Text: Deborah Burnett

05. Mai 2010

Ach du meine Güte…er ist grün!
Über den evolutionären menschlichen Drang, das Licht zu nutzen, um subtile Farbveränderungen der Haut des Menschen hervorzuheben und in physiologische und psychologische Verfassung eines Menschen zu deuten

Als ich letzten September den Fernseher einschaltete, um mir die Rede des amerikanischen Präsidenten Barack Obama vor den Vereinten Nationen anzusehen, war ich entsetzt über das kränkliche Erscheinungsbild des mir entgegenblickenden Weltanführers. Anstatt einer kraftvollen Botschaft von einem jugendlichen, lebhaften, die Gesundheit verkörpernden Weltanführer zu sehen, war mein Blick gefesselt von dem grünlichen Gesicht mit Augenrändern von jemandem, der die Stimme und das energetische Auftreten von Obama hatte, aber deutlich älter, abgemagert und kränklich erschien. So viel zum Thema vermischte Signale der Wahrnehmung!

Als ich der kräftigen Stimme eines charismatischen Weltanführers zuhörte, wie er eine wichtige Rede hielt, war ich verwirrt. Was ich sah, war nicht derselbe gesunde und lebhafte Mann, den ich früher am selben Tag als Präsident Obama bei einer anderen Rede im Fernsehen erkannte. Vor mir abgebildet war ein Obama mit einem gespenstisch grünen Gesicht, der vor einer dunkelgrünen, stark reflektierenden Marmorwand stand und durch seine matte Gesichtsfarbe und die trüben Augen wie ein Mann von schlechter Gesundheit erschien; ein universal anerkanntes körperliches Symptom für Krankheit und Leiden. Mit fassungslosem Unglauben stellte ich fest, dass meine gestörte Sinneswahrnehmung nicht durch meinen alternden Fernseher, sondern vielmehr durch das Versagen einer gehetzten Beleuchtungscrew ausgelöst wurde. Ich konnte nicht glauben, dass in Zeiten von Politikern, die die Medien für ihre Zweck zu nutzen wissen, und einem vom Erscheinungsbild gesteuerten Wahlverhalten, ich tatsächlich Zeugin des allbekannten Fehlers von Lichtdesignern wurde, nicht die Auswirkungen von künstlichem Licht auf der menschlichen Haut zu berücksichtigen. Indem sie bei der Bestimmung der Lichtlevel bei der Ausstrahlung
die reflektierenden und schimmernden Eigenschaften der Marmorwand nicht berücksichtigten, sind sie in einer „evolutionären“ Art gescheitert, ein angemessenes biologisches Signal zu schaffen, mit dem man die Absichten des Redners bewerten kann. Die Untersuchung, wie wir subtile Veränderungen im optischen Erscheinungsbild der Gesichtshautfarbe nutzen, um Gefahren für unser emotionales und physisches Überleben zu erkennen, ist die Grundlage jüngster wissenschaftlicher Forschungen. Aktuellste Beweise, die andeuten, wie und warum optische Fotorezeptoren spektral empfindlich auf die zugrundeliegende Reflektivität des Hämoglobins unterhalb der Hautoberfläche reagieren, bringen uns dazu, die sinnentstellenden Auswirkungen von künstlichem Licht auf das optische Erscheinen menschlicher Haut erneut zu untersuchen. […]

Die komplette Version dieses Artikels erhalten Sie in der Ausgabe PLD Nr. 71

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