erfahrbar macht. Aber ein Spiegel verändert den Glauben an die Größe eines Raumes. Eine Sinneserweiterung? Wohl nur dann, Bilder unten: Himmel? Wald? Mauerwerk? Je nach Winkel bekommt der Betrachter eine völlig andere Impression der Brücke. Wohl nur dann, wenn man sich dieser hingibt. In einer Installation haben VAV Architekten mit Spiegeln experiementiert und gezeigt, wie ein Raum durch Spiegel und Licht völlig neue Erfahrungen und Raumeindrücke entwickeln kann. […]

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Die komplette Version dieses Artikels erhalten Sie in der Ausgabe PLD Nr.99

 

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